
Friedensmarsch in Wien: Hunderte setzten Zeichen gegen Antisemitismus
Unter dem Motto "Erinnern verpflichtet! Für jüdisches Leben und gegen Israelhass" haben rund 400 Menschen am Sonntag (26. April) bei einem Friedensmarsch in Wien ein Zeichen gegen Antisemitismus gesetzt. Darunter Christinnen und Christen verschiedener Konfessionen, eine Gruppe Iranerinnen und Iraner, Jaron Engelmayer, Oberrabbiner der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, Kuratorin und Autorin Danielle Spera und der Europaabgeordnete Lukas Mandl. Sie alle betonten bei der Abschlusskundgebung an der Namensmauer im Ostarrichipark die Notwendigkeit, Antisemitismus in all seinen Formen entschieden entgegenzutreten und jüdisches Leben in Österreich und Europa aktiv zu stärken, hieß es in einer Aussendung.
Organisiert wurde der am Josef-Meinrad-Platz gestartete Marsch von der christlichen Freikirche WUNDERWERK Wien in Kooperation mit Marsch des Lebens e.V. - einer internationalen Initiative für Erinnerung, Versöhnung und Solidarität mit der jüdischen Gemeinschaft.
"Was passiert mit uns Juden, in Wien, in Österreich, in ganz Europa? Wie kommt es, dass sich Juden heute wieder verstecken, dass sie sich wieder zurückziehen, dass sie wieder ihre jüdischen Zeichen verbergen müssen, dass Antisemitismus wieder Normalität geworden ist, dass man sich daran gewöhnt? Wie kann das sein?", fragte Oberrabbiner Engelmayer. Ein zentraler Moment der Abschlusskundgebung war der persönliche Beitrag von Julius Neumark, einem Holocaustüberlebenden, der seine Geschichte schilderte. Sein im Holocaust ermordeter Großvater ist an der Namensmauer namentlich verewigt. Im Anschluss wurde feierlich ein Kranz niedergelegt.
Auch Nachfahren von NS-Tätern ergriffen öffentlich das Wort. "Es hat mich tief bewegt zu sehen, wie Nachfahren von NS-Tätern öffentlich Schuld bekannten, um Vergebung gebeten und ihre Solidarität mit Israel zum Ausdruck gebracht haben. Das ist kein selbstverständlicher Schritt, sondern ein bewusstes und zutiefst berührendes Zeichen von echter Versöhnung", betonte Pastorin und Organisatorin Birgit Berchtold.
Der "Marsch des Lebens" ist eine internationale Initiative; über 100 Märsche finden weltweit in 25 Nationen statt. Sie will nach eigenen Angaben ein Zeichen gegen Vergessen, für Versöhnung zwischen Völkern und für die Würde jüdischen Lebens heute setzen. Die Freikirche WUNDERWERK Wien engagiert sich für den jüdisch-christlichen Dialog und die Erinnerungskultur in Österreich.
Quelle: kathpress