
Pax Christi für "soziale Verteidigung" neben Wehr- und Zivildienst
Mit der Forderung zur Schaffung eines Dienstes zur "sozialen Verteidigung Österreichs" lässt die Friedensbewegung Pax Christi Österreich in der laufenden Wehrdienstreform-Debatte aufhorchen. Bei ihrem Vorschlag einer dritten Option neben Wehr- und Zivildienst gehe es um die "Verteidigung von Demokratie, Menschenrechten und dem solidarischen Miteinander, das nicht auf Druck einer möglichen Besatzungsmacht preisgegeben werden darf", erklärte der Vorsitzende der katholischen Bewegung, Wolfgang Palaver, in einer Aussendung am Dienstag.
Im Unterschied zur zivilen Verteidigung, die Teil des militärischen Sicherheitskonzeptes bleibe, sei die soziale Verteidigung der Gewaltfreiheit verpflichtet, so der Innsbrucker Theologe. Palaver: "Ihr Ziel ist nicht die Verteidigung von Grenzen und Territorien, sondern der Schutz der Lebensweise. Es geht um die Verteidigung von Demokratie, Menschenrechten und dem solidarischen Miteinander, das nicht auf Druck einer möglichen Besatzungsmacht preisgegeben werden darf."
Ein Vorteil der sozialen Verteidigung sei, dass sie schon heute die Resilienz der Gesellschaft stärke. "Je resilienter eine Gesellschaft schon heute ist, desto stärker kann sie gewaltfreien Widerstand im Konfliktfall leisten", so Pax Christi.
Als Ideengeber nennt die kirchliche Organisation den Berliner Philosophen Olaf Müller, der bei der Pax-Christi-Generalversammlung über aufgeklärten Pazifismus sprach und von einem ähnlichen der Gewaltfreiheit verpflichteten Vorschlag für Deutschland. Als Beispiel verwies er auf die gewaltfreie Revolution, die in den Philippinen zum Sturz der Diktatur von Ferdinand Marcos führte. Entsprechend fordert Pax Christi auch in Österreich als "ersten Schritt einer aufzubauenden sozialen Verteidigung" eine entsprechende Möglichkeit des Präsenzdienstes.
Bei der Forderung nach Gewaltfreiheit beruft sich die Friedensbewegung auch auf Papst Leo XIV. Dieser rufe fast täglich zum Frieden auf und warne vor Aufrüstung statt Dialog. Angesichts heutiger Kriege werde auch in Österreich zunehmend mehr Geld für die Rüstung ausgegeben, heißt es in der Aussendung, und weiter: "Auch wenn es im Bereich der defensiven Drohnen- und Raketenabwehr Neuanschaffungen bedarf, wäre es fatal, zu glauben, die militärische Aufrüstung allein könnte langfristig den Frieden garantieren."
Quelle: kathpress