
Ausgrenzung von Roma und Sinti überwinden
Roma und Sinti müssten in der Gesellschaft wie auch in der Kirche noch viel stärker eine Stimme erhalten. Immer noch bestehende Ausgrenzungen müssten überwunden werden. Das hat der Wiener Weihbischof Franz Scharl, seit kurzem in der Österreichischen Bischofskonferenz für Roma und Sinti zuständig, in einem "Kathpress"-Gespräch betont. Scharl reiste am Montagabend von Wien aus nach Polen, wo am Dienstag und Mittwoch an vier Gedenkstätten der vor 75 Jahren von den Nationalsozialisten verschleppten und in der Folge ermordeten österreichischen Roma und Sinti gedacht wird. "Es geht darum, mit diesem Gedenken den Ermordeten ihre Menschenwürde zurückzugeben", so Scharl wörtlich.
Neben Weihbischof Scharl werden an den Gedenkveranstaltungen in Polen aus Österreich u.a. auch der Präsident des burgenländischen Landtags, Christian Illedits, die Präsidentin des Landtags Steiermark, Bettina Vollath, und der Obmann des Kulturvereins Österreichischer Roma, Christian Klippl, teilnehmen.
Den Beginn macht das Gedenken am Dienstag, 2. August, im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau, wie die österreichische Botschaft in Warschau mitteilte. Die österreichischen Vertreter nehmen dort gemeinsam mit Roma aus aller Welt am jährlichen Roma-Gedenken teil. Das Datum erinnert an die Liquidierung des "Zigeuner(familien)lagers" in Birkenau am 2./3. August 1944, wo auch mehrere Hundert österreichische Roma ermordet wurden.
Am Abend des 2. August wird in Lodz der Verschleppung der über 5.000 burgenländischen und steirischen Roma und Sinti an der österreichischen Roma-Gedenkstätte des ehemaligen "Zigeunerlagers" am Rand des ehemaligen Gettos "Litzmannstadt" gedacht. An dieser Feier werden auch polnische Roma aus der Region sowie Vertretern der katholischen und evangelischen Kirche, der jüdischen Gemeinde und der Politik teilnehmen. Zuvor werden die österreichischen Delegierten den jüdischen Friedhof in Lodz besuchen, wo viele der hier umgekommenen Roma beerdigt wurden; eine Gedenktafel erinnert seit fünf Jahren daran. Drei Polen, welche sich um die Romagedenkstätte in Lodz besondere Verdienste erworben haben, werden mit burgenländischen Ehrenzeichen ausgezeichnet werden.
"... als ganze Familien in den Himmel gezogen"
Am Mittwoch, 3. August, findet am Rande des Roma-Massengrabs im Wald bei Chemno nad Nerem im Rahmen einer großen Gedenkfeier mit polnischen Roma aus dem ganzen Land und polnischer politischer Prominenz die Enthüllung eines Gedenksteins zur Erinnerung an die ermordeten österreichischen Roma statt. Die Segnung des Gedenksteins wird Weihbischof Scharl gemeinsam mit dem polnischen Weihbischof Damian Bryl durchführen.
Die Errichtung des Gedenksteins war maßgeblich vom heuer verstorbenen Obmann des Kulturvereins österreichischer Roma, Prof. Rudolf Sarközi, unterstützt worden. Abschließend wird von je einem österreichischen und polnischen Rom-Jugendlichen einen gemeinsame "Appell der Jugend an die Welt" verlesen werden.
Die Inschrift auf dem Gedenkstein lautet: "Gewidmet allen, die als ganze Familien in den Himmel gezogen sind ... - Zum Gedenken an etwa 4.300 Roma und Sinti aus Österreich, die im Jänner 1942 aus dem Ghetto Litzmannstadt in das Vernichtungslager Kulmhof verschleppt und dann im selben Monat von den deutschen Besatzern ermordet wurden. Ihre Schreie und Leiden nahm der Erdboden auf, der die Asche tausender Opfer verbirgt. Wir werden Euch nie vergessen!" Die Roma wurden in Kulmhof in sogenannten "Gaswagen"ermordet; mittelgroße LKW, in welche Auspuffgase geleitet wurden.
Der österreichische Botschafter in Polen, Thomas M. Buchsbaum, sagte im Vorfeld des Gedenkens: "Es hat 75 Jahre gedauert, dass die tausenden verschleppten österreichischen Roma und Sinti an ihrer Ermordungs- und Begräbnisstätte eine dauerhafte Erwähnung finden." Angesichts auch heutiger Intoleranz und Ausgrenzung von Minderheiten sowie Hassreden sollte dieser Gedenkstein auch ein Auftrag sein, "Roma und anderen Minderheiten einen rechtlich wie tatsächlich ebenbürtigen Platz und gleiche Chancen in unserer Gesellschaft einzuräumen und sich jeglicher anderer Entwicklungen laut zu widersetzen".
Quelle: kathpress