
Bischöfe gedenken des Opus-Dei-Gründers Escriva
Der heilige Josefmaria Escriva hat anderen Menschen "Mut zur Heiligkeit" gemacht und aus einer "geistlichen Apathie" aufgerüttelt: Das der Linzer Diözesanbischof Manfred Scheuer mit Worten Kardinal Josef Ratzingers anlässlich der Gedenkmesse zum Fest des Gründers des Opus Dei am 26. Juni in der Linzer Spitalskirche dargelegt. Escriva habe "seine Taufberufung radikal gelebt" und zur Kontemplation mitten in Beruf und Alltag aufgerufen. Er stehe damit "in der großen spirituellen Tradition der Kirche", so der Linzer Bischof.
Das Zweite Vatikanische Konzil lehre, dass jeder Getaufte zu Heiligkeit berufen ist, was aber noch "wenig im kirchlichen Allgemeinbewusstsein rezipiert" wurde, stellte Scheuer fest. Als frommer Wunsch werde es abgetan, das Evangelium "in die Wirtschaft, die Kultur und die Wissenschaft einzupflanzen", zudem sei auch das Verständnis für "Berufung und Gnade" oftmals "unbeholfen". Ziel der Evangelisierung der Gesellschaft sei jedoch eine Kultur des Lebens und eine Zivilisation der Liebe, so der Bischof. Christen seien dazu aufgerufen, Verantwortung in der Welt zu übernehmen - in ihrem jeweiligen Alltag, jedoch auch in der Politik.
Krautwaschl: Gott ins Spiel bringen
Auch im Grazer Dom feierte man am Montagabend einen Festgottesdienst für den "Heiligen des Alltags", wie Escriva von Bischof Wilhelm Krautwaschl bezeichnet wurde. Alltag und Alltägliches könnten Orte der Gottesbegegnung werden, was tief in der Spiritualität des Opus Dei verankert sei. Der "Einsatz mitten in der und für die Welt" sei "nicht lästiger Auftrag zum Broterwerb, sondern der genuine Ort der Heiligung", sagte Krautwaschl. Die Worte Escrivas "die Arbeit heiligen, sich in der Arbeit heiligen, durch die Arbeit heiligen" sei "ein spannender Weg, um Gott ins Spiel zu bringen, nicht als zusätzliches Deutungsmuster, sondern als Grund, aus dem wir leben, und der auch Motiv all unseres Denkens, Redens und Handelns ist".
Küng: Neuen Aufbruch gebracht
Escrivas "tiefes Bewusstsein, Kind Gottes zu sein", sei die "Kraftquelle" des Heiligen gewesen und habe die Spiritualität des Opus Dei bestimmt, sagte der St. Pöltner Bischof Klaus Küng, der selbst der Personalprälatur angehört und einst auch deren österreichischer Regionalvikar war. Auch Escrivas große Liebe zur heiligen Messe und zum Beichtsakrament, in dem "Gott vergibt und uns hilft", seien prägend gewesen. Der Heilige aus Spanien habe zu einem "neuen missionarischen Aufbruch aufgerufen, der alle angeht". Die "gut verrichte Arbeit" sei dabei "wie das Licht auf dem Leuchter", das auch in einem völlig säkularen Umfeld wirksam sei, so Bischof Küng in seiner Predigt.
Auch in anderen Gottesdiensten in Österreich wurde des heiligen Josefmaria Escriva gedacht. In der Wiener Peterskirche sprach der amtierende Opus-Dei-Regionalvikar Robert Weber von einer "neuen Etappe" für die Gruppierung. Seit Jänner 2017 stünde mit Fernando Ocáriz erstmals ein Prälat an der Spitze des Opus Dei, der nicht mehr Seite an Seite mit dem heiligen Josefmaria gelebt habe. Nun gehe es darum, die Spiritualität des Opus Dei in der Gegenwart zu leben, in Treue und "jugendlicher Frische". Im Kern heiße das: "Menschen in unseren Familien, an unserer Arbeitsstätte, in unserem Freundeskreis zu Christus zu führen, ja sie für ihn zu begeistern", so Weber.
Das Opus Dei in Österreich
Josemaria Escriva (1902-1975) war ein spanischer Priester, der das Opus Dei 1928 gründete. 2002 wurde er von Papst Johannes Paul II. heiliggesprochen. Sein "Werk" ist als Personalprälatur der katholischen Kirche in derzeit 67 Ländern tätig und hat laut eigenen Angaben 92.600 Mitglieder. Rund 70 Prozent von ihnen sind verheiratet, 30 Prozent leben als zölibatäre Laien, während zwei Prozent Priester sind. Wichtigstes Anliegen der Seelsorgeeinrichtung ist es, durch geistliche Bildung einen Weg aufzuzeigen, um im Alltag "ein frohes Christsein in lebendiger und persönlicher Beziehung zu Gott zu leben".
In Österreich ist das Opus Dei seit 1957 aktiv. Es hat rund 400 Mitglieder, davon sind 20 Priester. Derzeit untersteht dem Regionalvikar für Österreich auch die pastorale Arbeit in Ungarn und Rumänien. In Wien, Niederösterreich, Linz, Graz, Salzburg, Innsbruck und Dornbirn sowie Budapest und Bukarest gibt es vom Opus Dei betreute Bildungseinrichtungen für Berufstätige, Jugendliche und Familien. (Info: www.opusdei.at)
Quelle: kathpress