
NÖ: Kirchen-Zirkus-Kooperation erzählt von Schöpfung des Menschen
"Was geht ab?!" ist das Thema des heurigen Viertelfestivals im niederösterreichischen Weinviertel. So scheint es nicht wunderlich, dass das mehrtägige Event von der Zirkusperformance "Plötzlich: Mensch" des CIRCle Circus Collective in der Pfarrkirche St. Ägyd in Korneuburg (6. Mai, 21 Uhr) eröffnet wird. Die Zirkusvorstellung ist eine Interpretation der biblischen Geschichte von der Schaffung des Menschen, erklärte der Schirmherr des Projekts, Weihbischof Stephan Turnovszky, im Interview mit Kathpress. Auf pantomimische Art, mit Hula-Hoops und Akrobatik wird "das Eintreten des Menschen ins Sein am sechsten Schöpfungstag und menschliche Emotionen nonverbal artikuliert", so der Weihbischof.
Die Vorstellung, die auch in den Kirchen in Laa an der Thaya (21. Mai), Großrußbach (28. Mai) und Mistelbach (11. Juni) aufgeführt wird, will Turnovszky als zuständiger Bischofsvikar für das Weinviertel nicht als "Spektakel" verstanden wissen. Vielmehr handle es sich um eine Meditation zum Bibeltext, "wobei nicht vorgelesen, sondern vorgezeigt wird, was in der Bibel steht und was auch zwischen den Zeilen in der Bibel steht".
Kunst und Kirche seien - in Architektur, Malerei, Skulptur, Musik - seit jeher eng miteinander verbunden, äußerte sich der Weihbischof im Interview mit dem Wiener "Sonntag" (aktuelle Ausgabe). Diese Tradition mache es darum nicht nur plausibel, sondern geradezu selbstverständlich, dass eine zeitgenössische Zirkusperformance ihren Platz im sakralen Raum finde.
Livemusik und Körperkunst
Im Mittelpunkt der Performance steht die Frage: "Was macht uns menschlich?" Mittels Körper- und Medienkunst und begleitet von Livemusik erzählen die vier Artistinnen Alma Gall, Clara Zeiszl, Lisa Hochrainer und Rosa Dreher von den großen Emotionen der Menschheit: Freude und Wut, Trauer und Hoffnung, Angst und Liebe, heißt es im Programm. Die musikalische Gestaltung stammt von Gilbert Handler und Manuel Fröschl, während Resa Lut und Marcus Saravia die Szenen in atmosphärische Licht- und Medienkunst tauchen. Die Dramaturgie von Colleen Rae Holmes soll insbesondere ein junges Publikum ansprechen. Die Projektleitung liegt bei Ideengeber Franz Knittelfelder, Direktor der Bildungsakademie Weinviertel.
Die Darstellung wolle auch einen neuen innerlichen Zugang zu dem schaffen, "was uns abgeht" - das Fehlen von Menschlichkeit, Mitmenschlichkeit und das Erleben von echten Beziehungen. Die Vorstellung zeige sichtbar und erlebbar, wie sich der Mensch als Gegenüber zur Schöpfung der Natur und Tierwelt sowie im Gegenüber von Mann und Frau wahrnimmt. Zum Ausdruck gebracht werden soll, wie sehr Menschsein von Beziehung lebt - und wie heilsam Verbundenheit in einer zersplitterten Zeit sein kann.
"Begegnung von Himmel und Erde"
Für Weihbischof Turnovszky eröffnet "Plötzlich: Mensch" im Kirchenraum mehr als eine ästhetische Erfahrung. Die Performance ermögliche "eine Begegnung von Himmel und Erde, von Geist und Materie, von Schöpfer und Schöpfung", betonte der Bischof gegenüber dem "Sonntag". Der Kirchenraum sei dafür ein idealer Ort - nicht trotz, sondern wegen seiner Geschichte als Raum für die großen Themen des Menschseins. Seit Jahrhunderten seien Kirchen Stätten, an denen Menschen ihre entscheidenden Lebensmomente verorten: Geburt und Neubeginn, Entscheidungen und Bindungen, Abschied und Hoffnung.
Das Viertelfestival ist seit 25 Jahren ein regionales Kunst- und Kulturfestival, das jährlich abwechselnd in einem der vier Landesviertel Niederösterreichs stattfindet. Heuer lädt die Kulturvernetzung Niederösterreich zu 53 Projekten mit insgesamt rund 180 Veranstaltungen von 6. Mai bis 19. Juli ein. (Info: https://www.viertelfestival.at)
Quelle: kathpress