
Glettler: An weltweiten Karfreitagen solidarisch mit Leidenden sein
Zu einer solidarischen Verbundenheit mit den Leidenden und zum aufmerksamen Hinhören auf ihre Sorgen hat der Innsbrucker Bischof Hermann Glettler am Karfreitag aufgerufen. "Nur wenn wir die Karfreitage unserer Zeit ernst nehmen, können wir auch Ostern feiern", betonte Glettler im Interview mit der "Tiroler Tageszeitung". Gerade heute, "wo weltweit so viele Karfreitage erlebt werden", lade der Tag dazu ein, still zu werden, Prioritäten neu zu setzen und das Leben achtsamer wahrzunehmen. In einer Gesellschaft mit spürbarer sozialer Schieflage gelte es, genauer hinzusehen und "weniger drauflosbehaupten".
Wirklich kraftvoll werde Ostern laut Glettler dann, "wenn Menschen bereit sind, den Weg Jesu mitzugehen - einen Weg des Verzichts auf Gewalt. Alles andere führt dorthin, wo wir jetzt sind". Die Osterbotschaft sei dabei "kein künstlicher Stimmungsaufheller, sondern ein Ernstnehmen der Welt in ihrer Abgründigkeit". Dennoch öffne Ostern einen "Korridor der Zuversicht".
Mit Sorge betrachtet der Bischof das Auseinanderdriften sozialer Welten. "In einer Wohlstandsblase spürt man kaum, dass viele zu kämpfen haben, bereits in der Mitte unserer Gesellschaft", so Glettler. Es sei entscheidend, sich "aus den ideologischen Bubbles herauslocken zu lassen und niemanden auf die Verliererstraße zu drängen". In diesem Zusammenhang hob er die tragende Rolle von Vereinen, Familien und Nachbarschaften hervor, die täglich soziales Engagement zeigten.
Diesen Einsatz fordert der Bischof auch von den politischen Entscheidungsträgern: "Ich vertraue darauf, dass genügend Frauen und Männer auf der Basis ihrer christlichen Werte Verantwortung übernehmen. Auch in der Politik." Im "aktuellen Speed von Meinungsäußerungen" sei dies für alle eine Herausforderung. Glettler erinnerte dabei an ein zentrales Anliegen von Papst Leo XIV.: die "Entfeindung im eigenen Herzen". Das erste Jahr seines Pontifikats sei geprägt von der steten Sorge um einen nachhaltigen Weltfrieden. "Erst am Palmsonntag hat er klargestellt, dass niemand Gott als Rechtfertigung für den Krieg missbrauchen dürfe", so der Bischof.
Seinen Osterwunsch formulierte Glettler hoffnungsvoll: "Ich wünsche uns allen mehr Geist, mehr Mut, mehr österlichen Sprit im Herzen - aller Gleichgültigkeit und Ermüdung zum Trotz. Und den österlichen Frieden Jesu im Herzen."
Quelle: kathpress