
Jugend Eine Welt: Scheitern des G7-Gipfels fatal für Südsudan
Als "komplettes Versagen von Vernunft und Menschlichkeit" bezeichnet das Hilfswerk "Jugend Eine Welt" das Scheitern des G7-Gipfels in Bezug auf die Bekämpfung der Hungerkrise in Ostafrika. In Taormina habe man sich weder auf Finanzhilfen noch auf diplomatische Offensiven zur Eindämmung des Bürgerkrieges in Südsudan geeinigt. Dort seien jedoch derzeit über 5,5 Millionen Menschen auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen und der Hungertod drohe.
Zu dessen Abwendung sei Solidarität der Zivilgesellschaft "noch nie so wichtig wie in diesen Tagen" gewesen, befand "Jugend Eine Welt"-Geschäftsführer Reinhard Heiserer in einem Spendenaufruf vom Dienstag. Er appellierte zugleich an die Bundesregierung zu zusätzlichen Hilfsmitteln für Hungerhilfe und zu stärkerem politischen Engagement in Ostafrika.
Projektpartner vor Ort sehen momentan die Errichtung einer internationalen Luftbrücke als Gebot der Stunde: "Wir brauchen dringend Nahrung, Wasser und Saatgut, wir brauchen Flugzeuge!", so die im südsudanesischen Gumbo tätige Bosco Schwester Ruth Mora. Der Transport von Hilfsgütern sei auf dem Landweg immer schwerer möglich, zumal die nun stattfindende Regenzeit die Straßen zunehmend unpassierbar mache und auch die Gefahr der Cholera steige.
In Gumbo stranden viele Flüchtlinge aus Hungergebieten, erklärte die Ordensfrau, deren von "Jugend Eine Welt" unterstütztes Projekt an mehreren Standorten tausende Kinder und Notleidende mit Nahrungsmitteln, Wasser und medizinischer Hilfe versorgt und auch Bildungszentren sowie landwirtschaftliche Programme anbietet. Die Flüchtlinge kämen mit leeren Händen und immer mehr Menschen seien völlig von Nahrungsmittelhilfe abhängig. "Keiner kann sich den Kauf von Essen leisten, weil die Inflation so hoch ist. Nicht einmal in den überfüllten Lagern gibt es genug zu essen und genügend Wasser", berichtete Sr. Mora.
Stirbt auch in Lagern immerhin niemand an Hunger, sind außerhalb zahlreiche Menschen in Lebensgefahr. Die Don Bosco Schwestern versorgen deshalb derzeit Flüchtlinge und Notleidende außerhalb der Camps mit Spezialnahrung, die u.a. besonders nahrhaftes Pulver des Moringa-Baumes enthält, der in Gumbo angebaut wird. Im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen unterernährte Kleinkinder: "In zwei Tagen haben wir 300 Kinder im Alter zwischen drei und sechs Jahren abgewogen. 200 von ihnen waren unterernährt, 170 nahe am Verhungern", schilderte Sr. Mora.
Die Situation in Gumbo sei momentan ruhig, während jedoch in anderen Landesteilen die Gewalt eskaliert, darunter auch nahe von Don-Bosco-Standorten wie etwa Wau. Der Salesianerorden habe sich entschieden, trotz der schweren Zeiten und der Gefahr die Region nicht zu verlassen - "um die Hoffnung der Menschen zu stärken und sie dabei zu unterstützen, besser zusammenzuleben", wie Sr. Ruth Mora darlegte. Bildung sei ein wichtiger Beitrag für den Frieden, weshalb die ordenseigenen Schulen besonders um die Integration aller ethnischen Gruppen bemüht seien.
("Jugend Eine Welt"-Spendenkonto: IBAN: AT66 3600 0000 0002 4000, SWIFT/BIC: RZTIAT22, Kennwort: Hungerhilfe, oder online auf www.jugendeinewelt.at)
Quelle: kathpress