
Priester Jacques Hamel vor zehn Jahren von Islamisten ermordet
Wie selbstverständlich hatte der junge Islamist Adel Kermiche aus dem Arbeiterort Saint-Étienne-du-Rouvray bei Rouen in der Normandie seine Tat in den Sozialen Netzwerken angekündigt. "Du nimmst ein Messer, gehst in eine Kirche, du schlachtest jemanden, trennst zwei oder drei Köpfe ab - fertig!"
Zwar war er einschlägig polizeibekannt und trug eine elektronische Fußfessel. Und doch konnte er völlig ungehindert am Morgen des 26. Juli 2016, vor zehn Jahren, in die Pfarrkirche des Ortes spazieren und den 85 Jahre alten Geistlichen Jacques Hamel am Altar niederstechen und töten. Mit einem Küchenmesser, wie man es zum Gemüseschälen benutzt.
Seinen gleichaltrigen Mittäter Abdel Malik Petitjean hatte er erst vier Tage zuvor kennengelernt. Die beiden hatten sich über das Internet radikalisiert; die Moschee besuchten sie eher selten. Die Zeitschrift "La Vie" berichtete 2021, die Mutter eines der Täter habe die Polizei noch warnen wollen - doch man habe sie nicht ernstgenommen.
Die Chat-Protokolle der Täter mit dem 2017 wohl getöteten französischstämmigen Dschihadisten Rachid Kassim belegten zudem, dass sich die jungen Männer nicht selbst radikalisiert hätten; das Attentat sei gezielt von Syrien aus geplant worden. Demnach diskutierten die beiden mit Kassim das Ziel des Anschlags; auch eine Synagoge oder einen Nachtclub habe man erwogen. Am Ende entschied man sich für eine Kirche.
Die Bluttat war komplett improvisiert, offenbar mit einem bloßen Blick auf den Gottesdienstplan des Ortes. Einer der nur fünf Messbesucher, Guy Coponet, hatte an dem Tag Geburtstag, wurde 87. Zusammen mit seiner Frau Janine träumte er davon, 2018 gemeinsam ihren 65. Hochzeitstag zu feiern. Die Attentäter zwangen ihn, mit einer Handkamera zu filmen, was nun folgte:
Die beiden Muslime reißen alles herunter, was auf dem Altar steht, halten eine Art Kampfpredigt. Der Priester, Jacques Hamel, will sie beruhigen - doch er weigert sich, vor ihnen niederzuknien. Mit zwei Messerstichen beenden sie sein Leben. Dann ist der zweite Mann an der Reihe, Guy Coponet. Sie stechen ihn in Arm, Hals und Rücken. Stark blutend sackt er zusammen, vor den Augen seiner entsetzten Ehefrau.
Tat sorgte international für Entsetzen
Todgeweiht, überlebt er doch, lebt bis heute, wird am zehnten Jahrestag der Tat 97; auch weil einer Ordensfrau die Flucht aus der Kirche gelingt und sie ein Einsatzkommando verständigt. Unterdessen beginnt einer der Islamisten mit den traumatisierten Frauen ein gespenstisches Gespräch über Gott und über ihren Glauben. Als die Polizei eintrifft, gehen die beiden jungen Attentäter hinaus. Sie rufen "Allahu akbar" und werden erschossen.
Die Tat sorgte international für Entsetzen. Seither leben die Katholiken und die Bevölkerung von Saint-Étienne-du-Rouvray mit der Erinnerung an die Tragödie. Viel Solidarität kam von der muslimischen Gemeinschaft in dem 28.000-Einwohner-Arbeiterort. Die interreligiösen Kontakte waren stets gut. In dem kleinen Presbyterium neben dem Gemeindehaus ist seit dem 26. Juli 2016 alles so geblieben, wie es war, als Jacques Hamel hinüber zur Kirche ging, um die Messe zu feiern - ohne zu wissen, dass er eine Verabredung mit dem Tod hatte.
Sein ganzes Leben verbrachte der einfache Gemeindepriester als Diener der einfachen Leute an den Rändern von Rouen. Er trug abgestoßene, einfache Kleidung, mokierte sich schon in den 1960er Jahren über seinen Bischof, der mit einem zu dicken Wagen vorfuhr.
Ein "Märtyrer des 21. Jahrhunderts"
Der 2025 gestorbene Papst Franziskus bezeichnete Hamel als einen "Märtyrer des 21. Jahrhunderts" - und gab vorzeitig Grünes Licht für sein Seligsprechungsverfahren. Seit April 2019 ist der Prozess auf Diözesanebene abgeschlossen. Das in der Erzdiözese Rouen erstellte Dossier liegt seither in Rom. In einer zweiten Stufe erstellt dort die zuständige Vatikanbehörde einen Bericht für den Papst, inzwischen Leo XIV., der am Ende entscheiden wird.
Im März 2022 verurteilte ein Pariser Sondergericht drei Angeklagte in dem Mordfall zu Haftstrafen zwischen 8 und 13 Jahren. Der mutmaßliche Anstifter, Rachid Kassim, wurde in Abwesenheit zu lebenslanger Haft verurteilt; er gilt aber seit 2017 als tot. In dem Prozess trat Rouens Erzbischof Dominique Lebrun als Zivilkläger auf, ebenso Mitglieder der Familien von Hamel und Coponet. Guy Coponet sagte damals, 2022, dem Magazin "Pèlerin", vergeben habe er den Tätern schon lange - "sonst hätte der Hass gesiegt".
Quelle: kathpress