
Causa Goldenstein: Rechtsberater weist Vorwurf gegen Sprecherin zurück
Der Rechtsberater der Ordensschwestern von Goldenstein, Wolfgang F. Rothe, hat im Raum stehende Vorwürfe der Veruntreuung von Spendengeldern entschieden zurückgewiesen und als "aus der Luft gegriffen" bezeichnet. In einem Interview mit der Nachrichtenagentur Kathpress sprach der Münchner Kirchenrechtler am Mittwoch von "absurden" Anschuldigungen gegen Unterstützer der Nonnen. Man habe diese offenbar gezielt in Misskredit bringen wollen, teils mit Vorwürfen zu Geldern, die zum fraglichen Zeitpunkt noch gar nicht zur Auszahlung anstanden, etwa aus Abrechnungen von Buchverkäufen.
Konkret hatte sich der Verdacht gegen die Verwaltung der Spendengelder gerichtet, die von Sprecherin Christine Wirtenberger angeblich nicht ordnungsgemäß auf ein Treuhandkonto eingezahlt worden sind. Rothe wies dies zurück: Die Beschuldigte habe mit den Finanzen gar nichts zu tun gehabt, zudem sei die Spendenverwaltung durchaus transparent organisiert. Die kolportierte Summe von rund 32.000 Euro bisher eingegangenen Spenden sei korrekt. Verzögerungen bei einzelnen Kontoeingängen seien lediglich auf zeitliche Abläufe bei Abrechnungen und Überweisungen zurückzuführen.
Gegen die Anzeigerin sowie zwei weitere Personen würden nun rechtliche Schritte geprüft, laut Rothe in enger Abstimmung mit der Wiener Medienanwältin Maria Windhager. Geplant seien Unterlassungserklärungen gegenüber den Personen, die die Anschuldigungen öffentlich verbreitet hätten. Er bezeichnete die Anzeige bei der Polizei, deren Ermittlungen nun laufen, als "Theaterdonner" und gezielte Kampagne gegen die Schwestern und das Helferteam, um die öffentliche Wahrnehmung zu beeinflussen.
Unerlaubte Hilfe
Es gebe keinen "Bruch" innerhalb der Helfer, sondern einige Personen hätten sich "selbst hinauskatapultiert", so die Darstellung Rothes. Grund sei, dass manche bei ihren Bemühungen an den Schwestern vorbei gehandelt hätten. Der Kirchenrechtler nannte hier auch Bestrebungen des Betreibers des Instagram-Kanals @nonnengoldenstein mit zuletzt 287.000 Abonnenten, bei den Postings auch für Firmen zu werben. Die Schwestern hätten dies jedoch klar abgelehnt und sich vom Kanal distanziert. "Selbst wenn Einkünfte daraus den Nonnen zugutekommen sollten, darf dies nicht gegen ihren Willen geschehen", betonte der Kirchenrechtler.
Laut Angaben von Anwältin Windhager gegenüber der APA (Mittwoch) wurde ein Abmahnschreiben an die Frau, die die Anzeige gegen Wirtenberger eingebracht hatte, sowie gegen den Betreiber des Instagram-Accounts geschickt, mit einer Aufforderung zur sofortigen Löschung der Seite. Erfolge dies nicht, werde man eine Klage einbringen und eine einstweilige Verfügung beantragen, so die Juristin.
Hoffnung auf Ruhe
Zum kirchenrechtlichen Status der Goldensteiner Nonnen erläuterte Rothe, diese hätten sich direkt an den Vatikan gewandt und um Klärung ihrer Situation gebeten. Außer einer Eingangsbestätigung habe es noch vor Weihnachten auch ein weiteres Antwortschreiben gegeben - in betont wohlwollendem Ton und einem Verweis auf das grundsätzliche Recht der Schwestern, im Kloster zu leben. Zugleich habe der Vatikan angeregt, "Außentätigkeiten" insbesondere auf Social Media zu reduzieren, was auch erfolgt sei. Im neuen Jahr 2026 habe es noch keine Kommunikation mit dem befassten Ordensdikasterium gegeben. Rothe hielt es für ratsam, Ruhe einkehren zu lassen, "um Rom die Möglichkeit zu geben, die Sache nachhaltig zu regeln".
Gefragt zur aktuellen Versorgung und zum Zustand der drei hochbetagten Schwestern erklärte Rothe, diese seien trotz ihres Alters relativ fit, bestens versorgt und würden durch das Helferteam bestmöglich vor weiteren Belastungen geschützt. Pensionszahlungen würden nun direkt an die Schwestern erfolgen, womit sich ihre Notlage entschärft habe.
Die drei Augustiner-Chorfrauen Rita, Regina und Bernadette, zwischen 82 und 88 Jahre alt, waren im Sommer 2025 gegen den Willen ihres Administrators, Propst Markus Grasl, aus einem Pflegeheim in ihr früheres Kloster Goldenstein in Elsbethen bei Salzburg zurückgekehrt. Begleitet wurden sie dabei von einem Helferkreis und weltweiter medialer Aufmerksamkeit infolge von Berichten auf Social Media. Als keine annehmbare Lösung mit ihrem kirchlichen Vorgesetzten gefunden wurde, wandten sich beide Seiten an die vatikanische Ordensbehörde, deren Antwort noch aussteht. Von ihrem ursprünglichen Instagram-Account distanzierten sich die Nonnen im Dezember. Helfer erstellten einen weiteren, bislang weniger aktiven Kanal.
Accountbetreiber geht auf Distanz
Auf starke Verwerfungen im Helfer- und Unterstützerkreis deutet ein Posting, das am Mittwoch auf der weiter abrufbaren Instagram-Seite @nonnen_goldenstein veröffentlicht wurde. Man distanziere sich "geschlossen" von Sprecherin Wirtenberger und stehe weiter hinter den Schwestern, hieß es. Aufgerufen wurde auch zur Nachforderung von Spendenbelegen, "sollte jemandem etwas mit seiner Spende komisch vorkommen".
Als Begründung genannt wurde einerseits eine versuchte "Spaltung" des Helferteams durch Einbezug von Rechtsberater Rothe. Weiters sei die gezielte Beeinflussung der Social Media Aktivitäten versucht worden, "mit Anwälten und Falschaussagen", wodurch man Transparenz vermeiden und einen eigenen Nutzen daraus erzielen wolle. "Wir Helfer beten täglich für Transparenz, Einsicht und Vernunft, sowie für das Wohl unserer Schwestern", so das namentlich nicht gezeichnete Posting abschließend.
Quelle: kathpress