
Zulehner-Vorlass an KU Linz übergeben
777 Monografien, 666 Zeitschriften- und Zeitungshefte sowie rund 320 Film- und Tondokumente umfasst der wissenschaftliche Vorlass des Pastoraltheologen Paul M. Zulehner, den er am Donnerstag an die Katholische Privat-Universität Linz im Rahmen eines Festaktes übergeben hat. KU-Rektor Michael Fuchs bezeichnete die Übergabe als bedeutend für Universität und Standort. Auch der Linzer Bischof Manfred Scheuer würdigte Zulehners Einfluss auf Theologie und Kirche in Österreich und sprach von einem vielseitigen Denker. Vizerektorin Klara-Antonia Csiszar hob die enge Verbindung des Theologen zur Universität hervor und verwies auf die wissenschaftliche Bedeutung des Bestands.
Die umfangreiche wissenschaftliche Sammlung soll von der Diözesanbibliothek betreut und für Forschung und Lehre erschlossen werden. Bibliotheksdirektor Ingo Glückler kündigte an, den Bestand schrittweise zu einem auch digital zugänglichen Archiv auszubauen. Ziel sei ein "lebendiges Archiv, das wirkt, ein offener, einladender Ort des Denkens, der Auseinandersetzung und des Dialogs".
Als "bunten Vogel, der nicht auf einen Nenner zu bringen ist", bezeichnete Bischof Manfred Scheuer in seinen Grußworten Paul M. Zulehner und wollte das als unbedingtes Kompliment verstanden wissen: für seine Themen- und Interessenvielfalt, seine Offenheit und Anschlussfähigkeit, seine Impulse und Anregungen, mit denen er als wacher und kreativer "Vor-, Mit- und Nachdenker" die Kirche in Österreich und auch die Diözese Linz nachhaltig geprägt habe. Umso größer sei die Freude darüber, dass er einen bedeutenden Teil seiner Sammlung im Wege des Vorlasses der KU Linz bzw. der Diözesanbibliothek Linz übergebe.
Konzentriertes Gedächtnis eines Theologenlebens
Dass sein Lebenswerk damit nicht irgendwohin zurückkehre, sondern an einen Ort, mit dem es biografisch, geistig und kirchlich zutiefst verwoben ist, hob Vizerektorin Csiszar in ihrer Würdigung hervor. Zulehner vermittle eine das Leben erkundende und die Lebenswirklichkeiten der Menschen ernstnehmende Pastoraltheologie, der man sich auch an der KU Linz verpflichtet fühle. Weiters stehe der Wiener Pastoraltheologe für ein mutiges und eigenständiges Denken, das "nicht unter dem Niveau der Wirklichkeit theologisiert".
Im Vorlass seiner wissenschaftlichen Produktion könne dabei nicht nur erkundet werden, was er geschrieben, sondern auch wie er gearbeitet habe: aufmerksam für die Wirklichkeit, geistlich wach, prophetisch oft einen Schritt voraus - und europäisch vernetzt, wies die Synodenexpertin hin.
Himmelsgeschenke für Europa
In seinem Festvortrag mit dem Titel "Himmelsgeschenke für Europa" skizzierte Zulehner angesichts globaler Krisen - Kriege, ökologische Probleme und Migration - ein Bild zunehmender Verunsicherung. Ein Bedrohungsempfinden greife um sich, welches "Kulturen der Angst" mit einer Atmosphäre wachsender Rivalität hervorbringe - Angst aber entsolidarisiere und lasse sich populistisch missbrauchen, so der Pastoraltheologe.
Als bewussten religionskritischen Kontrapunkt machte Zulehner deutlich, dass Religionen in ihrer Ambivalenz und als von Menschen gelebte Realität dabei nicht außerhalb stehen. Geschichte wie Gegenwart lehren, quer durch alle Kulturen, dass Religionen zu oft anstatt einer Lösung Teil des Problems seien, weil sie sich "zur Legitimation von bösartiger Gewalt missbrauchen lassen". Zugleich betonte er das Potenzial des Christentums als Quelle von Hoffnung und gesellschaftlichem Zusammenhalt, das aktiv genutzt werden müsse.
Christentum und Kirche hätten die "Sprengkraft gelebter Hoffnung", so der Theologe und Autor. Die "Himmelsgeschenke" der Überlieferung anzunehmen, heiße, diese zu Ressourcen und Quellen der Hoffnung zu machen und die Welt damit menschlicher und gerechter zu gestalten. Konkret gehe es darum, "etwas zu tun", was nicht nur Aufgabe und Herausforderung für das Individuum, sondern "für uns als Gemeinschaften" sei, sagte Zulehner.
Quelle: kathpress