
Uni Graz startet Vorlesungsreihe über "gutes digitales Leben"
Um die Herausforderungen, welche die digitalen Zukunftstechnologien an Ethik und Religion stellen, geht es bei der öffentlichen Vorlesungsreihe "Religion am Donnerstag" der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Graz im gerade begonnenen Wintersemester 2020/21. Experten aus Theologie, Philosophie und Technik hinterfragen dabei die Wege und Ziele des weltweiten Wandels und entwerfen Perspektiven auf eine "menschengerechte Gestaltung" der digitalen Transformation, heißt es im Einladungstext zur Reihe mit dem Titel "Vom guten (digitalen) Leben". Denn: "Der Diskurs über ein tragfähiges Wertesystem für das digitale Zeitalter hat gerade erst begonnen".
Die Vorlesungsreihe sucht Antworten auf Fragen, wie "Wie beeinflussen die rasanten Veränderungen die Gesellschaft?", "Wie mit den neuen Herausforderungen und Unsicherheiten umgehen?" und "Wie viel Digitalisierung und Technisierung vertragen der Mensch und seine Umwelt?". Angesichts von Entwicklungen wie Big Data, E-Learning, zunehmender Automatisierung in der Arbeitswelt, wachsender digitaler Fußabdrücke in sozialen Netzen oder auch dem realen Szenario lückenloser Überwachung gebe es Klärungsbedarf, so die Veranstalter im Vorfeld von "Religion am Donnerstag".
Zum Auftakt sind am Donnerstag, 15. Oktober, gleich drei Kurzreferate vorgesehen: Die Vizerektorin für Digitalisierung der Universität Graz, Petra Schaper-Rinkel, spricht zunächst über "fünf Thesen, wie wir in der digitalen Zukunft zum guten Leben für allen kommen, und was die unbedingte Universalität dazu beiträgt". Der Fundamentaltheologe Christian Wessely wird die massiven Einschränkungen zur Sprache bringen, welche die Digitalisierung trotz aller Vorteile mit sich bringt, ehe der Sozialethiker Thomas Gremsl in einem dritten Vortrag nach den Leuchttürmen für den Menschen angesichts von "digitaler Datenflut" sucht.
An den weiteren "Religion am Donnerstag"-Vorlesungen referieren u.a. der Leiter des Instituts für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Armin Grunwald, die Grazer Religionswissenschaftler Theresia Heimerl und Franz Winter, die Philosophen Herbert Hrachovec (Wien), Peter Strasser und Hans-Walter Ruckenbauer, die Pädagogin Kathrin Marie Otrel-Cass sowie die Ethikerin Martina Schmidhuber (alle Graz). Die dabei behandelten Themen reichen von einer Gegenüberstellung der omnipräsenten elektronischen Datenerfassung mit dem der Allgegenwart Gottes über den Einsatz künstlicher Intelligenz im Bildungssystem bis hin zu "Virtual religions" und "digitalen Erlösungsfantasien" des 21. Jahrhunderts.
Die Donnerstags-Vorlesungen finden jeweils um 17 Uhr im Grazer Universitätszentrums Theologie im Hörsaal Jan Sobrino statt, wobei die Anzahl der zugelassenen Zuhörer je nach aktueller Corona-Ampel begrenzt ist (Anmeldung am jeweiligen Veranstaltungstag bis 12 Uhr unter renate.zmuck@uni-graz.at). Die Teilnahme über Livestream ist unter https://theol.uni-graz-at/de/fakultaet/ueber-die-fakultaet/religion-am-donnerstag möglich.
Quelle: kathpress