
Schüller: Weltethos-Initiative nach 20 Jahren aktueller denn je
Zwei Jahrzehnte nach Gründung der Initiative Weltethos Österreich sieht die Initiative ihre Arbeit durch aktuelle globale Krisen bestätigt und dringlicher denn je. "Für Pessimismus ist es zu spät, es geht um ein gemeinsames Handeln für den Frieden - und der beginnt bei jedem und jeder einzelnen", sagte Präsident Helmut Schüller im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Kathpress (Dienstag). Vor dem Hintergrund wachsender globaler Spannungen komme der Weltethos-Initiative eine Schlüsselrolle zu: "Gerade in Zeiten wie diesen ist die Erinnerung an das Verbindende und an gemeinsame ethische Grundlagen aktueller denn je", so Schüller. Gefeiert wurde das 20-Jahr-Jubiläum der Initiative am Montagabend mit einem Festakt im Wiener Rathaus.
Das Konzept des Weltethos, maßgeblich geprägt vom Tübinger Theologen Hans Küng (1928-2021), beruht auf der Überzeugung, dass es keinen Frieden zwischen Staaten ohne Frieden zwischen den Religionen geben könne. Küng habe jedoch stets betont, dass es nicht beim Dialog bleiben dürfe, so Schüller: "Die Religionen sollen ihr gemeinsames ethisches Erbe aktiv für den Frieden fruchtbar machen." Dieses Erbe sei in jahrzehntelanger Forschung aus religiösen und säkularen Traditionen herausgearbeitet worden und finde seinen Ausdruck in grundlegenden Weisungen wie Gewaltlosigkeit, Gerechtigkeit, Wahrhaftigkeit und gegenseitigem Respekt.
"Weltethos ist Kehrseite der Menschenrechte"
Zugleich wies Schüller darauf hin, dass die Initiative weder auf die Schaffung einer neuen "Weltreligion" abziele, noch beim bloßen Kennenlernen stehen bleibe. Vielmehr gehe es darum, aus den jeweiligen Traditionen heraus gemeinsame ethische Prinzipien zu stärken und in gesellschaftliches Handeln zu übersetzen. "Das Weltethos ist gewissermaßen die Kehrseite der Menschenrechte", so Schüller. Während diese Rechte festschrieben, mache das Ethos die damit verbundenen Verpflichtungen bewusst: "Wer Rechte einfordert, ist auch gefordert, selbst zu ihrer Verwirklichung beizutragen."
Besondere Bedeutung misst die Initiative der Bildungsarbeit bei. Von der Elementarpädagogik bis zu Universitäten reiche das Spektrum an Projekten, darunter Unterrichtsbehelfe, interreligiöse Dialogformate und eine Wanderausstellung. Gerade Kinder und Jugendliche zeigten oft einen "klaren Blick für das Notwendige", betonte Schüller: "Davon können sich viele Erwachsene etwas abschauen." Auch säkulare Perspektiven seien eingebunden; im Vorstand der Initiative seien Vertreter des Atheismus ebenso präsent wie jene verschiedener Religionen.
Grundsätze wurden um ökologische Verantwortung ergänzt
Inhaltlich stützt sich die Weltethos-Idee auf zentrale Grundsätze, die in unterschiedlichen Traditionen übereinstimmend zu finden sind. Dazu zählen die Forderung, jeden Menschen menschlich zu behandeln, die sogenannte Goldene Regel sowie vier Grundweisungen: Ehrfurcht vor dem Leben, gerechtes und faires Handeln, Wahrhaftigkeit sowie gegenseitige Achtung und Liebe. In den vergangenen Jahren sei zudem die ökologische Verantwortung stärker in den Fokus gerückt, die Schüller als "untrennbar mit sozialen Fragen verbunden" bezeichnete.
Die Initiative Weltethos Österreich wurde 2005 von der Theologin Edith Riether gegründet, die nach mehr als 20 Jahren als Präsidentin nun Ehrenpräsidentin ist. Seit Dezember 2025 steht Schüller an der Spitze der Organisation. Er kündigte an, bestehende Projekte weiterzuentwickeln und neue Partnerschaften zu knüpfen. Ziel bleibe es, "als gemeinsame Stimme für ethische Orientierung hörbar zu sein".
Anlass für die aktuelle Standortbestimmung ist auch das 20-jährige Bestehen der Initiative, das am 27. April mit einer Festveranstaltung im Wiener Rathaus begangen wurde. Neben einem Festvortrag des Ökonomen Nils Goldschmidt stand dabei ein Rückblick auf die bisherigen Aktivitäten sowie ein Ausblick auf künftige Herausforderungen im Zentrum. (Infos: www.weltethos.at)
Quelle: kathpress