Flucht & Asyl: Schulterschluss der kirchlichen Laienorganisationen
Flucht und Integration sind gemeinsame Herausforderungen in Europa und die kirchlichen Laienorganisationen in Deutschland und Österreich antworten darauf mit verstärkter Zusammenarbeit. Das ist das Ergebnis eines Spitzengesprächs der Präsidentin der Katholischen Aktion Österreich (KAÖ), Gerda Schaffelhofer, mit dem Präsidenten des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Thomas Sternberg, der zu diesem Zweck am Donnerstag nach Wien gekommen war. Konkret vereinbarten KAÖ und ZdK eine gemeinsame Konferenz zu Flucht und Integration, die im Herbst unter dem Motto "Ich war fremd und ihr habt mich aufgenommen" in Kärnten stattfinden wird.
Es gebe derzeit "europaweit viele Initiativen von christlichen Laien, die sich im Geist des Evangeliums in beeindruckender Weise in der Aufnahme und Integration von Flüchtlingen engagieren. Diese vielen Christen wollen wir ermutigen und ihnen die Möglichkeit geben, sich auszutauschen und zu vernetzen", erklärten Sternberg und Schaffelhofer zu den Zielen der Tagung. Weiter sollen Möglichkeiten der Unterstützung von Flüchtlingen und Vertriebenen in Syrien und den angrenzenden Staaten im Nahen Osten vorgestellt werden.
Das Treffen in Wien war gleichzeitig Startschuss für die Vorbereitung der Konferenz, zu der Fachleute und in der Flüchtlingsarbeit Engagierte aus ganz Europa und aus den Herkunftsländern eingeladen werden. Teil der Tagung werde auch eine Fahrt an eine Grenzstation sein. "Unabhängig von der politischen, gesellschaftlichen und auch kirchlichen Stimmung, die in den einzelnen europäischen Ländern unterschiedlich ausgeprägt sind, bleibt es unser Auftrag vom Evangelium her, jenen zu helfen, die vor Krieg und Verfolgung fliehen. Neben der Aufnahme braucht es dafür viele gezielte Maßnahmen zur Integration. Dazu müssen wir uns auch europäisch und international mehr als bisher zusammentun, gegenseitig verstehen und unterstützen", erklärten Sternberg und Schaffelhofer nach dem ersten Treffen dieser Art.
Kritik an Abschottungspolitik
Hilfe für Menschen in Not und auf der Flucht gehöre zur "Substanz des Christlichen", unterstrich Sternberg im Interview mit "Kathpress". "Als dienende und hörende Kirche sind wir gefragt", diese programmatische Aussage nach seiner Wahl zum ZdK-Präsidenten im vergangenen November erweise sich jetzt im christlichen Engagement für Flüchtlinge. Im Blick auf den Umgang mit der Flüchtlingssituation seien "Gesinnungsethik und Verantwortungsethik nicht auseinanderzudividieren", so Sternberg, der gleichzeitig die Abschottungspolitik in der Flüchtlingsfrage kritisierte und sagte: "Grenzen zu schließen und Zahlen festzulegen ist weder verantwortungsethisch noch gesinnungsethisch".
Sternberg warnte zudem vor Verkürzungen in der politischen Debatte: "Wir schaffen das", diese Aussage von Angela Merkel werde gerne isoliert zitiert ohne gleichzeitig zu sehen, dass die deutsche Bundeskanzlerin viele gesetzliche Begleitmaßnahmen hinsichtlich Asyl und Integration gesetzt habe. Irritierend seien auch die kritischen Töne aus der bayerischen CSU gegenüber der Kanzlerin, zumal in Deutschland gerade "Bayern die beste Flüchtlingsarbeit macht", so Sternberg der seit 2005 für die CDU im Landtag von Nordrhein-Westfalen ist.
Quelle: Kathpress