
Grünwidl: Ergebnisse der Weltsynode ernst nehmen und handeln
"Wenn wir die Ergebnisse der letzten Weltsynode ernst nehmen, dann müssen sich auch manche Bestimmungen, Traditionen und auch kirchenrechtliche Regelungen ändern." - Das hat der Wiener Erzbischof Josef Grünwidl im Interview mit der Nachrichtenagentur Kathpress und den Medien der Erzdiözese Wien betont. Es gebe jedenfalls Bereiche, wo er Handlungsbedarf sehe, wenn man die Ergebnisse der Synode "erden und auf den Boden bringen will".
Konkret für die Erzdiözese Wien sah der Erzbischof etwa die Frage, "wie es gelingen kann, dass Beratungsgremien, auch die des Bischofs, so zusammengesetzt sind, dass dort nicht nur geweihte Männer sitzen, sondern auch Getaufte teilnehmen können", Männer wie Frauen. Grünwidl wies auf Nachfrage auf erste Ansätze hin, so gebe es im Bischofsrat schon drei Frauen als Mitglieder mit Stimmrecht. Bei der Weltsynode sei auch angeregt worden, dass Frauen stärker in die Ausbildung in den Priesterseminaren und in die Ausbildung der anderen pastoralen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einbezogen werden. Noch gebe es aber im Kirchenrecht Bestimmungen, die das so nicht ermöglichen würden.
Für Aufsehen hatte Grünwidl vor Kurzem beim Festgottesdienst zur Vollversammlung der Bischofskonferenz gesorgt, als er in seiner Predigt den markanten Satz prägte, "dass das Kirchenrecht nicht verhindern kann, was der Heilige Geist will". Im Interview präzisierte Grünwidl nun seine Aussage. Er habe sich auf einen Text bezogen, "den wir in der Apostelgeschichte finden, wo der Hohe Rat die Apostel verurteilen will. Und der Pharisäer Gamaliel den Rat gibt: Wenn das, was die Apostel tun, von Gott kommt, vom Heiligen Geist, dann können wir es nicht verhindern." Und so wolle er es auch verstanden wissen. Bei seiner Predigt habe vor allem die Frauenfrage im Fokus gestanden: "Wenn diese Frage vom Heiligen Geist kommt und wenn das ein Zeichen der Zeit ist, dann wird sich das auch durchsetzen und wird das in der Kirche geschehen. Das Kirchenrecht richtet sich ja immer nach der Lehre der Kirche."
Grünwidl will Seelsorger bleiben
In seinem Amt als neuer Erzbischof von Wien sei er inzwischen gut angekommen, resümierte Grünwidl. Es sei nachvollziehbar, dass Kardinal Christoph Schönborn in den letzten Jahren manche Entscheidungen nicht mehr getroffen hatte, um seinen Nachfolger nicht zu präjudizieren. Auch er habe als Administrator solche Entscheidungen nicht treffen dürfen. Deshalb stünden nun einige vordringliche Dinge an: "Da geht es um die Fragen der Strukturreform mit Pfarrgründungen und Pfarrgrenzänderungen. Da ist unser Leitbild, das auf dem Weg ist. Das sind Inkardinierungen von Priestern, die in der Zeit ohne amtierenden Bischof angestanden sind und gewartet haben. Es gibt einiges an Verwaltungsaufgaben, die jetzt dringend zu erledigen sind."
Er versuche dabei aber seine Zeit so einzuteilen, dass er einen Halbtag in der Woche hinausfahren könne zu den Menschen; etwa in ein Pflegeheim, in eine Caritas-Einrichtung oder eine Schule. Sehr wichtig seien ihm natürlich auch die Sonntage, wo er Besuche in Pfarrgemeinden mache, um mit den Menschen Gottesdienst zu feiern und ins Gespräch zu kommen.
Insofern sei er auch weiterhin Seelsorger, betonte der Erzbischof. Und er fügte hinzu: "Ich sehe auch meine Telefonate, ich sehe die Post, wenn ich Anfragen beantworte, als seelsorgliche Aufgaben. Und auch in den Gesprächen, wenn es etwa Priestersprechtage sind, wenn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu mir kommen, da sehe ich mich auch als Seelsorger, nicht nur als Chef und Vorgesetzter."
Überreichung des Pallium am 29. Juni
Am 29. Juni, dem Festtag von Peter und Paul, wird Erzbischof Grünwidl in Rom von Papst Leo XIV. wie alle neu ernannten Erzbischöfe das Pallium überreicht bekommen. Das mit sechs Kreuzen bestickte, etwa fünf Zentimeter breite Band aus weißer Lammwolle dürfen nur Erzbischöfe tragen, die eine Kirchenprovinz leiten. In Österreich sind dies der Erzbischof von Salzburg und von Wien. Er sehe das Pallium nicht als persönliche Auszeichnung, "sondern als Erinnerung und Bestärkung für meinen Dienst als Bischof in der Erzdiözese Wien", so Erzbischof Grünwidl.
Er übernehme gerne Verantwortung, sehe sich aber nicht als Einzelkämpfer. "Wir sind mit den Beratungsgremien in der Erzdiözese Wien schon ganz gut synodal aufgestellt. "Nach wirklich guten Beratungen mit vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern treffe ich dann gerne auch Entscheidungen und weiß zugleich, dass ich damit die Verantwortung zu übernehmen habe."
Dank an Kirchenbeitragszahlende
Grundauftrag der Kirche sei es, das Evangelium zu verkünden und Menschen in ihrer Beziehung zu Gott, in ihrer Beziehung, in ihrer Freundschaft mit Jesus Christus zu stärken und zu begleiten. Das sei das Attraktive an der Kirche. Aber um das umsetzen zu können, braucht es eben auch ein Gerüst: Gebäude, Personal und Geld. In der Erzdiözese Wien gebe ca. 1.200 Priester und ca. 1.700 weitere hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Pfarren und in den verschiedenen Einrichtungen. "Und wir haben Institutionen, wo es um Ausbildungsvorgänge geht, um Berufsbegleitung." Auch dafür brauche es finanzielle Mittel, so Grünwidl.
Er wolle an dieser Stelle auch allen danken, "die mit dem Kirchenbeitrag unsere Arbeit und das kirchliche Leben unterstützen und auch zeigen, dass sie das wertschätzen, was wir tun". Auch wenn viele der Kirchenbeitragszahler keinen direkten oder regelmäßigen Kontakt mit Kirche oder Pfarre hätten, sehe er dies als einen "ganz wichtigen und wertvollen Beitrag, den diese Menschen für unsere Arbeit leisten". Und er bitte zugleich um Verständnis, dass es in der Kirche auch immer wieder Anlass zu Kritik gibt oder "manche Menschen auch enttäuscht sind von einzelnen Vertreterinnen oder Vertretern der Kirche".
Das Interview mit Erzbischof Grünwidl zum Nachlesen gibt es in der aktuellen Ausgabe der Wiener Kirchenzeitung "Der Sonntag". "radio klassik Stephansdom" bringt das Interview am Mittwoch, 1. April, um 19 Uhr in der Sendung "Perspektiven". Die Sendung ist danach auch als Podcast abrufbar. Eine gestraffte Form des ausführlichen Interviews ist zudem als neue Folge des Religionspodcasts "Wer glaubt, wir selig" abrufbar. (Infos: www.katholisch.at bzw. studio-omega.at)
Quelle: kathpress