
Caritas Vorarlberg startet Initiative für Bürgerrat gegen Armut
Die Caritas Vorarlberg will angesichts der steigenden Zahl von armutsbetroffenen und armutsgefährdeten Menschen einen Bürgerinnen- und Bürgerrat ins Leben rufen. Aktuell sammelt die Hilfsorganisation dafür Unterstützungserklärungen. Als Motivation für das Vorhaben nannte der Vorarlberger Caritasdirektor Walter Schmolly die wachsende soziale Ungleichheit als ernsthafte Herausforderung für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Ziel des geplanten Bürgerrats sei es, Empfehlungen für die Landespolitik zu erarbeiten und neue Impulse für den Umgang mit Armut zu entwickeln, erklärte Schmolly im "Vorarlberger KirchenBlatt" (Ausgabe 18. Juni). Für die Einsetzung des Bürgerrats sind 1.000 Unterstützungserklärungen erforderlich.
Laut dem aktuellen Armutsbericht der Statistik Austria sind 2025 allein in Vorarlberg mehr als 11.000 Personen (2,9 Prozent der Bevölkerung) von manifester Armut betroffen und knapp 7.000 Menschen sind neu in die Armutsgefährdung gerutscht. In den Caritas-Beratungsstellen zeige sich, dass sich die Armutssituationen verfestigen, berichtete Schmolly. Besonders betroffen seien dabei Kinder und Jugendliche. Armut sei "ein großer Stolperstein auf dem Lebensweg der Betroffenen", so der Caritasdirektor. Für viele blieben die Startbedingungen ihres Lebens langfristig prägend.
Zugleich warnte Schmolly vor den gesellschaftlichen Folgen wachsender Ungleichheit. Die sich öffnende soziale Schere könne "zu einem großen Hinkelstein für die gesamte gesellschaftliche Entwicklung werden". Wenn die soziale Frage aus dem Blick gerate, verliere eine Gesellschaft die Fähigkeit, große Veränderungsprozesse demokratisch gemeinsam zu gestalten.
Der geplante Bürgerrat könne und solle sich mit der Frage befassen, wie die Armutsentwicklung umgekehrt und Vorarlberg als solidarische Gesellschaft gestärkt werden kann. Diskutiert werden sollen etwa gesellschaftliche Wertvorstellungen, die Wahrnehmung von Armut sowie die Verantwortung von Politik, Sozialstaat und Zivilgesellschaft. Unterstützt werden die Teilnehmenden dabei durch die Landesverwaltung und Fachleute. Bürgerräte seien darauf ausgerichtet, ein kooperatives und lösungsorientiertes Zusammenwirken von Bevölkerung, Politik und Expertinnen und Experten zu fördern, so Schmolly.
Für die Einsetzung des Bürgerrats sind 1.000 Unterstützungserklärungen erforderlich. Die Caritas zeigt sich zuversichtlich, dieses Ziel zu erreichen. Schmolly hofft darüber hinaus auf ein breites gesellschaftliches Signal für Zusammenhalt und Solidarität. Vorarlberg solle "ein Land bleiben, in dem niemand zurückgelassen wird", sagte der Caritasdirektor. Dies sei "nur in einem breiten Schulterschluss zu schaffen". (Infos: www.caritas-vorarlberg.at/buergerrat; https://mein.aufstehn.at/p/buergerrat)
Quelle: kathpress