
Erzdiözese Salzburg: Wechsel in der Leitung des Seelsorgeamts
Im Seelsorgeamt der Erzdiözese Salzburg kommt es in diesem Sommer zu einem Leitungswechsel. Mit 1. August übernimmt Martin Seidler die Leitung des Seelsorgeamts. Er folgt Lucia Greiner nach, die die Leitung mit 31. Juli in den Ruhestand tritt, der Erzdiözese aber weiterhin als pastorale Mitarbeiterin erhalten bleibt. Greiner leitete das Seelsorgeamt seit 2017. Seidler war zuletzt Leiter des erzbischöflichen Büros und Sekretär von Erzbischof Franz Lackner. Im Interview mit dem Salzburger "Rupertusblatt" blickte Greiner auf ihre Amtszeit zurück und brach auch eine Lanze für Frauen in kirchlichen Führungspositionen.
Spannend finde sie etwa die Entwicklung beim Thema missionarische Pastoral, so Greiner im Interview. Vor zehn Jahren sei dieser Begriff noch sehr belastet gewesen, weil man ihn mit Übergriffigkeit oder Glaubensüberheblichkeit verbunden habe. In der Auseinandersetzung damit sei aber klar geworden, "dass es eigentlich um einen Grundvollzug kirchlichen Lebens geht". Heute wachse das Bewusstsein, "dass der Glaube nicht etwas ist, das man wie ein Paket weitergibt. Glaube ist lebendig. Er zeigt sich in Begegnungen und im Alltag". Aus dieser Neubewertung sei Spannendes entstanden.
Ein Beispiel dafür sei die Festivalseelsorge. Greiner: "Gerade war ein großes Team beim Electric Love Festival im Einsatz. Man hat anfangs unterschätzt, wie professionell solche Veranstaltungen organisiert sind. Mittlerweile gibt es Ausbildungen, eingespielte Teams und viele Erfahrungen. Man lernt durch das Ausprobieren." Wichtig dabei sei, was sie "Pastoral des Augenblicks" nennen würde, so Greiner: "Auf einem Festival, auf der Straße oder in der Krankenhausseelsorge hat man oft nur eine einzige Begegnung mit einem Menschen. Diese Chance muss man wahrnehmen. Das hat viel mit Aufmerksamkeit und Präsenz zu tun."
Gute Leitung in der Kirche
Gute Leitung in der Kirche bedeute für sie, Menschen dabei zu helfen, ihre Fähigkeiten zu entdecken und zu entfalten. Gleichzeitig geschehe Leitung nie im luftleeren Raum. Es gebe finanzielle, personelle und strukturelle Rahmenbedingungen, mit denen man verantwortungsvoll umgehen muss. Entscheidend sei, "Menschen an den Ort zu bringen, an dem sie ihre Begabungen bestmöglich einbringen können".
Die Frage, ob Frauen automatisch dialogischer führen als Männer, wollte Greiner nicht eindeutig beantworten: "Es gibt sehr kommunikative Männer und weniger kommunikative Frauen." Was aber eine Rolle spiele sei, dass Frauen oft über weniger Funktions- und Hausmacht verfügten. Deshalb seien sie stärker auf Netzwerke, Beteiligung und Partizipation angewiesen. "Wer viele Perspektiven einholt, nimmt mehr wahr und kann daraus neue Entwicklungen anstoßen", so Greiner. In diesem Sinn entstünden durch dialogisches Führen tatsächlich häufig frische pastorale Impulse.
Dass die österreichischen Diözesen sich schon vor längerem vorgenommen hatten, den Anteil von Frauen in Leitungsverantwortung auf zumindest ein Drittel zu erhöhen, hält Greiner als gemeinsames Entwicklungsziel für sinnvoll. Das bedeutet nicht, "dass beliebig besetzt wird, sondern dass man genauer hinschaut und Talente sichtbar macht". Oft würden einem bei bestimmten Aufgaben zuerst Männer einfallen. Wenn man bewusst weitersucht, entdecke man aber ebenso kompetente Frauen. "Genau dadurch entstehen Netzwerke, mehr Sichtbarkeit und mehr Erfahrung."
In dieser Hinsicht würdigte Greiner auch das neue Netzwerk "Frauen.Führen.Kirche", das Frauen in kirchlichen Führungspositionen in Österreich sichtbar machen und stärken will. Am Ende gelte auch in der Kirche: "Vielfältige Teams bringen bessere Lösungen hervor als homogene Teams." Das habe sie immer wieder erlebt.
Öffnung der Weiheämter für Frauen
Auf die Forderung nach der Öffnung der Weiheämter in der katholischen Kirche für Frauen angesprochen, meinte die scheidende Seelsorgeamtsleiterin: " Entscheidend ist für mich weniger die konkrete Form als die theologische Erkenntnis, dass Christus nicht durch sein Mannsein, sondern durch sein Menschsein repräsentiert wird."
Kultur und Evangelium dürften nicht gleichgesetzt werden. Vieles, was selbstverständlich erscheint, sei kulturell geprägt. Die entscheidende Frage sei: "Gestalten wir unsere Kultur evangeliumsgemäß? Von der Gleichheit aller Getauften ausgehend, wird sich diese Spannung früher oder später auch in den Ämtern niederschlagen. Wie die Lösung aussieht, weiß ich nicht - vielleicht anders, als wir heute denken."
Der Wandel und der Machtverlust der Kirche könnten jedenfalls neue Zugänge zum Evangelium ermöglichen. Greiner: "Im Mittelpunkt steht das Reich Gottes; die Kirche ist Werkzeug dafür. Je glaubwürdiger sie das lebt, desto attraktiver wird sie sein."
Greiner bleibt auch künftig der Erzdiözese Salzburg erhalten. Ab Herbst verstärkt die 1965 in Obernzell in Bayern Geborene den Pfarrverband Tennengau Mitte. Es ei ihr wichtig, so Greiner, "einen Ort zu finden, an dem pastorale Arbeit unmittelbar geschieht". Deshalb habe sie die Pfarrebene besonders angesprochen. "Dort kann ich Erfahrungen einbringen und noch einmal neue Perspektiven gewinnen."
Quelle: kathpress