
Aktivistin: "Klimawandel für Frauen und Kinder" vonnöten
Für einen gesellschaftlichen Kulturwandel zugunsten von Kindern und für bessere Rahmenbedingungen für Schwangere hat sich die Vorsitzende der Bürgerbewegung "Fairändern", Petra Plonner, ausgesprochen. Bei der Lebensschutz-Veranstaltung "Ja zum Leben sagen" sprach sie über das Thema "Teenager und schwanger" und verwies dabei auch auf ihre persönliche Geschichte, berichtete die St. Pöltner Kirchenzeitung "Kirche bunt" (Ausgabe 4. Juni).
Plonner berichtete, sie sei selbst im Alter von 17 Jahren ungeplant schwanger geworden und zunächst "von der Diagnose des Arztes schockiert" gewesen. Der Arzt habe als "Lösung" sofort eine Abtreibung vorgeschlagen. Diese habe ihr damals als einfachster Ausweg erschienen, später jedoch "massive Schuldgefühle und Reue" ausgelöst.
Mit Blick auf die Debatte um Schwangerschaftsabbrüche plädierte die Fairändern-Vorsitzende für einen respektvollen Umgang. "Wichtig ist, darüber zu sprechen, ohne zu verurteilen - und nicht über die Köpfe der Frauen hinweg", sagte sie. Es dürfe nicht um eine argumentative "Schlacht" gehen. Sie könne nachvollziehen, warum Frauen eine Abtreibung in Erwägung ziehen, da eine ungewollte Schwangerschaft das Leben stark verändere. Einen konstruktiven gesellschaftlichen Dialog sieht Plonner derzeit aber nur eingeschränkt möglich. Die Gräben seien tief, Positionen würden häufig sofort verteidigt. Ihr Ansatz sei es, "Brücken zu bauen und miteinander ins Gespräch zu kommen".
Kritisch äußerte sich die Aktivistin zur häufig verwendeten Formel "Mein Körper gehört mir". Das Recht auf körperliche Unversehrtheit sei "natürlich ein wichtiges Anliegen und ein großes Gut". Gleichzeitig werde jedoch in der öffentlichen Diskussion oft ausgeblendet, dass eine Schwangerschaft die Erwartung eines Kindes bedeute. Aus ihrer Beratungstätigkeit wisse sie zudem, dass viele Frauen unter erheblichem Druck durch den Partner oder die Familie stünden und in ihrer Entscheidung für die Abtreibung "sehr häufig fremdbestimmt" seien, sagte Plonner.
Betroffenen den Druck nehmen
Zugleich betonte die im Lebensschutz Engagierte, dass Abtreibung zwar ein sehr persönliches Thema sei, aber gesellschaftliche Auswirkungen habe. "Es soll keine Frau abtreiben müssen, weil sie so verzweifelt ist." Es brauche Rahmenbedingungen, die es Frauen ermöglichen, ein Kind auch unter schwierigen Umständen zu bekommen und gut zu versorgen. Fielen finanzieller Druck, Belastungen in der Partnerschaft oder berufliche Nachteile weg, würden wohl "viele Frauen mit einem ermutigenden Wort und stärkerer Unterstützung nicht abtreiben". Auch sie selbst hätte diesen Weg mit dem Kind wohl geschafft, denke sie heute rückblickend.
Mit Sorge blickte Plonner auch auf sinkende Geburtenzahlen. Kinder würden heute häufig als Hindernis für Karriere oder finanzielle Sicherheit gesehen. "Wir brauchen einen positiven Klimawandel für Kinder!", forderte sie. Familie und Kinder zu haben sei "ein wundervolles Abenteuer", was gesellschaftlich viel zu selten vermittelt werde. Auch Ängste vor Krisen wie Klimawandel oder wirtschaftlicher Unsicherheit sollten aus ihrer Sicht "kein Grund sein, auf Kinder zu verzichten, oder davon abhalten, hoffnungsvoll in die Zukunft zu gehen", so Plonner.
Demo gegen Klinik-Abtreibungen
Auf anderer Ebene gegen Abtreibung aktiv waren vergangenes Wochenende Mitglieder des Vereins "Jugend für das Leben", die am Innsbrucker Landhausplatz demonstriert haben. Rund 200 Menschen leisteten dem kurzfristig verbreiteten Aufruf Folge und sprachen sich für eine sofortige Revidierung des Entscheids der Landesregierung, Abtreibung am Krankenhaus Innsbruck möglich zu machen, aus. In einer Aussendung vom Mittwoch war von einem "Dammbruch" die Rede. "Ein Kind ist keine Krankheit - Abtreibung raus aus dem Krankenhaus" sowie "Abtreibung ist keine Gesundheitsleistung" sei auf Transparenten und Schildern zu lesen gewesen, zudem wurden 400 Paar Kinderschuhe stellvertretend für die geschätzte Zahl der jährlich in Tirol abgetriebenen Kinder aufgestellt.
Bei der Demonstration wurde weiters ein Grußwort von Bischof Hermann Glettler verlesen und eine Mitarbeiterin der Beratungsorganisation 1000plus gab Einblicke in den Alltag der Schwangerenberatung. Ihre Botschaft: Keiner der an der Entscheidung zur Klinik-Abtreibung beteiligten Politiker scheine zu wissen, was Schwangere in Not wirklich brauchen. Mit Jugend für das Leben kritisierte die Expertin die Auswahl der beauftragten Beratungsorganisationen an der Klinik, die sich für einen sehr liberalen Abtreibungszugang stark machen. Auch zwei betroffene Frauen gaben ein persönliches Zeugnis von ihren Erfahrungen mit Abtreibung.
Seitens Jugend für das Leben betonte der Vereinsvorsitzende Frederik Koller in Richtung ÖVP und SPÖ, es sei nicht Aufgabe einer Landesregierung, "Infrastruktur für Abtreibungen bereitzustellen". Er forderte "Abtreibungen raus aus dem Krankenhaus, Einführung eines Abbruchregisters und Schaffung von echten Hilfsangeboten". Hingewiesen wurde auch auf die neue, von Jugend für das Leben initiierte Petition, die sich um die Revidierung der politischen Entscheidung einsetzt. Diese sei ein Verrat an den eigenen Grundsätzen des ÖVP-Grundsatzprogramm und auch an den Wählern. (Infos: www.jugendfuerdasleben.at bzw. www.fairaendern.at)
Quelle: kathpress