
Wien: Caritas startet Hitzepaket und fordert nationalen Hitzeplan
Angesichts der ersten heranrollenden Hitzewelle des Jahres mit Temperaturen von bis zu 36 Grad hat die Caritas der Erzdiözese Wien ihr Hitzepaket für armutsbetroffene und obdachlose Menschen aktiviert. Gemeinsam mit 24 Pfarren in Wien und Niederösterreich werden erneut "Klimaoasen" als kostenlose Rückzugsorte geöffnet. Zudem sind Streetwork-Teams, die Hitzepakete verteilen, und der Louisebus verstärkt im Einsatz, wie die Caritas am Donnerstag mitteilte. "Obdachlose Menschen sind der Hitze meist schutzlos ausgeliefert. Und auch Menschen mit niedrigem Einkommen leben oft in beengten, schlecht isolierten Wohnungen und können den extremen Temperaturen kaum entfliehen", so der Wiener Caritas-Direktor Klaus Schwertner. Die Caritas fordert darum einen nationalen Hitzeplan der Regierung.
Die Klimakrise sei längst auch eine soziale Krise, die jene treffe, die am wenigsten zu ihr beitragen. Das aktuelle Doppelbudget bleibe hier wichtige Antworten schuldig. "Während bei Klimaförderungen gekürzt wird, werden klimaschädliche Subventionen nicht ausreichend zurückgefahren. Dabei könnte gerade die Budgetkonsolidierung genutzt werden, um Klimaziele konsequent voranzutreiben - und damit vor allem auch vulnerable Menschen zu schützen", kritisierte Schwertner. In den Städten brauche es konkrete Maßnahmen gegen die steigende Belastung: ausreichend hitzebeständigen Wohnraum, mehr Grünflächen und konsumfreie Räume, die für alle zugänglich sind.
Gesundheitliche Folgen durch Hitzebelastung
Für armutsbetroffene und obdachlose Menschen bringen die heißen Temperaturen große gesundheitliche Risiken mit sich. "Wenn sich die ganze Stadt aufheizt, gibt es für obdachlose Menschen kaum Rückzugsorte. Viele unserer Klientinnen und Klienten sind zudem gesundheitlich angeschlagen - das macht die Hitze doppelt gefährlich", berichtete Lis Pichler, Leiterin der Gruft. Streetwork-Teams sind mit Hitzepaketen - bestehend aus Trinkwasser, Sonnenschutz und Sommerschlafsäcken - unterwegs und informieren über Hilfsangebote wie die Klimaoasen.
Auch die Bevölkerung bat Pichler um Mithilfe. Es sei im Sommer oft schwieriger, gesundheitliche Notfälle zu erkennen. "Bei der Gruft können Schlafplätze und Aufenthaltsorte obdachloser Personen auch im Sommer gemeldet werden. Im Notfall gilt immer: Bitte die Rettung unter dem Notruf 144 verständigen." Der Louisebus, "die rollende Ordination der Caritas", ist an fünf Tagen die Woche mit freiwilligen Ärzten und Ärztinnen unterwegs, um Menschen zu versorgen.
In den 24 Klimaoasen in Wien und Niederösterreich betreuen rund 500 Freiwillige die kühlen Rückzugsorte, verteilen kühle Getränke und kleine Mahlzeiten. Die Menschen kämen aus unterschiedlichen Gründen. Manche suchten einen schattigen Platz, manche freuten sich über die kostenlosen Snacks und andere kämen für die Gesellschaft. "So setzen wir als Caritas mit den Klimaoasen ein mehrfaches Zeichen: Gegen Armut, Ausgrenzung und gegen Einsamkeit", freut sich Mila Willingshofer, Projektkoordinatorin der Klimaoasen. Der Bedarf sei hoch: Im letzten Jahr wurden knapp 6.380 Besuche in den Klimaoasen gezählt. (Info: www.caritas-wien.at/klimaoase)
(Caritas-Spendenkonto: IBAN: AT23 2011 1000 0123 4560; Gruft Hitzepaket)
Quelle: kathpress