
Ordenskonferenz-Vorsitzende: Sehnsucht nach Stille wächst
In einer von Krisen und hohem Tempo geprägten Gesellschaft wächst die Sehnsucht nach Stille und Entschleunigung: "Viele Menschen haben die Sehnsucht danach, langsamer unterwegs zu sein, leiser zu treten, wissen aber nicht wirklich, wie es geht", sagt die neue Vorsitzende der Österreichischen Ordenskonferenz, Schwester Franziska Madl, im Gespräch mit noe.ORF.at (Freitag). Zugleich warnt die Priorin der Wiener Dominikanerinnen: Eine Gesellschaft, die die Stille verliere, verliere auch den "Blick fürs Wesentliche". Ordensgemeinschaften seien hier ein Gegenpol. "Was sicher hilft, ist der Rhythmus im Tag, der durch die Gebetszeiten gegeben wird", so der zweite Vorsitzende der Ordenskonferenz, Propst Anton Höslinger, im gemeinsamen Interview, das am Freitag (19 Uhr) via ORF 2 NÖ gesendet wird.
Zwar sei ein hohes Lebenstempo nicht grundsätzlich problematisch, "solange der ganze Mensch noch mitkommt, und das ist vielleicht nicht immer so", so Sr. Madl. Vieles geschehe aber "im Kleinen und im Stillen".
Gleichzeitig stehen die Orden selbst unter Druck. Die Gemeinschaften werden kleiner und älter. "Wenn die Mehrheit der Mitglieder in einer Gemeinschaft ein bestimmtes Alter hat, wird manches langsamer, manches schwieriger", so Madl. Die Herausforderungen reichten von der Alltagsorganisation bis zur Betreuung älterer Mitglieder. Gefragt nach dem Fall der Goldenstein-Schwestern, bei dem es u.a. auch um die Versorgung der betagten Schwestern ging, meinte Madl: "Ich persönlich habe das von Anfang an sehr kritisch gesehen, weil das Bild, das transportiert wurde, mit dem, wie ich Ordensleben erlebe, nichts zu tun hat. Und ich hatte immer den Eindruck, es geht nicht wirklich um die drei Schwestern und ihre Versorgung, sondern da werden viele andere Themen mit abgehandelt, die mit Ordensleben nichts zu tun haben."
Rund um die Debatten über die Rolle von Frauen in der Kirche plädiert Madl für eine stärkere Orientierung an Kompetenzen. "Für mich persönlich hat das nicht wirklich etwas mit dem Geschlecht zu tun, sondern eher mit der Eignung", sagt sie. Frauen würden aber eher die Kompetenz und Eignung abgesprochen als Männern: "Wenn es um einen Mann geht, stellen wir diese Frage nicht. Wenn es um eine Frau geht, wird immer dieselbe Frage gestellt." Und: "Wenn eine Frau am besten geeignet ist, sollte das eine Frau tun."
Volkskirche gibt es nicht mehr
Auch die Kirche insgesamt befinde sich im Wandel, betont Höslinger. Der Rückgang der Katholikenzahlen sei "nicht nur" eine Frage des Geldes, sondern Ausdruck gesellschaftlicher Entwicklungen und veränderter Formen gelebter Religiosität. Die frühere "Volkskirche", in der Kirche und Gesellschaft weitgehend deckungsgleich gewesen seien, gebe es "so heute nicht mehr", konstatiert der Leiter des niederösterreichischen Stifts Klosterneuburg. Höslinger trägt u.a. für die wirtschaftlichen Betriebe und die rund 200 Mitarbeitenden Verantwortung.
Gefragt nach der Diskussion rund um das Zölibat wies Höslinger auf die Entscheidung für das Ordensleben hin: "Für uns Ordensleute ist es in einer Weise relativ einfach, weil wir ja diesen Schritt bewusst tun. Um in den jeweiligen Gemeinschaften leben zu können, verzichten wir eben auf Ehe und Familie. Bei den Priestern ist es eine etwas andere Diskussion, aber auch die wird immer wieder aufs Neue geführt werden."
Quelle: kathpress