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Erzbischof Josef Grünwidl
Erzdiözese Wien/Schönlaub

Grünwidl stellt sein "Programm" für die Erzdiözese Wien vor

Wiener Erzbischof bei Sommerempfang: Gottesfrage ist das eigentliche "heiße Eisen" der Kirche - In Erzdiözese Wien gleichermaßen Herausforderungen und Hoffnungszeichen - "Die Kirche ist besser als ihr Ruf"

03.06.2026

Sein künftiges "Programm" für die Erzdiözese Wien hat Erzbischof Josef Grünwidl skizziert. Er stehe für eine Kirche mit vertieften Wurzeln im Glauben und in der Gottesbeziehung. Und er stehe für eine Kirche, "die sich einbringt und gut vernetzt ist, ganz besonders mit den spirituell Suchenden, die Raum gibt für Dialog und Begegnung, die ein waches Auge hat für die Fragen der Zeit und für die soziale Wirklichkeit, für Armut, Einsamkeit und Ängste". Grünwidl äußerte sich im Rahmen des Sommerempfangs, zu dem er am Dienstagabend erstmals als Erzbischof Medienschaffende, Menschen aus Kunst und Kultur, Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und aus der Kirche in das Wiener Erzbischöfliche Palais geladen hatte.

 

Er sei überzeugt, dass Religion und Glaube immer wichtiger werden, so der Erzbischof. Religion sei die Rückbindung des Menschen an Gott. Diese An- und Rückbindung sei in Zeiten des Umbruchs wichtiger denn je, "sie kann Orientierung und Resilienz schenken, sie bietet Gemeinschaft und ein Obdach für die Seele, ein Sicherheitsnetz im Auf und Ab des Lebens und sie eröffnet eine Hoffnungsperspektive, die über den Tod hinausweist".

 

Gottesfrage zentral

 

Als eigentliches "heißes Eisen" der Kirche identifizierte der Erzbischof die Gottesfrage: "Die Gottesfrage treibt uns um, nicht die 'Gotteskrise', denn Gott ist nicht in der Krise. Wir in der Kirche erleben gerade eine kritische Zeit und stehen vor der Frage: Wie können wir besser, überzeugender und verständlicher den Gott der Bibel vermitteln, dass das Leben reicher und existenziell geborgener wird, wenn man sich auf den christlichen Glauben einlässt?"

 

Er werde seiner Aufgabe als Bischof bzw. werde die Kirche ihrer Aufgabe nur dann gerecht, "wenn wir unsere Glaubenswurzeln stärken und vertiefen und damit bei uns selber anfangen". Rund 1.000 Kirchen und 600 Pfarrgemeinden gebe es zur Zeit in der Erzdiözese Wien. "Wenn viele Getaufte im Glauben wachsen und ihre Beziehung zu Gott vertiefen, wird es auch künftig genügend vitale Gemeinden, Oasen des Glaubens und spirituelle Tankstellen sowie Ort der tätigen Nächstenliebe geben", so Grünwidl.

 

Kirche ist kein Selbstzweck

 

Kirche sei freilich kein Selbstzweck, "sie ist für die Menschen da und nimmt Anteil an ihren Fragen, Freuden und Sorgen, Hoffnungen und Ängsten", betonte der Erzbischof. er erinnerte in diesem Zusammenhang an Papst Franziskus, der immer wieder dazu aufgerufen habe, nicht um sich selbst zu kreisen, sondern hinauszugehen zu den Menschen.

 

Papst Leo habe das mit seiner ersten Enzyklika über die Würde des Menschen und die künstliche Intelligenz exemplarisch vorgezeigt. Der Papst weise darauf hin, dass die Frage nach der Technik und der immer mächtiger werdenden künstlichen Intelligenz eine soziale und auch eine theologische Frage sei.

 

Leo XIV. stehe damit in der Tradition der kirchlichen Soziallehre, "die zum Besten gehört, was die Kirche hervorgebracht hat", hielt der Erzbischof fest. Die Kirche erweise sich mit ihrer Soziallehre als eine "sensible Beobachterin gesellschaftlicher Entwicklungen und Umbrüche und will dabei nicht abseitsstehen".

 

KI "entwaffnen"

 

Die Stimme des Evangeliums dürfe nicht fehlen, wo es um die Würde des Menschen und seine Rechte geht. Der Papst habe in seiner Enzyklika die entscheidende Frage gestellt: "Wozu eigentlich KI?" Er habe sich kritisch zu einem immer stärker werdenden "technokratischen Paradigma" geäußert, durch das Effizienz, Kontrolle und Profit zur dominierenden gesellschaftlichen Logik werden und stelle dem die Idee einer "Zivilisation der Liebe" entgegen.

