
Lackner: Kirche muss wie Franz von Assisi Gott an erste Stelle setzen
Der Salzburger Erzbischof Franz Lackner sieht im heiligen Franziskus von Assisi, dessen 800. Todestag heuer begangen wird, eine bleibend aktuelle Leitfigur für Kirche und Gesellschaft. Der gerade erneut zum Vorsitzenden der Österreichischen Bischofskonferenz gewählte Franziskaner betonte im Interview mit der deutschen Wochenzeitung "Die Tagespost" die Bedeutung einer Rückkehr zur Gotteszentrierung in der Kirche und verwies dabei auf die spirituelle Radikalität des Ordensgründers.
Franziskus habe eine Glaubenshaltung verkörpert, die Menschen bis heute unmittelbar erreiche, sagte Lackner. "Franziskus hat eine große Menschlichkeit des Glaubens zum Ausdruck gebracht, ja die Menschenfreundlichkeit Gottes schlechthin", so der Erzbischof. Diese Form des Glaubens sei von Demut und Einfachheit geprägt gewesen. Im persönlichen Gebet wende er sich daher an den Heiligen "um die Armut und Demut des Glaubens - nicht etwa um den Reichtum des Glaubens".
Für die heutige Kirche leitet Lackner daraus eine grundlegende Priorität ab. "Die große Herausforderung heute ist, wie es uns gelingen kann, Gott wieder an die erste Stelle zu setzen", sagte er. Während der Mensch vielfach im Zentrum stehe, habe Franziskus konsequent von Gott her gedacht und gehandelt: "Franziskus wollte nichts von sich aus tun, sondern nur von Gott her." Daraus ergebe sich ein Gegenbild zu einer stark von Machbarkeit geprägten Haltung in Kirche und Gesellschaft.
Geistliche Einfachheit
Zugleich plädierte der Erzbischof für geistliche Einfachheit. "Wir brauchen eine neue Einfachheit und Schlichtheit in einer sehr komplizierten Welt", so Lackner. Christliche Nachfolge lasse sich nicht technisch herstellen, sondern müsse immer neu entdeckt werden. Franziskus habe das Evangelium in diesem Sinn als konkrete Lebensregel verstanden.
Auch seine eigene Berufung schilderte Lackner als Prozess innerer Auseinandersetzung. "Das war mein Jakobskampf. Ich habe gerungen, bis in den Schlaf hinein", sagte er. Verschiedene geistliche Traditionen hätten seinen Weg begleitet, bevor er sich für den franziskanischen Orden entschied. Rückblickend betonte er: "Weil ich mich als untalentiert sehe, habe ich nichts anderes als Gott vorzuweisen."
Verantwortung und Selbstbegrenzung
Zum kirchlichen Amt äußerte sich der Salzburger Erzbischof mit Blick auf Verantwortung und Selbstbegrenzung. Priester- und Bischofsamt bedeute, "in persona Christi zu handeln", zugleich aber die eigene Person zurückzunehmen. "Ich habe heute so viel Achtung vor dem Amt, dass ich es nicht zu stark persönlich prägen will", sagte Lackner. Auch die kirchliche Lehre verstehe er als gewachsene Kontinuität: "Die Lehre ist wie ein Fluss, dessen Verlauf wir nicht ändern dürfen."
Abschließend verwies Lackner auf die ethische Dimension aktueller gesellschaftlicher Fragen. Franziskus habe die Verbundenheit der Schöpfung betont und Leben und Tod in einen geistlichen Zusammenhang gestellt. "Wie wir leben und sterben, hat Auswirkungen auf andere, auf unsere Nächsten", sagte der Erzbischof. Je stärker der Mensch Anfang und Ende des Lebens unter Kontrolle zu bringen versuche, desto mehr gerate die "Lebenssubstanz dazwischen" unter Druck. "Wir müssen - wie Gandhi - dagegen sein in völliger Gewaltlosigkeit", so Lackner.
Quelle: kathpress