
Caritas: Schere zwischen Arm und Reich in Österreich geht weiter auf
Die Schere zwischen Arm und Reich geht in Österreich weiter auf. Das ist auch in den Caritas-Sozialberatungsstellen zu spüren, wie Caritas-Generalsekretärin Anna Parr im "Standard"-Gespräch (Montag) bestätigte: "Der Zulauf ist weiterhin sehr hoch." Die Zahl armutsgefährdeter Menschen hat demnach im Vergleich zum Vorjahr um 157.000 Personen zugenommen. Parr warnte einmal mehr vor den geplanten weiteren Sparmaßnahmen der Bundesregierung. Die ins Auge gefasste Einhebung von Arbeitslosenversicherungsbeiträgen bei Niedrigverdienenden, die fortgesetzte Nichtvalorisierung von Familienleistungen und ein Wiedereinführen der Anrechnung von Partnereinkommen bei der Notstandsunterstützung würden den heurigen Trend weiter verstärken: "Dann könnte es durchaus noch mehr Armutsgefährdete geben."
Konkret würden sich mehr Frauen als Männer an die Caritas wenden, oft seien diese alleinerziehend, berichtete Parr. Viele befänden sich in einer komplexen Situation: "Immer mehr Menschen haben sogenannte Multiproblemlagen: Jobverlust und alleinerziehend, kein Unterhalt vom Partner, Wohnkosten, die über den Kopf wachsen." Überhaupt seien hohe Mieten und Energierechnungen bei Menschen in den unteren Einkommenssegmenten ein Hauptgrund für eine Existenz in Armut: "Sie leben in der Regel zur Miete in schlecht isolierten Wohnungen, was das Heizen teuer macht."
"Leben auf dünnem Eis"
"Armutsgefährdete Menschen leben einkommensmäßig auf dünnem Eis", so Caritas-Generalsekretärin Parr. In den Sozialberatungen hätten die Caritas-Mitarbeitenden vielfach mit Menschen zu tun, die ihr Leben mit Einkommen unterhalb der Armutsgefährdungsgrenze bewältigen müssen. Deren Monatseinkommen betrage im Durchschnitt 1.152 Euro: "Nach Abzug aller Fixkosten bleiben unseren Klientinnen und Klienten pro Tag rund 17 Euro für Lebensmittel und Anschaffungen übrig", so Parr. Damit auszukommen, sei auf die Dauer unmöglich.
Laut Statistik Austria 2025 sind 18,6 Prozent der Bevölkerung armuts- und ausgrenzungsgefährdet, um 1,7 Prozent mehr als 2024. Wer armutsgefährdet ist, muss mit weniger als 1.827 Euro pro Monat auskommen. Ist ein Haushalt darüber hinaus nur gering ins Erwerbsleben eingebunden - meist wegen Arbeitslosigkeit - oder weist er Merkmale wie verzögerte Mieten- oder Energiekostenzahlungen wegen Geldmangels auf, droht der Absturz in absolute Armut. Davon waren in Österreich 2025 2,9 Prozent der Bevölkerung betroffen - weniger als im Jahr davor, aber immerhin 261.000 Menschen.
Quelle: kathpress