
Netzwerk: Armut erzeugt doppelt so hohes Hitzetod-Risiko
Armut erzeugt ein doppelt so hohes Hitzetod-Risiko. Als besonders gefährdet gelten nicht nur ältere, kranke und pflegebedürftige Personen, sondern auch "Haushalte in Vierteln mit geringem Einkommen", wie das Netzwerk Armutskonferenz angesichts der aktuellen Hitzewelle hinweist. "Die Risken sind ungleich verteilt", erklärte Sozialexperte Martin Schenk. Die wenigsten Betroffenen würden direkt an einem Hitzschlag sterben; meist seien die hohen Temperaturen ein erschwerender Faktor. So wüsste man, dass viele der Betroffenen einsam und isoliert gewesen seien und "es niemand gab, der mal vorbeischaute und fragte, wie es geht", so Schenk. Neben strategischen Maßnahmen - wie mehr Grünraum, Entsiegelung und Regenwassermanagement - schlug er Investitionen in "Grätzl-Teams" gegen Einsamkeit vor.
Laut Armutskonferenz werden österreichweit pro Jahr zwischen 500 und 1.000 Hitzetote verzeichnet. Vor allem die städtischen Hitzespots benötigten vorbeugende Maßnahmen, so das Netzwerk. Während in ländlichen Gebieten Bäume und andere Pflanzen, aber auch Oberflächenwasser wie natürliche Klimaanlagen wirkten, verhindere in den städtischen Zentren die bebaute Fläche diese Hitzeregulierung. Hinzu kämen "künstliche Wärmequellen" wie Autos, Industrie oder Abwärme von Klimaanlagen. So kann es in Städten zu bis zu 12 Grad höheren Temperaturen als in der Umgebung kommen.
"Grünraum und Wasser in der Stadt verbessert das Klima im Grätzel, zeigt gesundheitlich positive Auswirkungen, bietet Bewegungsraum für Jung und Alt, begünstigt als Sozialraum das Gespräch und die Begegnung", zeigte sich die Armutskonferenz überzeugt. Dringend nötig seien strategische Maßnahmen auf Ebene von Flächenwidmungen, Raumplanung und Wohnbau, wie Straßenbegleitgrün, grüne Wandelemente, Fassaden- und Dachbegrünung, Entsiegelung und Regenwassermanagement oder auch die Freilegung von verrohrten Gewässern. Auch der Ausbau öffentlicher Verkehrsmittel sei hilfreich, um Hitzespots zu verringern. Weiters könnten sich Maßnahmen wie Außenjalousien, Wärmedämmungen, Fassaden- und Hofbegrünung positiv auf Hitzepole auswirken, so das Netzwerk Armutskonferenz.
Schulen, Krankenhäuser, Pflegeheime kühlen
Als besonders vulnerabel bezeichnete die Armutskonferenz Kinder, Kranke, Ältere und Pflegebedürftige; diese Gruppen seien besonders von den gesundheitlichen Folgen der Hitze gefährdet. "Wir brauchen einen Plan, um Schulen, Krankenhäuser und Pflegeheime im heißen Sommer zu kühlen. Das ist eine gute und sinnvolle Präventionsmaßnahme", betonte das Netzwerk.
Auch bei den aktuellen Budgetverhandlungen sei darauf zu achten, kleine Haushaltseinkommen nicht noch weiter zu belasten. "Besonders die Kürzungen in den Bundesländern bei Unterstützungsleistungen und Sozialhilfen bedrohen einkommensschwache Haushalte. Verschlechterungen im Sozialen schlagen sich direkt in teuren Folgekosten nieder", hieß es. Das Fehlen dieser Angebote werde Folgekosten erzeugen, "die alles andere als billig sind".
Weniger Krisenintervention, Integration, Wohnsicherung, Jugendausbildung sowie Gesundheitsprävention würden Folgekosten bei Delogierung, Obdachlosigkeit, Kinder- und Jugendhilfe, Krankheit, Schuldenberatungen etc. bringen, warnte die Armutskonferenz. (Website: www.armutskonferenz.at)
Quelle: kathpress