
Krätzl: Bischöfe müssen Maß nehmen am "Bild des Hirten"
Die Kirche selbst und vor allem die Bischöfe haben für ihren Dienst Maß zu nehmen am "Bild des Hirten und nicht eines feudalen Königs". Das betonte Weihbischof Helmut Krätzl im Wiener Stephansdom am Sonntag beim Hochamt zum Christkönigsfest. Die Lesung aus dem Buch des Propheten Ezechiel mache deutlich, dass es um kein "feudales Königsbild" geht, sondern um "einen Hirten, der sich mit aller Sorge um seine Herde kümmert", sagte Krätzl, der vor genau 40 Jahren - am Christkönigsfest des Jahres 1977 - gemeinsam mit Florian Kuntner von Kardinal Franz König zum Bischof geweiht worden war, in seiner mit stürmischem Applaus bedankten Predigt.
Papst Franziskus trage Bischöfen und Priestern auf, hinauszugehen bis an "die existenziellen Grenzen der Menschen" und die Verlorenen zu suchen, stellte der Weihbischof fest und nahm auf die Kirchenaustritte Bezug: "Wir müssen die Ausgetretenen fragen: Warum? Vielleicht, weil sie in der Kirche keine Antwort auf ihre existenziellen Probleme fanden und daher eine andere Weide suchten. Vielleicht, weil sie eine Kirche erlebten, die mehr Moral forderte als ihnen in der Not neue Wege öffnete." Diese "Verlorengegangenen" drängten die Kirche, die Art der Verkündigung neu zu überdenken und neue Akzente der Pastoral zu setzen, so Krätzl.
In Predigt und Verkündigung gehe es nicht so sehr um Mahnungen und Gebote, sondern um die "immer größer werdende Nähe zu Gott", so der Wiener Weihbischof. Diese Nähe solle auch in der Feier der Sakramente zum Ausdruck kommen. Die Kommunion sei "kein Lohn für Wohlverhalten", sondern "Kraftquelle in vielfacher Bedrängnis", betonte Krätzl mit Blick auf die Frage der wiederverheirateten Geschiedenen.
Zur Hirtenaufgabe nach dem Bild des Ezechiel gehöre es aber auch, "die Starken zu behüten", stellte Krätzl fest. Er denke dabei gerade an jene, die neue Wege suchen und denen "bewusst geworden ist, Mitverantwortung in der Kirche zu tragen". Unter ihnen seien auch jene, die ungeduldig geworden sind, wenn sich die Kirche zu wenig erneuert und die "mit Kritik nicht sparen". Hier dürfe man nicht voreilig verurteilen oder das Gespräch verweigern. Vielmehr gehe es um den Dialog, der "einander näher bringt".
Einsatz gegen Not ist Antwort auf Liebe Jesu
Die Gerichtsrede im Matthäus-Evangelium, die am Sonntag in den Gottesdiensten verlesen wurde ("Denn ich war hungrig und ihr habt mir zu essen gegeben...") deutete der Wiener Weihbischof als Auftrag zum "klaren politischen Einsatz in einer Welt voll Armut, Terror, Flucht und Heimatlosigkeit". Es gehe nicht um einen parteipolitischen Einsatz, sondern um die Würde des Menschen. Der Geist Jesu Christi wachse nur dort, "wo seine Liebe und sein Einsatz für den Nächsten radikal versucht wird", so der Bischof.
Konzelebranten Krätzls beim Festgottesdienst im Stephansdom waren u.a. der Gurker Diözesanbischof Alois Schwarz, der Linzer emeritierte Bischof Maximilian Aichern und der Wiener Weihbischof Franz Scharl.
Quelle: Kathpress