
Algerien-Besuch beendet: Papst setzt Afrikareise in Kamerun fort
Papst Leo XIV. setzt am Mittwoch seine elftägige Afrikareise fort. Am Vormittag startete das Kirchenoberhaupt vom Flughafen der algerischen Hauptstadt Algier aus weiter nach Kamerun, wo er bis Samstag bleiben wird. Kameruns katholische Bischöfe hoffen darauf, dass der Papst-Besuch die Einheit des vielfältigen Landes fördert, auch das offizielle Motto der Visite lautet "Alle sollen eins sein". "Wir haben dieses Thema vor dem Hintergrund dessen ausgewählt, was bei uns im Land passiert: politische Turbulenzen, ethnische Spaltungen, die Verbreitung von Hassrede und die Gewalt in einigen Teilen unseres Landes", sagte der Bischofskonferenz-Vorsitzende Andrew Fuanya Nkea im Vorfeld.
In Kameruns Hauptstadt Yaoundé wird die Sondermaschine des Papstes kurz nach 16 Uhr mitteleuropäischer Zeit erwartet. Auf dem Programm von Leo XVI. steht nach einem Höflichkeitsbesuch bei Langzeit-Staatschef Paul Biya zunächst eine Rede vor Vertretern von Staat, Zivilgesellschaft und Diplomatischem Corps. Später am Abend will Leo XIV. ein Waisenhaus besuchen und die Bischöfe des zentralafrikanischen Landes treffen.
Bis Samstag sind neben der Hauptstadt Yaoundé auch Stationen in der Wirtschaftsmetropole Douala und in der für den anglophonen Landesteil zentralen Stadt Bamenda geplant. Das Programm des Papstes umfasst mehrere Gottesdienste, einen Besuch in einem Krankenhaus und ein Treffen mit der akademischen Welt an der Katholischen Universität von Zentralafrika in Yaoundé. In der Kathedrale von Bamenda findet am Donnerstag ein Friedenstreffen statt, an dem Vertreter verschiedener Religionen teilnehmen.
Der Besuch von Leo XIV. ist der vierte eines Papstes seit Kameruns Unabhängigkeit von Frankreich im Jahr 1960. Zuletzt war Benedikt XVI. 2009 zu Gast. Dessen Vorgänger Johannes Paul II. hatte Kamerun 1985 und 1995 besucht. Im Land leben gut 30 Millionen Menschen; das Durchschnittsalter beträgt 19,4 Jahre. Etwa 38 Prozent der Bevölkerung sind Katholiken, rund 25 Prozent Protestanten. Jeder vierte Kameruner gehört dem Islam an.
Langer Schatten der Kolonialzeit
Nach der deutschen Kolonialherrschaft (1884-1916) wurde die Region des heutigen Kamerun zwischen Frankreich und Großbritannien aufgeteilt. Nach der Unabhängigkeit 1960/61 entstand ein Staat, der bis heute mit dem Erbe der Zweisprachigkeit und mit internen Konflikten zu kämpfen hat. Seit Jahrzehnten schwelt ein Konflikt zwischen der frankophonen Zentralregierung und den kleineren anglophonen Teilen des Landes, deren Bevölkerung sich Benachteiligung ausgesetzt sieht.
2016/17 kam es zur Eskalation: Über Jahre lieferten sich Separatisten Kämpfe mit Sicherheitskräften der Regierung; Tausende starben, mehr als eine halbe Million Menschen sind auf der Flucht. Von der unsicheren Lage profitieren heute kriminelle Banden.
Kameruns Norden ist zudem stark von dschihadistischer Gewalt durch Gruppen wie Boko Haram und die Islamic State West Africa Province (ISWAP) betroffen, unter der Christen wie Muslime leiden.
"Afrika im Miniaturformat"
Kamerun, das an sechs Nachbarländer grenzt und Schnittstelle zwischen West- und Zentralafrika ist, zeichnet sich durch große Vielfalt und wird von manchen auch als "Afrika im Miniaturformat" bezeichnet. Am Atlantik gelegen, verfügt das Land über 400 Kilometer Küste. Der 4.095 Meter hohe Mount Cameroon im Südwesten, ein aktiver Vulkan, ist der höchste Berg der Region. Während das Klima im Süden tropisch ist, ist es im Norden trocken und heiß.
Der Klimawandel macht sich vielerorts bemerkbar: Temperaturen steigen; es kommt vermehrt zu Starkregen - eine Belastung für die Bevölkerung. Neben Bodenschätzen wie Erdöl, Gas und Bauxit verfügt Kamerun auch über fruchtbares Farmland. Die Landwirtschaft bleibt zentraler Arbeitgeber.
Präsident Paul Biya ist der wohl bekannteste Kameruner. Der Langzeitherrscher - geboren am 13. Februar 1933 - ist seit 1982 an der Macht und ältester Staatschef der Welt. Zuletzt wurde er im Oktober 2025 im Amt bestätigt; bei Protesten rund um die Wahl kamen laut UN-Angaben mindestens 48 Menschen ums Leben. Die Nichtregierungsorganisation Freedom House bewertet Kamerun aufgrund von Einschränkungen der Meinungs-, Presse- und Versammlungsfreiheit, Korruption und Wahlmanipulation als "nicht frei".
Bisher längste Auslandsreise von Leo XIV.
Die am Montag begonnene Afrikareise ist die dritte und bisher längste Auslandsreise von Papst Leo XIV. Nach Algerien und Kamerun besucht das Kirchenoberhaupt bis 23. April auch Angola und Äquatorialguinea.
Quelle: kathpress