
Familienverband kritisiert Budget: "Kurzsichtig und unausgewogen"
Als "kurzsichtig, unausgewogen und undurchdacht" hat Peter Mender, Präsident des Katholischen Familienverbandes Österreichs, die bekannten Eckpunkte zur Budgetsanierung kritisiert. Er zeigte sich in einer Aussendung am Mittwoch empört darüber, dass Familien nun keine Inflationserhöhung der Familienleistungen erhalten und schmerzhafte Einschnitte für Teilzeitarbeitende und Alleinverdienende bevorstünden.
"Bereits 2026 und 2027 wurden Familienbeihilfe und Co. nicht an die Inflation angepasst. Nun müssen die Familien auch 2028 das dritte Jahr in Folge auf die Inflationsanpassung verzichten", so Mender. "Das sind für Mehrkindfamilien mehrere Hundert Euro pro Jahr, die im Geldbörsel fehlen!"
Er sei überzeugt, so der KFÖ-Präsident, dass keine andere Bevölkerungsgruppe drei Jahre ohne Erhöhung "in Zeiten derart davongaloppierender Preise" schlucken würde. "Familien sind Leistungsträger. Familienbeihilfe und Co. sind keine Almosen, sondern stehen ihnen zu", betonte der KFÖ-Präsident. Er finde die erneute Aussetzung der Valorisierung schlicht indiskutabel.
Familienbonus
Dass der Familienbonus als zentrale steuerliche Entlastung für Familien mit Kindern weiterhin bestehen bleibt, wird vom Katholischen Familienverband ausdrücklich begrüßt und als klares Bekenntnis der Bundesregierung zur Unterstützung von Familien gewertet. Die geplante Änderung, Alleinverdienenden den Familienbonus um 500 Euro zu kürzen, ist für den Familienverband aber kurzsichtig und familienfeindlich. - Künftig soll der Familienbonus für Kinder ab drei Jahren nur mehr dann in voller Höhe bezogen werden können, wenn beide Elternteile erwerbstätig sind.
"Das ist eine klare Einschränkung der Wahlfreiheit und damit werden Eltern, die ihre Kinder zu Hause betreuen, bestraft", ärgerte sich Mender. Sollte diese Einschränkung wirklich kommen, muss sich der 3. Geburtstag auf jeden Fall auf das jüngste Kind beziehen. Mehrkindfamilien und Familien mit Kindern, für die erhöhte Familienbeihilfe bezogen wird, müssten ausgenommen werden, forderte Mender. "Wer ein Kind mit Behinderung betreut oder für drei und mehr Kinder verantwortlich ist, ist ausgelastet und kann nicht auch noch selbstverständlich einer Erwerbstätigkeit nachgehen."
Arbeitslosenversicherung
Scharfe Kritik übte Mender auch an der geplanten Anhebung des Arbeitslosenversicherungsbeitrags. Für Brutto-Einkommen bis 2.225 Euro entfällt derzeit der Arbeitslosenversicherungsbeitrag von 2,95 Prozent. "Davon betroffen sind vor allem Wiedereinsteigerinnen und Mütter, die aufgrund von Betreuungspflichten Teilzeit arbeiten oder generell im Niedriglohnsektor beschäftigt sind", erläuterte Mender und verwies auf Kollektivverträge in Branchen wie Friseurbetrieben, Gastronomie oder Handel, die in diesen Einkommensbereichen liegen. "Das sind in meinen Augen definitiv nicht die breiten Schultern, sondern jene, die ohnehin schauen müssen, wie sie am Ende des Monats zurechtkommen", übte der KFÖ-Präsident scharfe Kritik an der sozialen Ausgewogenheit dieser Maßnahme.
Besonders "perfide" sei für den Familienverband aber, wenn von den geplanten Maßnahmen Familien doppelt betroffen sind: "Wenn eine Mutter nun beginnt, Teilzeit zu arbeiten, um den die für sie reservierten 500 Euro Familienbonus zu erhalten, kann es ihr passieren, dass sie zwar den Familienbonus bekommt, aber mit 918 Euro Arbeitslosenversicherungsbeitrag zur Kasse gebeten wird. Das ist der eigentliche Faustschlag ins Gesicht tausender Familien", so Mender. Er verwies darauf, dass die Streichung der Befreiung des Betrags zur Arbeitslosenversicherung vor allem jene treffe, die Kinder betreuen, Familienmitglieder pflegen und dennoch erwerbstätig sind.
Der Katholische Familienverband habe Verständnis dafür, dass gespart werden muss und auch Familien einen Beitrag dazu leisten müssen. Mehrkindfamilien aber derartig schlechter zu stellen, indem Teilzeitarbeit bestraft wird, sei absolut nicht nachvollziehbar, hieß es abschließend in der Aussendung.
Quelle: kathpress