
Katholische Jungschar ortet Schieflage bei Bildungsgerechtigkeit
Die Katholische Jungschar ortet eine Schieflage in Fragen der Bildungsgerechtigkeit in Österreich. Hier habe Österreich deutlichen Aufholbedarf, sagte die Jungschar-Bundesvorsitzende Veronika Schippani-Stockinger in einer neuen Folge des ksoe-Podcasts "Der Sozialkompass". "In der Theorie hat jedes Kind in Österreich denselben Zugang zu Bildungsangeboten; in der Praxis sehen wir, dass das so nicht ist", so Schippani-Stockinger. Gerade in Bezug auf den sozioökonomischen Hintergrund der Herkunftsfamilien ließen sich ganz starke Unterschiede verzeichnen. Auch ein Stadt-Land-Gefälle und damit der unterschiedliche Zugang zu Schulen spielten eine große Rolle für den Bildungsweg.
In der Katholischen Jungschar ist Schippani-Stockinger für den Bildungsbereich zuständig, in ihrem Hauptberuf Pädagogin an einer Wiener HTL. Die Aufgabe der Katholischen Jungschar sieht sie auch darin, den Finger in die Wunde zu legen und zu zeigen, wo es im Bildungssystem Lücken gibt.
Bildung bedeute in der Jungschar vor allem "Herzensbildung und ganzheitliche Begleitung der Kinder in ihrer gesellschaftlichen und persönlichen Entfaltung". Das bedeute auch, die gewachsenen Ansprüche an Kinder in der Schule sowie den sich immer stärker auswirkenden Leistungsdruck kritisch zu reflektieren. "Wir versuchen ganz bewusst einen Kontrapunkt zu setzen zu einer konkurrenzgetriebenen Leistungsgesellschaft, indem wir die Kooperation in den Mittelpunkt stellen, weil wir glauben, dass das das Vorbild ist, das wir aus dem Evangelium leben können", so Schippani-Stockinger.
Ehrenamt muss leistbar bleiben
Die Katholische Jungschar ist einer der größten Anbieter von Kinderbildungsangeboten in Österreich. Rund 100.000 Kinder nehmen regelmäßig an Jungschargruppen teil - sie verbringen dort ihre Freizeit, engagieren sich, erleben Gemeinschaft, Wertebildung und Glauben. Um den Fortbestand der Gruppen zu sichern, brauche es entsprechende Rahmenbedingungen: Das Ehrenamt müsse "leistbar" bleiben.
Das gelte nicht nur für Eltern, die Angebote in Anspruch nehmen, sondern eben auch für Gruppenleiterinnen und Gruppenleiter, die in der Jungschar ehrenamtlich tätig sind: "Die Idee, Kindern eine günstige, sinnvolle Ferienbeschäftigung anzubieten, indem sie auf Jungscharlager oder Ministrantenlager fahren, ist großartig. Nur - wenn wir niemanden mehr haben, der da als Begleitperson mitfahren kann, dann bleibt das alles graue Theorie."
(Das vollständige Gespräch mit Veronika Schippani-Stockinger ist auf allen gängigen Podcast-Plattformen sowie auf www.ksoe.at/podcast nachzuhören)
Quelle: kathpress