
Kirchliche Feiern zum Down-Syndrom-Tag im Zeichen der Inklusion
Rund um den Welt-Down-Syndrom-Tag am 21. März setzen kirchliche Initiativen in Österreich verstärkt Zeichen für Inklusion und gesellschaftliche Teilhabe. Gottesdienste und Veranstaltungen wollen dabei nicht nur Aufmerksamkeit schaffen, sondern konkrete Begegnungen ermöglichen und die Botschaft vermitteln: Menschen mit und ohne Behinderung gehören selbstverständlich zusammen. Zudem beginnt Inklusion dort, wo Betroffene nicht nur eingeladen sind, sondern selbstverständlich mitgestalten.
Bereits am vergangenen Sonntagabend wurde im Wiener Stephansdom der Gottesdienst zum Welt-Down-Syndrom-Tag gefeiert. Die Messe, die heuer zum 16. Mal stattfand, stand unter dem Motto "Die Liebe ist das größte Gut", angelehnt an den Wiener Stadtpatron Klemens Maria Hofbauer. Organisiert wurde sie von der Seelsorge für Menschen mit Behinderungen der Erzdiözese Wien in Zusammenarbeit mit dem Down-Syndrom Eltern Forum Wien und dem Verein "Ich bin O.K.".
Im Zentrum der Feier stand die Botschaft der Inklusion und gegenseitigen Wertschätzung, sowie auch der Hinweis auf das Problem der sozialen Isolation vieler Betroffener im Erwachsenenalter. Einsamkeit sei nicht Folge des Down-Syndroms selbst, sondern entstehe durch gesellschaftliche Barrieren, hieß es. Ziel müsse es daher sein, echte Teilhabe zu ermöglichen, auch in Kirche und Glauben.
Betroffene als Protagonisten
Die Gestaltung des Gottesdienstes war bewusst inklusiv angelegt. Liturgische Texte, Lesungen und das Evangelium wurden in einfacher Sprache formuliert, um möglichst vielen Mitfeiernden den Zugang zu ermöglichen. Zelebrant Traian Tamas trug das Evangelium bewusst langsam und verständlich vor, zudem wurden Teile der biblischen Erzählung pantomimisch dargestellt, was insbesondere Menschen mit Down-Syndrom entgegenkommt.
"Es geht bei einer inklusiven Feier nicht darum, alles zu erklären, sondern dass Inhalte mit ausreichender Ruhe präsentiert werden", erklärte die diözesane Organisatorin Anamarija Sobocanec-Sostaric gegenüber Kathpress. Menschen mit Down-Syndrom bräuchten oft mehr Zeit für das Erfassen, weshalb eine angepasste liturgische Sprache ein wichtiger Schritt zu echter Teilhabe sei. Wichtig sei auch, Menschen mit verschiedenen Arten von Behinderungen für sich selbst sprechen zu lassen. "Wir sollten nur lernen, ihnen zuzuhören."
Entsprechend spielten beim Gottesdienst Menschen mit Down-Syndrom selbst eine zentrale Rolle und trugen aktiv zu Musik, Tanz, Ministrieren und zum Vorlesen von Texten bei. Für die musikalische Gestaltung sorgten die Glaubensgruppe "Faith4U&Me" sowie das Veeh-Harfen-Ensemble "Saitensalat". Der Verein "Ich bin O.K." brachte sich mit einer Tanzeinlage zum Thema Liebe ein. Der große organisatorische Aufwand - von eigenen Audiosystemen bis zur intensiven Vorbereitung - zeige jedoch auch, dass Inklusion vielfach noch zusätzlicher Strukturen bedarf, so Sobocanec-Sostaric.
Bunte Socken, Spiel und Kabarett
Auch in anderen Bundesländern wird der Welt-Down-Syndrom-Tag kirchlich und gesellschaftlich begangen. In Salzburg lädt die Erzdiözese am Samstag (21. März, ab 10.30 Uhr) zu einem inklusiven Programm ins Spielzeug Museum ein. Kreativ- und Bewegungsstationen sollen Begegnung fördern und Menschen und Familien mit wie auch ohne Behinderung zusammenbringen. Am Abend findet zudem ein Benefiz-Kabarett von Ingo Vogl zugunsten von Menschen mit Down-Syndrom statt.
In Feldkirchen in Kärnten wird am Sonntag (22. März, ab 10.15 Uhr) in der Stadtpfarrkirche Maria im Dorn ein Gottesdienst unter dem Motto "Hier ist Platz in unserer Mitte!" gefeiert. Eingeladen sind besonders Menschen mit Behinderung und ihre Familien. Im Anschluss lädt ein "Rock the Socks"-Pfarrkaffee zum gemeinsamen Austausch ein; Dresscode sind unterschiedliche Socken, heißt es in der Einladung.
Symbolisches Datum
Der Welt-Down-Syndrom-Tag wird jedes Jahr am 21. März - dem dritten Monat des Jahres - begangen. Das Datum verweist symbolisch auf das dreifach vorhandene Chromosom 21, das für die genetische Besonderheit verantwortlich ist. Bei Menschen mit Down-Syndrom liegt dieses Chromosom nicht wie üblich doppelt, sondern dreifach vor, woher die Bezeichnung Trisomie 21 kommt. 2013 wurde dieser Tag von den Vereinten Nationen zum Welttag erklärt, um die Anliegen von Menschen mit Down-Syndrom für alle bewusst zu machen.
Weltweit leben rund fünf Millionen Menschen mit Down-Syndrom. Sie weisen oft charakteristische körperliche Merkmale sowie unterschiedlich ausgeprägte kognitive Beeinträchtigungen auf. Gleichzeitig hat sich das Verständnis in den vergangenen Jahrzehnten deutlich gewandelt: Mit entsprechender Unterstützung können viele Betroffene aktiv am gesellschaftlichen Leben teilnehmen. Gerade kirchliche Initiativen wollen dazu beitragen, diese Teilhabe zu stärken. (Infos: www.behindertenseelsorge.at, www.down-syndrom.at)
Quelle: kathpress