
Kultusministerin bekräftigt Kopftuchverbot gegenüber Religionsspitzen
Die für Jugend, Integration und Kultus zuständige Bundesministerin Claudia Bauer hat ihre Haltung zum Kopftuchverbot in Schulen für Mädchen bis 14 Jahren gegenüber Vertretern der gesetzlich anerkannten Kirchen und Religionsgesellschaften bekräftigt. Auch der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft (IGGÖ), Ümit Vural, habe an dem internen Treffen am Montag unmittelbar vor dem Osterempfang im Bundeskanzleramt teilgenommen, berichtete Bauer im Interview mit Kathpress. "Das ist eines der Themen, wo wir unterschiedliche Standpunkte haben, aber nichtsdestotrotz im Dialog zu diesen Themen bleiben", hielt die Europaministerin fest, die das hierzulande gepflegte Verhältnis zu den Kirchen und Religionen als ein "Best-Practice-Modell" im internationalen Vergleich bezeichnete.
Sie verstehe, wie sensibel das Verbot sei, das in Österreich ab 1. September gilt und derzeit in der Aufklärungsphase in den Schulen steht. "Ich bin und bleibe aber der Überzeugung, dass das Kinderkopftuchverbot notwendig ist, um Kinder und Mädchen zu schützen und um für das Kindeswohl zu sorgen, nämlich dort, wo wir Verantwortung tragen: an den Schulen." Es gehe beim Gesetz darum, "dass jedes Mädchen in Österreich, egal welcher Religion es angehört, sichtbar und selbstbestimmt aufwachsen kann. Und dafür wird der Grundstein in der Schule gelegt, in einer Phase, wo sich die Persönlichkeit entwickelt und sich der Körper zu verändern beginnt." Insofern sei das Kopftuch "kein harmloses Stück Stoff einer Elfjährigen, sondern es ist etwas, mit dem Mädchen unsichtbar gemacht werden. Das toleriere ich unter keinen Umständen."
Das Verbot allein könne das dahinter liegende Problem aber nicht lösen, betonte Bauer. "Wir haben daher viele Begleitmaßnahmen gesetzt, die schon in Umsetzung sind." So gehe es etwa darum, Eltern zu zeigen, was es heißt, ein gleichberechtigtes Aufwachsen im familiären Umfeld zu ermöglichen. "Es geht auch darum, wie Lehrkräfte den Sittenwächtern, also gleichaltrigen Burschen am Schulhof begegnen und ihrer Herr werden."
Aufklärungsphase an Schulen
Derzeit stehe man mit der Umsetzung des Verbots in der Aufklärungsphase, die Gespräche mit betroffenen Schülerinnen stünden jetzt im Vordergrund und es gebe dafür klare Anleitungen für Lehrkräfte. Hinsichtlich der anfangs aus der Lehrerschaft gekommenen Kritik erklärte Bauer, dass der Ablauf bewusst so angelegt sei, "dass Lehrkräfte möglichst wenig Arbeit damit haben". So werde mit der betroffenen Schülerin und den Eltern gleich auf der nächsten Instanz, der Schulleitung, ein Gespräch gesucht - bis hin zur Schulaufsichtsbehörde, der Bildungsdirektion. Auch die Schulpsychologie und die Kinder- und Jugendhilfe könnten beigezogen werden. Es sei "wichtig, dass Lehrkräfte weiterhin eine Vertrauensrolle im Klassenzimmer haben, damit sich in diesem Kontext insbesondere Schülerinnen auch anvertrauen können. Sie sollen gerade in der Schule, in einer Zeit des Heranwachsens, auch weiterhin Erwachsene vorfinden, abseits der Familie und des Freundeskreises, an die man sich wenden kann."
Insgesamt bewertete die Kultusministerin das Gesprächsverhältnis mit den 16 anerkannten Kirchen- und Religionsgesellschaften in Österreich als "gut". Dies hätten deren Vertreter beim letzten Treffen am Montag auch bestätigt. Religionsvertreter in anderen Ländern, etwa auch in Deutschland, seien immer ganz darüber verwundert, "wie es in Österreich möglich sein kann, dass man als Vertreter einer Kirche im Ministerratssaal im Bundeskanzleramt Platz nimmt und tatsächlich mit der Kultusministerin im Austausch ist. Auch als Europaministerin erlebe ich es, dass wir ganz oft auf diese Best Practice angesprochen werden", sagte Bauer.
Quelle: kathpress