
Caritas: "Arbeitslosigkeit ist größtes Armutsrisiko"
Angesichts steigender Arbeitslosigkeit und wachsender Armutsgefährdung fordert die Caritas mehr staatliche Mittel für arbeitsmarktpolitische Maßnahmen. "Arbeitslosigkeit und Armut gehen viel zu oft Hand in Hand", betonte Caritasdirektor Klaus Schwertner am Donnerstag bei der Eröffnung der 15. Jobmeile in Wien. Investitionen in Arbeitsmarktpolitik seien daher "Investitionen gegen Armut". Die wirtschaftliche Lage habe sich zuletzt spürbar eingetrübt, so Schwertner mit Verweis auf internationale Krisen wie den Ukraine-Krieg und Konflikte im Nahen Osten. An der Eröffnung der Jobmeile mit etwa 2.000 Besucherinnen und Besuchern nahmen zudem Arbeitsministerin Korinna Schumann (SPÖ) und AMS-Wien-Geschäftsführer Winfried Göschl teil.
Eine Trendwende am Arbeitsmarkt sei "vorerst abgesagt", so das Fazit des Wiener Caritasdirektors. Derzeit sind rund 400.000 Menschen in Österreich arbeitslos oder in Schulungsmaßnahmen. Auf eine offene Stelle kommen laut Hilfsorganisation aktuell etwa fünf Bewerberinnen und Bewerber. Laut offiziellen Zahlen des AMS waren mit Stand März 2026 österreichweit 400.561 Personen arbeitslos gemeldet oder in Schulungen.
Besonders schwer sei die Arbeitssuche aktuell für Langzeitarbeitslose, ältere und junge Menschen am Beginn ihres Berufswegs. "Gerade an den Rändern der Gesellschaft braucht es in herausfordernden Zeiten besondere Aufmerksamkeit und entsprechende Maßnahmen", so Schwertner. Ziel müsse sein, Menschen wieder in Beschäftigung zu bringen: "Wieder selbst für sich und die eigene Familie sorgen zu können, muss unser gemeinsames Ziel als Gesellschaft sein."
Doppelbudget nutzen
Kritisch sieht die Caritas den budgetären Sparkurs bei gleichbleibend hohem Bedarf. Mittel für aktive Arbeitsmarktpolitik seien zuletzt teilweise gekürzt und nicht valorisiert worden. Mit Blick auf das geplante Doppelbudget fordert die Hilfsorganisation daher eine Aufstockung der Mittel, den Ausbau eines dauerhaften zweiten Arbeitsmarktes für Langzeitarbeitslose, flexiblere Zuverdienstmöglichkeiten sowie eine Reform des Arbeitslosengeldes. Dieses liege im internationalen Vergleich niedrig und schütze viele Betroffene nicht ausreichend vor Armut. "Arbeitslosengeld muss vor Armut schützen", mahnte Schwertner.
Positiv bewertete Schwertner hingegen Maßnahmen der Bundesregierung, "die den Sozialstaat weiterentwickeln und entsprechend wirksam machen". Konkret nannte er den Stromsozialtarif, die Mehrwertsteuersenkung auf Grundnahrungsmittel sowie die Verlängerung des "Wohnschirms". Diese würden in der öffentlichen Debatte "manchmal gerne überhört", so der Caritasdirektor. Kritik übte er jedoch an Forderungen nach Kürzungen im Sozialbereich: Es sei "relativ einfach, in der Opposition zu sitzen und zu schreien", ohne tragfähige Lösungen anzubieten.
Schumann: Staat darf sich nicht zurückziehen
Arbeits- und Sozialministerin Korinna Schumann verwies bei der Eröffnung der Caritas-Jobmeile auf bestehende Maßnahmen wie den Energie-Sozialtarif oder den verlängerten Wohnschirm. "Wenn der Druck steigt, darf sich der Staat nicht zurückziehen", so die Politikerin.
Arbeit bedeute zudem nicht nur Einkommen, sondern auch "Würde, Teilhabe und Anerkennung". Ziel müsse daher sein, insbesondere benachteiligten Gruppen neue Chancen und Perspektiven zu eröffnen. Dafür benötigten die Betroffenen jedoch auch faire Chancen und reale Perspektiven. Auch Schumann verwies auf die schwierige Situation von älteren Arbeitssuchenden sowie langzeitarbeitslosen Menschen und jenen, die nicht am Transformationsprozess des Arbeitsmarktes mithalten können. "Niemand soll durch den Wandel zurückgelassen werden", so die Ministerin.
Auch AMS-Wien-Geschäftsführer Winfried Göschl betonte die Bedeutung frühzeitiger Maßnahmen gegen Langzeitarbeitslosigkeit. Entscheidend sei, Beschäftigungslosigkeit möglichst zu verhindern, etwa durch Jobbörsen und Förderungen für Betriebe, die auch ältere Arbeitslose einstellen. Derzeit seien rund 130 Unternehmensberater des AMS Wien bei mehr als 2.200 Betrieben im Einsatz, um entsprechende Programme bekannt zu machen. Wo sich Langzeitarbeitslosigkeit dennoch nicht vermeiden lasse, brauche es "gute Partnerorganisationen wie die Caritas und die Unterstützung der Politik".
Jobmeile
Bei der Jobmeile treffen rund 2.000 Arbeitssuchende auf konkrete Jobangebote und Beratungsleistungen. Die Caritas betreibt in Wien 19 entsprechende Projekte; im Vorjahr wurden dabei rund 1.800 Menschen beschäftigt und mehr als 4.200 beraten. Vermittlungsquoten von teils über 50 Prozent würden die Wirksamkeit solcher Programme zeigen, so Schwertner.
Quelle: kathpress