
Stift St. Lambrecht: Ostern im Zeichen des 950-Jahr-Jubiläums
Das steirische Benediktierstift St. Lambrecht begeht heuer sein 950-Jahr-Jubiläum. Den Festgottesdienst am Ostersonntag feierte der Grazer Weihbischof Johannes Freitag mit den Mönchen und den Gläubigen von St. Lambrecht. Er stellte seine Osterpredigt ganz ins Zeichen des Stiftsjubiläums.
Fast ein Jahrtausend geistlichen Lebens, Gebet und Arbeit, würden St. Lambrecht prägen, "fast ein Jahrtausend österliches Gedenken und Feiern der Auferstehung". Wenn man diese lange Zeitspanne betrachtet, dann werde eines besonders deutlich, so der Bischof: "Diese 950 Jahre waren keine gleichförmige Geschichte. Es waren Zeiten des Aufbruchs und Zeiten der Krise, Zeiten des Friedens und Zeiten großer Unsicherheit, Zeiten des Wachstums und Zeiten des Rückgangs. Und doch - trotz all dieser unterschiedlichen Umstände - wurde hier Jahr für Jahr, Generation für Generation, Ostern gefeiert." Das zeige, dass die Auferstehung Christi nicht von äußeren Umständen abhängt, "sondern, dass sie uns trägt, durch die Zeit".
Dazu gehöre auch noch eine zweite, ebenso grundlegende Erfahrung, die St. Lambrecht präge, so Weihbischof Freitag: "Seit 950 Jahren erklingt hier im täglichen Gebet der Kirche nicht zuerst das Wort: 'Gott, dich habe ich', sondern: 'Gott, du mein Gott, dich suche ich'."
Diese lebendige Bewegung der Gottsuche sei zutiefst österlich. Freitag: "Ostern bedeutet nicht, dass alle Fragen gelöst wären. Es bedeutet nicht, dass wir Gott einfach in der Hand haben. Sondern: dass wir ihm neu entgegengehen dürfen."
Fazit des Weihbischofs: "Wenn wir heute auf 950 Jahre St. Lambrecht schauen, dann sehen wir genau diese doppelte Spur: eine Geschichte der Treue im Wandel der Zeiten und eine Geschichte der Gottsuche, die nie abgeschlossen ist."
Buntes Programm zum 950. Gründungsjahr
Unter dem Leitwort "Geist voll leben - seit 950 Jahren" will das Kloster St. Lambrecht im Jubiläumsjahr nicht nur auf seine Geschichte zurückblicken, sondern sich bewusst als geistlicher Ort der Gegenwart positionieren. - Mit einem breit angelegten Festprogramm mit Schwerpunkten aus Liturgie, Kultur, Wissenschaft und Begegnung. Abt Alfred Eichmann spricht im Programmheft des Jubiläums vom Auftrag, Geschichte nicht nur zu bewahren, sondern "Zukunft zu gestalten". Der runde Geburtstag solle für das Stift und seine Besucher zu einem "Jahr des Hörens, Suchens und Wachsens" werden. Die Mönche des Klosters verfolgten seit jeher den Auftrag, "Land und Leute Kultur zu bringen, in Gemeinschaft zu leben und Gott im Gebet zu suchen". Somit sei das Kloster zu einer "Quelle" geworden, die Menschen einlade, Stille, Gemeinschaft und geistliche Orientierung zu finden und sie dabei "begleitet, prägt und trägt".
Einige kommende Höhepunkt im Jubiläumsjahr sind der Stiftertag am 16. Juni zum 950. Todestag des Klostergründers Markgraf Markward von Eppenstein mit Abtpräses Johannes Perkmann, der Benediktus-Sonntag im Juli mit Bischof Josef Marketz sowie das Titelfest der Österreichischen Benediktinerkongregation am 8. Dezember mit Abtprimas Jeremias Schröder aus Rom. Auch mehrere Wallfahrten wird es geben, darunter jene nach Maria Schönanger und nach Mariazell, das von Mönchen des Stiftes gegründet und bis heute seelsorglich betreut wird.
Einen zentralen Akzent legt das Stift auf die Vermittlung klösterlicher Spiritualität. In der Reihe "Geschichten erzählen" laden Mönche und Fachexperten monatlich zu Vorträgen und Gesprächen über die Geschichte, benediktinisches Leben und aktuelle Herausforderungen ein, mit Schwerpunkten wie "Dem Gottesdienst soll nichts vorgezogen werden" oder "Müßiggang ist der Seele Feind". Ergänzt wird das Programm durch ein theologisches Symposium vom 15. bis 17. Oktober, das unter dem Titel "ora et labora et lege" Impulse für eine "Pastoral des Da-Seins" aus der "Theologie der Menschwerdung" entwickeln will.
Auch in kultureller Hinsicht wird das Jubiläumsjahr ausgiebig gefeiert. Besonderes Aufsehen verspricht die Theaterproduktion "Der Name der Rose" im Sommer, die Umberto Ecos Roman als Stationen-Theater in der gesamten Klosteranlage inszeniert. Rund 60 Mitwirkende, eigens komponierte Live-Musik sowie aufwendige Licht- und Klanginstallationen machen das Stift selbst zur Bühne. Daneben sorgen Konzerte, Ausstellungen, Kinder- und Jugendangebote sowie kirchenmusikalische Großprojekte für ein dichtes kulturelles Programm.
Ein weiterer Meilenstein ist die Neugestaltung des Stiftsmuseums, das am 24. April eröffnet wird. Unter der Leitfrage "Was ist der Mensch?" spannt die neue Präsentation einen Bogen von der Romanik bis in die Gegenwart. Zu sehen sind bedeutende Kunstwerke, liturgische Schätze und historische Modelle der Klosteranlage. Anlässlich des Jubiläums kehren auch die berühmte Strahlenkranzmadonna und die Lambrechter Votivtafel nach St. Lambrecht zurück.
Geistiges Zentrum in der Obersteiermark
Das Benediktinerstift St. Lambrecht wurde im Jahr 1076 von Markgraf Markward von Eppenstein in einer damals abgelegenen Waldregion gegründet und entwickelte sich rasch zu einem geistlichen, kulturellen und wirtschaftlichen Zentrum der Obersteiermark. Über Jahrhunderte prägten die Mönche nicht nur das religiöse Leben, sondern auch Landwirtschaft, Bildung und Kunst weit über die Region hinaus. Zeiten des Aufschwungs wechselten sich mit tiefen Einschnitten ab, darunter die Aufhebung im Zuge der josephinischen Reformen, die erneute Blüte im 19. Jahrhundert sowie die Vertreibung der Mönche während der NS-Zeit. Mit der Rückkehr des Konvents im Jahr 1946 begann ein neuer Abschnitt, in dem das Stift seine Rolle in Kirche und Gesellschaft neu definierte.
Heute versteht sich St. Lambrecht als offenes Kloster, das benediktinische Spiritualität mit zeitgemäßen Fragen verbindet, durch Gebet, Bildung, kulturelle Begegnung und verantwortungsvolles Wirtschaften. Neben der Pflege des geistlichen Lebens zählen auch die Pfarr- und Pilgerseelsorge, das Engagement für Nachhaltigkeit sowie Angebote wie die "Schule des Daseins" zu den besonderen Schwerpunkten. (Infos: www.stift-stlambrecht.at)
Quelle: kathpress