
Bischof Glettler: "Abtreibung ist keine Gesundheitsleistung"
Der Innsbrucker Bischof Hermann Glettler hat sich deutlich gegen Abtreibungen im Gesundheitswesen ausgesprochen. "Abtreibung ist keine Gesundheitsleistung, sondern die Beendigung eines menschlichen Lebens", so der Bischof in einer Erklärung zum Auftakt der "Woche für das Leben" in der Diözese Innsbruck. Die Initiative der Kirche versteht sich als gesellschaftlicher Impuls zum Schutz des Lebens in allen Lebensphasen.
Besonders kritisch äußerte sich Glettler zur aktuellen Entwicklung in Tirol, wo seit Anfang Mai auch an einem Standort der Tirol Kliniken Schwangerschaftsabbrüche vorgenommen werden. Diese Entscheidung habe ihn "sehr enttäuscht". Er sei nach wie vor der Überzeugung, dass Abtreibungen im Rahmen der gesetzlichen Fristenregelung in den Bereich niedergelassener Ärzte gehörten und nicht in Krankenhäuser.
Menschen statt Medizin gefordert
Frauen in Konfliktsituationen bräuchten nach Ansicht des Bischofs vor allem menschliche Begleitung statt eines rein medizinischen Angebots. "Was viele Frauen in einer Konfliktschwangerschaft suchen, ist nicht in erster Linie ein medizinisches Angebot, sondern ein menschliches", so Glettler. Gefordert seien "ehrliche Begleitung sowie emotionale und soziale Stärkung".
In diesem Zusammenhang forderte der Bischof den Ausbau sogenannter flankierender Maßnahmen, wie sie bereits in den 1970er Jahren politisch angekündigt worden seien. Dazu gehöre insbesondere eine "qualitätsvolle, ergebnisoffene Beratung", um Alternativen zur Entscheidung für einen Schwangerschaftsabbruch sichtbar zu machen. Die derzeitigen Hinweise auf Beratungsstellen, etwa auf der Website der Tirol Kliniken, seien "eindeutig zu wenig".
Spätabtreibungen "fundamentale Menschenrechtsverletzung"
Auch im Bereich Prävention sieht Glettler Handlungsbedarf. Es brauche eine bessere Datengrundlage über die Gründe für Schwangerschaftsabbrüche, um darauf aufbauend gezielte Unterstützungsangebote entwickeln zu können. Zudem sollten bestehende Hilfen wie Adoption, Pflege und soziale Unterstützung stärker bekannt gemacht werden.
Besonders deutlich äußerte sich der Bischof zur Frage von Abtreibungen bei vermuteter Behinderung des Kindes. Es sei "eine fundamentale Menschenrechtsverletzung", dass Embryos "auch nur mit einer vermuteten Behinderung bis zum tatsächlichen Geburtstermin abgetrieben werden können". Zugleich warnte er vor gesellschaftlicher Abwertung von Menschen mit Behinderung als vermeintlicher "Kostenfaktor".
Woche für das schutzbedürftige Leben
Zum Auftakt der "Woche für das Leben", die heuer ihr 20-jähriges Bestehen feiert, verwies Glettler auf die Grundidee der Initiative. Sie gehe auf Erzbischof Alois Kothgasser (1937-2024) zurück und habe sich österreichweit etabliert. Ziel sei es, jährlich die Frage zu stellen, "wie wir als Gesellschaft mit dem Leben umgehen - vor allem mit dem schutzbedürftigen, verletzbaren Leben".
Die diesjährige Eröffnung erfolgte mit einem "Fest der Lebensfreude" in Innsbruck. Der Gottesdienst am Dreifaltigkeitssonntag sei eine "Feier voller Menschlichkeit, Wärme und ehrlicher Lebensfreude" gewesen, so Glettler. Besonders Menschen mit Behinderung und deren Angehörige hätten daran teilgenommen.
Würde und Respekt
Zentraler Gedanke der Aktion ist für den Bischof die unverlierbare Würde des Menschen. "Der Wert eines Menschen hängt nicht von seiner Leistung ab, nicht von seiner Gesundheit oder gelungenen Selbstoptimierung", betonte er unter Verweis auf die Enzyklika "Magnifica Humanitas" von Papst Leo XIV., die das Recht auf Leben als grundlegendes Menschenrecht beschreibt.
Abschließend rief Glettler zu einem respektvollen Umgang mit dem Thema auf. "Niemand kennt die gesamte Geschichte eines anderen Menschen", so der Bischof. "Deshalb gilt unser Respekt sowohl dem ungeborenen Leben als auch den Frauen und Familien, die oft vor schwierigen und schmerzhaften Entscheidungen stehen."
Quelle: kathpress