
Festwocheneröffnung zwischen Gotteskritik und Gottessehnsucht
Das 75-Jahr-Jubiläum der Wiener Festwochen und damit die von Festival-Intendent Milo Rau ausgerufene "Republic of Gods" sind angebrochen. In der vergangenen Eröffnungswoche gastierten bereits die ukrainische Femen-Aktivistin Inna Shevchenko in der Elisabethkirche und Punk-Ikone Patti Smith im Theater Akzent. Vor der großen Eröffnung am Freitag (22. Mai) am Heldenplatz fanden sich schon am Mittwoch u. a. Rau, Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler und der musikalische Leiter der Eröffnung Herwig Zamernik am geschichtsträchtigen Platz ein, um einen Ausblick auf das "Fest der Geschwister Musik und Glaube" zu geben. Noch bis 21. Juni tummeln sich auf den heimischen Bühnen Götter, Gläubige, Prophetinnen und Atheisten und versprechen "eine mythische Feier der Gotteskritik und Gottessehnsucht".
Bei der Eröffnung am Freitag treten ab 21.20 Uhr u. a. die "Godmother of Punk" Patti Smith mit dem Schmusechor und der neu gegründeten Festwochen Band Gods Republic, Hänsel, Lara Hulo, Witch Club Satan, Steve Katona, dem Duo Cari Cari und Marichka Shtyrbulova auf. Das Event wird live und zeitversetzt ab 22.35 Uhr auf ORF 2 und 3sat übertragen, der Eintritt ist frei.
Die Eröffnung wird in österreichischer Gebärdensprache begleitet. Neben der Dolmetschung der Wortbeiträge wird das Musikprogramm von Alice Hu und Günter Roiss in Gebärdensprache performt. Sie müssen dabei unterschiedliche Stile - Oper, Pop und Rock - vermitteln. "Wir haften dabei nicht so stark auf den Text, sondern versuchen, die Stimmung zu transportieren, die für gehörlose Personen gut wahrnehmbar wird", erklärte Roiss. Das sei nicht nur für gehörlose Menschen, sondern auch für alle anderen interessant, wenn sie sehen, "was man alles mit dem Körper ausdrücken kann".
Heldenplatz
Für das Geburtstagsfest habe man mit dem Heldenplatz einen "unglaublich passenden Platz" ausgesucht, erklärte Kaup-Hasler. Es sei ein Ort, "der einen Namen trägt, den wir heute nicht ohne Stottern sagen können und wir müssen uns fragen, welches Bild von Helden wir hier haben", leitete die Kulturstadträtin auf aktuelle Kriege und Konflikte über. Viele würden unter dem "vermeintlichen Schutzschild Religion" geführt. Religion werde dabei für politische, aber auch wirtschaftliche Zwecke missbraucht, verwies Kaup-Hasler auf Peter Thiel, die "Silicon Bros.", die "Broligarchie" und damit einer zunehmenden Konzentration politischer und wirtschaftlicher Macht in den Händen einer elitären Clique.
Bei den Festwochen werde der Heldenplatz, wie auch durch das "Fest der Freude" mit Mitteln der Kunst neu erobert, "umdefiniert" und heiße wahrscheinlich bald "Heldinnenplatz", sagte ORF-TV-Kulturchef Martin Traxl, mitverantwortlich für die Dokumentation "75 Jahre Wiener Festwochen - Schönheit und Provokation" von Felix Breisach. Der Film trage das Bild von Wien als weltoffener Stadt in die Welt, "wo Dinge möglich sind, die anderswo vielleicht nicht möglich sind", so Traxl über die historischen und aktuellen Aufnahmen von den Festwochen.
Musik und Glaube
Bei der Eröffnung am Freitag sowie beim Festival steht die Musik im Vordergrund: "In der Republik der Göttinnen" seien Glauben und Musik Geschwister, sagte der musikalische Leiter der Eröffnung Herwig Zamernik. "Beide sind da, um uns zusammenzubringen und uns Halt zu geben, aber auch um uns zu unterhalten. Und da gibt es viele Arten. Und alle diese Farben haben wir wieder in diese Eröffnung hineingesteckt, mit allen schönen Seiten, aber auch mit den Untiefen."
Ein gutes Beispiel liefert das Kyjiwer Kollektiv Opera Aperta, deren Mitglieder mit "Songs of Winter War" im Theater Akzent auftreten. Die Künstlerin Marichka Shtyrbulova sprach davon die Freiheit auf die Bühne zu bringen, "unsere Religion in der Ukraine, für die wir kämpfen, die wir schützen und verteidigen". (Info: https://www.festwochen.at/eroeffnung-2026)
Quelle: kathpress