
Bischof Scheuer beklagt "zynische Verhöhnung des universalen Rechts"
Die Welt erlebte derzeit eine "zynische Verhöhnung des universalen Rechts", beklagte Bischof Manfred Scheuer zu Dreikönig. "Internationale Politik verkommt zu einer Strategie der wirtschaftlichen Macht und der ideologischen Interessen und Lobbys", kritisierte er bei der Festmesse am Hochfest "Erscheinung des Herrn" (Epiphanie) im Linzer Mariendom.
Beim europäischen Grundrechtekonvent vor 25 Jahren zur Erarbeitung der Grundrechtecharta habe es Streit darüber gegeben, ob ein kausaler Bezug zwischen der Religion und den "unteilbaren und universellen Werten der Würde des Menschen, der Freiheit, der Gleichheit und der Solidarität" formuliert werden sollte, erinnerte Scheuer. Heute bahne sich die Einsicht, dass das organisierte Europa einen Transzendenzbedarf habe, wieder den Weg in die breitere Öffentlichkeit.
Zusammenhalt in Gesellschaft
Ausgehend von der Sternsingeraktion betonte der Linzer Bischof in seiner Predigt auch die Bedeutung von Glaube und Bräuchen für den Zusammenhalt in einer Gesellschaft, in der Menschen zu "Analphabeten des Gemeinsamen" zu werden drohten, wie Scheuer mit einem Zitat der deutschen Historikerin Mirjam Zadoff hinwies. Unzählige Kinder und Jugendliche hätten durch die Dreikönigsaktion ein Gespür für weltweite Gerechtigkeit und Zusammengehörigkeit bekommen, betonte Scheuer. "Das Sternsingen ist eine öffentliche Erinnerung daran, was uns hierzulande und weltweit miteinander verbindet."
Bräuche gäben Menschen Orientierung im Alltag und im Leben. Würde mit Bräuchen und Traditionen auch "die Liebe zum Leben, der gute Stolz auf die Heimat, die Zusammengehörigkeit und die innere Verbundenheit sowie die Tradition des Glaubens und des Betens weggeworfen werden", wäre dies fatal, so der Bischof: "Es wäre ein großer Verlust an Menschlichkeit, eine Verarmung in den Beziehungen und auch eine Ausdünnung des christlichen Glaubens."
Quelle: kathpress