 

Eindringlich habe der Papst auch appelliert, dass die KI entwaffnet werden müsse, und gesagt: "Das Wort ist stark, ich weiß, aber bewusst gewählt, weil dieser Moment Worte braucht, die Aufmerksamkeit erregen, das Gewissen wecken und Wege für die Menschheit aufzeigen können."

 

"Entwaffnen" bedeutet für den Papst ein Befreien von Logiken, die die KI zu einem Instrument der Herrschaft, der Ausgrenzung und des Todes machten. Entscheidungen über Technologie dürften niemals von Gewissen und Verantwortung getrennt werden, so Erzbischof Grünwidl und weiter wörtlich: "Kirche am Puls der Zeit, das Evangelium als Orientierungshilfe in den Herausforderungen der Gegenwart und die Zivilisation der Liebe als Vision Gottes für die Welt. Technik und Intelligenz werden da nicht ausreichen. Es braucht Weisheit, echte Menschlichkeit und Herzensbildung. "

 

Zuhörer und Brückenbauer

 

Der Erzbischof schloss seine Rede mit einem Blick auf seine Erzdiözese: Er versuche gut zuzuhören und mit möglichst vielen Menschen im Gespräch zu sein. Er wolle auch ein Brückenbauer sein, "einer, der verbindet, der mithilft, dass Vorurteile sich auflösen, der Begegnung stiftet, in der Ökumene, im interreligiösen Dialog und in unserer Gesellschaft". Er sehe in der Erzdiözese nicht nur Probleme und Herausforderungen, sondern auch Hoffnungszeichen und sei überzeugt: "Die Kirche ist besser als ihr Ruf."

 

Grünwidl verwies exemplarisch an Initiativen wie das Sozial- und Begegnungszentrum "Kirchenschiff" und die erste Kinder-Palliativstation Österreichs, die das kirchliche Haus der Barmherzigkeit auf Bitte der Stadt Wien hin eingerichtet hat. Er denke auch an das erste Wohnheim für haftentlassene Mütter in Österreich, das in wenigen Tagen von der Elisabethstiftung eingerichtet wird, an Demokratieworkshops und viele andere Initiativen der Caritas sowie auch an pfarrliche Projekte im Bereich der Nachbarschaftshilfe, Nachhaltigkeit und Bewahrung der Schöpfung.

 

Generationenwechsel beim Personal

 

Es gebe Aufbrüche, die unter Kardinal Christoph Schönborn entstanden seien "und die wir fortführen", so Grünwidl. Zudem ändere sich aber auch manches. In diesem Jahrzehnt werde fast die Hälfte der Angestellten der Erzdiözese ihr Pensionsalter erreichen, "sodass auch viele Schlüsselstellen neu zu besetzen sind".

 

Er habe als Administrator schon einen neuen Finanzchef der Erzdiözese bestellt und einen neuen Rechtsreferenten und Immobilienverantwortlichen. Ebenso gebe es eine neue Chefcontrollerin. Der Pressesprecher-Posten sei demnächst neu zu besetzen und ebenso die Leitung der Wirtschaftsstelle. Zudem gebe es ab September einen neuen Generalvikar und 2027 Veränderungen in der Dompfarre. So freue er sich, "dass es neben Kritik auch viele Zeichen der Zustimmung und Hoffnung im Blick auf die Zukunft der Erzdiözese Wien gibt". Er sei dankbar für den Rückenwind, den er verspüre.

 

Abschied von Pressesprecher Prüller

 

Für Grünwidl war es der erste Sommerempfang als Erzbischof, für Michael Prüller der letzte als Pressesprecher der Erzdiözese Wien. Prüller wird in absehbarer Zeit in Pension gehen. Er dankte den Medienschaffenden für die gute Zusammenarbeit in den vergangenen 15 Jahren, die er in und für die Erzdiözese arbeitete. Das Verhältnis von Kirche und Medien in Österreich bezeichnete Prüller als vorbildlich. Es sei von Respekt geprägt. Er ortete eine kritische, aber vorurteilsfreie Distanz der Journalisten zur Kirche und sprach - mit einem Augenzwinkern - auch von einer meist fairen Behandlung seiner selbst durch die Journalisten. Einen besonderen Dank für die Religionsberichterstattung richtete der scheidende Pressesprecher zudem an den ORF.

 

Grünwidl seinerseits dankte Prüller für die vielen Jahre an der Seite von Kardinal Christoph Schönborn und zuletzt auch an seiner Seite.

 

 

Quelle: kathpress

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