
Grünwidl-Bischofsweihe: Letzte Vorbereitungen laufen auf Hochtouren
Die letzten Vorbereitungen für die Bischofsweihe und Amtseinführung von Josef Grünwidl als Erzbischof von Wien laufen auf Hochtouren. Am Samstag, 24. Jänner, wird der gebürtige Weinviertler um 14 Uhr im Stephansdom zum 33. Erzbischof von Wien geweiht und in sein Amt eingeführt. Einen Einblick in die Vorbereitung hat der künftige Wiener Erzbischofs im Rahmen eines Pressetermins am Mittwoch im Stephansdom gegeben. Über die umfangreiche Weiheliturgie und ihre Besonderheiten informierte Martin Sindelar als Erzbischöflicher Zeremoniär.
Die Bischofsweihe erfolgt durch Kardinal Schönborn gemeinsam mit dem Salzburger Erzbischof und Vorsitzenden der Bischofskonferenz, Franz Lackner, sowie Stanislav Pribyl, Bischof von Leitmeritz/Litomerice. Die Hände auflegen werden Grünwidl u.a. auch alle heimischen amtierenden Bischöfe und Weihbischöfe; ebenso auch der Apostolische Nuntius in Österreich, Erzbischof Pedro Lopez Quintana.
Ihr Kommen zugesagt haben u.a. auch der Passauer Bischof Stefan Oster (Passau ist die Mutterdiözese von Wien) sowie die Bischöfe der vier Partnerdiözesen der Erzdiözese Wien: Pavel Kozbul (Brünn/Tschechien), Gustavo Adolfo Rosales (San Jacinto/Ecuador) John Mbinda (Lodwar/Kenia), Dave Dean Capucao (Infanta/Philippinen). Auch das Wiener Domkapitel ist vollständig vertreten.
Die große Bedeutung der Erzdiözese Wien für die katholischen Ostkirchen wird dadurch deutlich, dass zahlreiche unierte Kirchenoberhäupter zur Bischofsweihe kommen werden; so etwa Großerzbischof Claudiu-Lucian Pop, Oberhaupt der Rumänisch-katholischen Kirche, Großerzbischof Fülöp Kocsis, Oberhaupt der Ungarisch-katholischen Kirche, Metropolit Jonas Jozef Maxim, Oberhaupt der Griechisch-katholischen Kirche in der Slowakei. Der Wiener Erzbischof steht als Ordinarius auch dem Ostkirchenordinariat in Österreich vor - derzeit übt dieses Amt noch Kardinal Schönborn aus. Mit dabei sind u.a. auch Ostkirchengeneralvikar Yuriy Kolasa und der ukrainisch-katholische Weihbischof von Lemberg, Wolodymyr Hruza.
Die heimischen Orden sind an erster Stelle von Sr. Franziska Madl und Propst Anton Höslinger, den beiden Vorsitzenden der Östereichischen Ordenskonferenz, repräsentiert. Dazu kommen zahlreiche weitere Äbte und Ordensoberinnen. Aus der ungarischen Benediktinerabtei Pannonhalma wird Erzabt Ciril Hortobagyi anreisen.
Auch die Ökumene ist zahlreich vertreten. Allen voran werden der armenisch-apostolische Bischof und Vorsitzende des Ökumensichen Rates, Tiran Petrosyan, der orthodoxe Metropolit Arsenios Kardamakis und die evangelische Bischöfin Cornelia Richter am Gottesdienst teilnehmen. Mit dabei sind u.a. auch die altkatholische Bischöfin Maria Kubin, der reformierte Landessuperintendent Ralf Stoffers, der methodistische Superintendent Stefan Schröckenfuchs, der koptische Bischof Anba Gabriel, der rumänisch-orthodoxe Metropolit Serafim Joanta, der serbisch-orthodoxe Bischof Irinej Bulovic und der syrisch-orthodoxe Bischof Mor Dionysios Isa Gürbüz.
Die Politik ist u.a. durch Bundespräsident Alexander Van der Bellen, Bundeskanzler Christian Stocker, Wiens Bürgermeister Michael Ludwig und Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner vertreten.
Wie die Feier der Bischofsweihe abläuft
Die Bischofsweihe ist die höchste Stufe des dreigliedrigen Weihesakraments (Diakon, Priester, Bischof). Der gesamte Gottesdienst sei "wie ein Weg " gestaltet, führte Sindelar dazu aus. Begleitet von rund 60 Jugendlichen wird der künftige Erzbischof am Stephansplatz ankommen und von Blasmusikern aus Perchtoldsdorf empfangen werden. Zum Schlagen der Pummerin wird dann Grünwidl den Dom betreten und dort vom Domkapitel begrüßt werden.
Nach einem Gebet vor der Ikone von Maria Pocs beginnt der Gottesdienst in der Vierung des Domes, wo Kardinal Schönborn als Weihespender den künftigen Erzbischof erwartet und wo die Tauferinnerung stattfindet. Wie schon beim festlichen Abschiedsgottesdienst von Kardinal Christoph Schönborn vor einem Jahr steht das gläserne Taufbecken in der Mitte des Domes. Gleich zu Beginn des Gottesdienstes soll so die Brücke zur Taufe geschlagen werden, in der die gemeinsame Berufung aller Getauften grundgelegt ist, wie Josef Grünwidl selbst am Mittwoch bei einem Pressegespräch im Stephansdom erläuterte. Hier stehe er inmitten des Gottesvolkes, so Grünwidl, der sich vergangene Woche mit Exerzitien im Stift Göttweig nochmals intensiv geistlich auf seine neue Aufgabe vorbereitet hat.
