
Marketz: Slowenischsprachige Kirchenzeitung stiftet Identität
Die slowenischsprachige Kärntner Kirchenzeitung Nedelja feiert heuer ihr 100-jähriges Bestehen. Bei einer zweisprachigen Pressekonferenz am Mittwoch in der Bischöflichen Residenz in Klagenfurt würdigten Diözesanbischof Josef Marketz, Herausgeber Janko Kristof und Chefredakteur Vincenc Gotthardt die Bedeutung der Wochenzeitung für Kirche, Sprache, Kultur und das Zusammenleben der Volksgruppen in Kärnten. Bischof Marketz lobte ihre Offenheit und große kulturelle Vielfalt sowie ihren "Beitrag zu einem wohlwollenden Miteinander der Volksgruppen in Kärnten".
Marketz skizzierte die "Nedelja" als Medium, das seit einem Jahrhundert "Raum für das, was Leben fördert" schaffe, dabei den Kontakt zu den Menschen nie verloren habe und auch der Jugend entsprechenden Platz biete. Die Zeitung lade dazu ein, "gedanklich den Rhythmus der Woche zu unterbrechen", der heute zunehmend von Tempo und Informationsflut geprägt sei, und auch dazu, sich Zeit zu nehmen, "für Gott und für die Menschen". Die Zeitung bringe "Freude und Trauer, Hoffnung und Angst, Ohnmacht und Kraft der Menschen" zum Ausdruck und thematisiere die Sehnsucht nach Frieden, kulturellem Schaffen und gutem Zusammenleben.
Zugleich erinnerte der Kärntner Bischof daran, dass sich Kirche und Gesellschaft bereits zur Zeit der ersten Ausgabe im März 1926 in einem tiefgreifenden Wandel befunden hätten. Gerade die Offenheit und Bereitschaft zur Erneuerung hätten die "Nedelja" durch die Jahrzehnte getragen. Angesichts der heutigen Weltlage bleibe es Auftrag, "im Lichte des Evangeliums Wege des Friedens und des guten Miteinanders zu suchen und zu beschreiten". Marketz war selbst von 1992 bis 2014 als Leiter der slowenischen Abteilung des Seelsorgeamtes zugleich Herausgeber der "Nedelja".
Bindeglied zum Slowenischen und zur Kirche
Chefredakteur Gotthardt hob hervor, dass die "Nedelja" zu den wenigen österreichischen Wochenzeitungen mit einer hundertjährigen Geschichte zähle. Die Zeitung sei "tief verwurzelt in der Region und in der slowenischen Volksgruppe" und schaffe "auch in Zeiten von Individualisierung und Digitalisierung eine Gemeinschaft". Oft sei sie "das letzte Bindeglied zum Slowenischen, ja manchmal auch zur Katholischen Kirche Kärnten".
Die "Nedelja" verstehe sich nicht als "Museumsstück", sondern wolle weiterhin journalistische Qualität mit digitalen Angeboten verbinden. Man habe früh auf Online-Präsenz und soziale Medien gesetzt und starte nun "in das nächste Jahrhundert" mit dem Ziel, fixer Bestandteil der Kärntner Medienlandschaft zu bleiben.
Grundauftrag Begleitung und Sprachpflege
Herausgeber Kristof erinnerte an die Gründung der Zeitung im März 1926 durch sechs Priester der slowenischen Priestervereinigung "Sodalitas" im Gailtal. Ziel sei es gewesen, die Gläubigen spirituell zu begleiten und zugleich durch das Erscheinen in slowenischer Sprache "den Erhalt der Muttersprache" zu fördern. Diese Grundaufträge habe die "Nedelja" bis heute bewahrt, trotz der zwischenzeitlichen Unterbrechung während der NS-Zeit, als sie verboten war.
Heute erscheint die Nedelja wöchentlich als slowenische Kirchenzeitung der Diözese Gurk-Klagenfurt. Seit 1995 gibt es die eigene Website nedelja.at, inzwischen eingebunden in die diözesane Plattform kath-kirche-kaernten.at. Seit 2007 bietet das Medium regelmäßige Familien- und Kulturbeilagen. 2018 erhielt die "Nedelja" mit Mateja Rihter erstmals eine offizielle weibliche Chefredakteurin, nachdem zuvor Marija Perne und Micka Opetnik das Medium bloß interimistisch geleitet hatten. Seit 2025 ist Vincenc Gotthardt Chefredakteur.
Als Herausforderungen für die Zukunft nannte Kristof gewandelte Mediengewohnheiten: Gedruckte Medien hätten zwar weiterhin Bedeutung, junge Menschen seien jedoch zunehmend über digitale Kanäle erreichbar. Entscheidend werde sein, "die Zeichen der Zeit zu erkennen und verstärkt dort aktiv zu sein, wo die jungen Menschen erreichbar sind".
Mitmach-Jubiläumsprogramm
Zum Jubiläum sind mehrere Initiativen geplant, darunter eine Wanderausstellung in den zweisprachigen Regionen Kärntens, ein Literaturwettbewerb unter dem Titel "100 Geschichten für 100 Jahre", eine Leserreise durch Slowenien, Sonderbeilagen mit historischen Fotos aus dem umfangreichen Archiv der Zeitung sowie digitale Jubiläumsaktionen. (Infos: www.nedelja.at)