
Ukrainischer Bischof: "Die Hoffnung kann man nicht zerstören"
Der ukrainisch-katholische Bischof von Donezk, Maksym Ryabukha, hat bei einem Besuch in Innsbruck eindringlich die Lage der Menschen in den vom Krieg betroffenen Gebieten der Ostukraine geschildert. Trotz täglicher Luftangriffe, zerstörter Ortschaften und großer Verluste sei die Hoffnung der Menschen ungebrochen, sagte der seit 2024 amtierende Exarch der Ukrainischen Griechisch-Katholischen Kirche im Interview mit der Diözese Innsbruck: "Die Hoffnung kann man nicht zerstören."
Ryabukha feierte am Donnerstag gemeinsam mit der ukrainischen Gemeinde in Tirol eine Göttliche Liturgie in der Innsbrucker Spitalskirche. Dabei wurde der Opfer des Krieges gedacht. Der Innsbrucker Bischof Hermann Glettler sicherte den in Tirol lebenden Ukrainerinnen und Ukrainern die weitere Unterstützung der Diözese zu.
In seiner Diözese gehörten Luftalarme zum Alltag. "Jeden Abend, wenn die Menschen schlafen gehen, machen sie das mit dem Gedanken, diese Nacht könnte ihre letzte sein", so der ukrainische Bischof. Dennoch erlebe er große Solidarität: Menschen engagierten sich unabhängig von Herkunft oder Konfession füreinander, in Gebeten ebenso wie in sozialen Diensten. Gerade dieses Miteinander gebe vielen Kraft. Maksym Ryabukha, geboren 1980 in Lwiw und Mitglied des Salesianerorden, leitet seit 2024 das Exarchat Donezk der Ukrainischen Griechisch-Katholischen Kirche.
"Die Menschen verbinden sich in den gemeinsamen Gebeten, in den sozialen Diensten - unabhängig von ihrer Abstammung und Herkunft." Jeder verstehe, dass er als einzelner zwar das Böse nicht stoppen, aber zugleich das Gute tun könne. "Heutzutage haben wir viele ältere Menschen, aber auch jüngere und Kinder, die bereit sind, in unseren Gemeinden andere zu unterstützen. Wenn wir das alles beobachten, können wir sagen, die Hoffnung kann man nicht zerstören", so der Bischof.
Pfarren an der Front
Ryabukha berichtete u.a. über jene Pfarren, die an der Front liegen. Die Priester wollten auch diese Pfarren nicht verlassen. Einer habe ihm gesagt: "Ich bin zum Priester geweiht worden, für diese Menschen. Sie haben niemanden sonst, zu dem sie gehen können." Ein anderer habe ihm von Gläubigen berichtet, die sagen: "Wenn Sie Herr Pfarrer gehen, dann haben wir niemanden mehr. Dann haben wir das Gefühl, dass Gott uns verlassen hat."
Es gebe aber auch Pfarren, die nicht mehr existieren, so Ryabukha: "Es gibt Orte, an denen kein Ziegel mehr auf dem anderen liegt - alles ist zerstört. Für die Menschen, die ihre Wohnungen verlassen mussten, sind die Priester oft die einzige Erinnerung an ihre Heimat, ihr eigenes Haus."
Nicht vergessen
Als größte Bedrohung bezeichnete der Bischof nicht die Waffen, sondern das Gefühl, vergessen zu werden. Die internationale Solidarität habe den Menschen seit Beginn der russischen Invasion Mut gemacht und vielfach Leben gerettet. Die Unterstützung aus dem Ausland vermittle den Betroffenen, mit ihrem Schicksal nicht allein zu sein. "Das Gefühl, dass du alleine bist, dass du keine Hilfe bekommen kannst, zerstört den Menschen im Inneren. Das Böse, das uns gegenüber steht, ist viel größer als wir. Aber die Offenheit und Bereitschaft, dass man uns beisteht, gibt uns die Hoffnung, dass es vorüber geht."
Die ersten Wochen der russischen Invasion habe er in Kiew erlebt: "Die Hauptstadt und die Dörfer in der Nähe waren wie paralysiert. Die humanitäre Hilfe, die zu uns kam, hat uns das Gefühlt gegeben, die Menschen, auch die, die uns nicht kennen, sind uns nah. Vielen Menschen hat die Hilfe - auch im Ausland, wo sie aufgenommen wurden - das Leben gerettet." In der Dunkelheit des Krieges sei die Solidarität unter den Menschen "das Zeichen, dass wir das Böse besiegen können"."
Quelle: kathpress