Die Taufe verbinde zudem die Christinnen und Christen aller Kirchen, so der künftige Erzbischof. Insofern freue er sich auch sehr über die Teilnahme der Vertreterinnen und Vertreter der Geschwisterkirchen aus der christlichen Ökumene. Diese werden auch am Ende der Bischofsweihe einen Segen sprechen.
Während sich Grünwidl noch inmitten der Gläubigen beim Taufbecken befindet, wird auch das päpstliche Ernennungsschreiben durch eine Seelsorgerin aus dem Weinviertel verlesen.
Begleitet wird Grünwidl auf seinem Weg zur Weihe von zwei sogenannten Begleitpriestern, mit denen er persönlich eng verbunden ist. Dies sind sein Priesterfreund Ernst Pankl und sein ehemaliger Spiritual im Priesterseminar, P. Elmar Mitterstieler.
Es folgen die Anrufung des Heiligen Geistes und die Allerheiligenlitanei. Der zentrale Akt ist die Handauflegung durch den Hauptkonsekrator (im konkreten Fall Kardinal Schönborn) und zwei Mitkonsekratoren (Erzbischof Lackner und Bischof Pribyl), ergänzt durch alle anwesenden Bischöfe. Dies erfolgt in Stille zum Klang der Pummerin.
Diakone halten das Evangeliar über den Kopf des Weihekandidaten, ein Zeichen für seine erste Aufgabe als Verkünder des Evangeliums. Nach der Salbung mit Chrisam erhält der neue Bischof seine Insignien (Mitra, Ring und Bischofsstab) und wird zur Kathedra (erhöhter Sitz) geführt, wo er Platz nimmt und damit er für alle sichtbar die Leitung der Diözese übernimmt. Nach der Amtsübernahme erfolgt der Friedensgruß und danach bekunden verschiedene Verantwortungsträger aus der Erzdiözese ihre Bereitschaft, mit dem neuen Erzbischof zusammenzuarbeiten. Dazu erklingen im Stephansdom alle drei Orgeln.
Nach der Liturgie der Danksagung (Eucharistie) wird am Ende des Gottesdienstes nach dem Segen von Vertretern der christlichen Konfessionen der neue Wiener Erzbischof seine erste Ansprache halten. Danach folgen Grußworte der niederösterreichischen Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner und von Wiens Bürgermeister Michael Ludwig. Der Gottesdienst endet mit dem bischöflichen Segen und zum Auszug erklingt noch einmal die Pummerin. Im Anschluss findet auf dem Stephansplatz für alle Mitfeiernden eine Agape statt.
Rund 3.000 Menschen werden im Dom erwartet, Gläubige können die Feier zudem live via ORF 2, radio klassik Stephansdom und Radio Maria verfolgen. Die Plätze im Stephansdom sind bereits vergeben. Unter den Mitfeiernden werden sich haupt- und ehrenamtlich Engagierte der Erzdiözese, Wegbegleiter Grünwidls sowie Personen, die sich über ein offenes Anmeldeverfahren registriert haben, befinden. Weiters werden Menschen in sozial belastenden Situationen anwesend sein, teilte die Erzdiözese mit.
Die bunte und breite Beteiligung möglichst vieler am Gottesdienst sei ihm besonders wichtig, so Grünwidl. Er wolle auch allen danken, die in die Vorbereitung und Durchführung involviert sind. Im Blick auf die musikalische Gestaltung sei ihm wichtig gewesen, dass es auch viel Gemeindegesang gibt. Schließlich freue er sich auch auf die an den Gottesdienst anschließende Agape auf dem Stephansplatz, um mit möglichst vielen Menschen noch in Kontakt zu kommen.
Glockenläuten und Beflaggung
Als "Zeichen der Freude über die Amtseinführung" läuten am 24. Jänner von 13.45 bis 13.55 Uhr die Glocken in der gesamten Erzdiözese Wien; kirchliche Gebäude werden am 24. und 25. Jänner weiß-gelb beflaggt. Beim Gottesdienst ministrieren 150 Jugendliche aus mehr als 30 Pfarren, darunter auch aus Perchtoldsdorf und Kirchberg am Wechsel, früheren Wirkungsorten Grünwidls. Laut Sindelar sind rund 800 Personen als Mitwirkende oder Helfer an der Bischofsweihe beteiligt - darunter 120 Personen aus dem Chor. Rund 600 Kleriker der Erzdiözese werden im Dom mitfeiern.
Aufgrund erhöhter Sicherheitsauflagen ist der Stephansdom am 24. Jänner zwischen der Früh- und der Abendmesse nur mit gültiger Zugangskarte betretbar; auch Teile des Stephansplatzes werden bis etwa 18 Uhr gesperrt. Gläubige haben auf www.erzbischof.wien die Möglichkeit, sich für ein Gebet einzutragen, mit ihrem Porträt an einem Fotomosaik teilzunehmen, sich ehrenamtlich in der Kirche zu engagieren oder für ein Projekt zu spenden.
Quelle: kathpress