
Lackner übt heftige Kritik an Instrumentalisierung von Religion
Mit deutlichen Worten verurteilt der Salzburger Erzbischof Franz Lackner in seinem diesjährigen Fastenhirtenbrief jegliche Instrumentalisierung bzw. Missbrauch von Glaube und Religion. Lackner schreibt von "Entwicklungen, welche die allermeisten unter uns wohl nicht erwartet haben und die keiner von uns ersehnt hat". Rundum erlebe man, dass das Recht des Stärkeren zunehmend nicht nur gelebt, sondern auch akzeptiert wird. Regelbasierte Politik weiche immer mehr einer machtbasierten Politik. Die Souveränität von Ländern solle sich der Hegemonie weniger Großer unterordnen. Eine Zeit der neuen Imperien scheine heraufzuziehen, so Lackner: "Es sind Szenarien, die nicht wenige von uns ängstigen, denn Gewalt in staatlicher Dimension nährt sich von Leben und Geist der Menschen."
Besorgniserregend sei dabei zu sehen, wie einmal mehr der Glaube für solche Zwecke instrumentalisiert werde, so der Erzbischof: "In Gottes Namen wird Krieg legitimiert, wird repressive Politik argumentiert, wird letztlich getötet. Gott und der Glaube an ihn werden so als reine Instrumente, als Hebel der Macht, der Polarisierung und letztlich Kontrolle missbraucht."
Wider den faulen Kompromiss
Was im Großen gilt, setze sich zudem über kurz oder lang auch im Kleinen, im je Persönlichen fort, zeigt sich Lackner besorgt: "Man ordnet sich unter, teilweise bereitwillig; man gibt klein bei; man versucht, den persönlichen Schaden zu begrenzen." Man sei dafür bereit, mit der Lüge als "Wahrheit" zu leben; es brauche auch keinen wirklichen Frieden, es reiche schon, wenn man seine Ruhe hat. "Wir sind versucht, schnelle und bequeme Lösungen dem Wahren und Richtigen vorzuziehen", schreibt Lackner.
Mit diesen Versuchungen sei auch Jesus konfrontiert worden. Mit den drei Grundthemen aller Menschen versuche der Teufel Jesus von seinem Weg abzubringen, so Lackner mit Verweis auf das Evangelium des ersten Fastensonntags von der Versuchung Jesu in der Wüste. Es seien dies Nahrung, Gesundheit und Macht. Jesus solle Steine zu Brot werden lassen; er solle sich bewusst in Gefahr begeben, denn die Engel würden ihm helfen; und er könnte alle Reiche der Welt haben, wenn er nur Gott widersage.
Lackner dazu: "Wir erkennen uns in diesen Versuchungen wieder: Wir möchten nicht hungern; wir wollen gesund sein; und wir wollen nicht ohnmächtig sein, wir wollen lieber selbst Macht haben - oder sie in den Händen jener wenigen Starken sehen, die unsere Wünsche und Sehnsüchte am ehesten zu erfüllen versprechen." Jesus aber stelle sich dem deutlich entgegen und sage: "Weg mit dir, Satan! Denn in der Schrift steht: Den Herrn, deinen Gott, sollst du anbeten und ihm allein dienen."
Kirche und Macht
Der Erzbischof räumt den Einwand ein, dass doch auch die Kirche mächtig und einflussreich in der Welt sei und schreibt dazu: "Es stimmt, dass mit manchem kirchlichen Amt auch bisweilen Einfluss und Autorität verbunden sind und es vor allem in der Vergangenheit waren." Und: "Wo Macht ist, wird sie früher oder später auch missbraucht; diese zutiefst menschlichen Verfehlungen bekennt die Kirche auch immer wieder aufs Neue."
Doch Macht und Herrschaft seien nicht ihr Ziel und nicht Mittel zum Zweck. Vielmehr wolle die Kirche von zwei Dimensionen her geprägt sein: "Einer synodalen, um das je Verbindende und Gemeinsame immer neu zu entdecken, und einer hierarchischen, um das Gestiftete und zu Bewahrende durch die Zeiten zu erhalten." Auf diese Weise bleibe man ursprünglich mit Jesus Christus verbunden.
Auf Gott statt den Lärm hören
Lackner verweist in seinem Schreiben auch auf das nun angebrochene Gedenkjahr zum 800. Todestag des heiligen Franziskus von Assisi, dessen Zeugnis "mannigfaltig und ebenso aktuell bis in unsere Tage" bleibe. Franziskus habe sich nicht vom "Lärm von außen" beeindrucken lassen, sondern Gott in sich Raum gegeben, so der selbst dem Franziskanerorden angehörige Erzbischof.
Die Fastenzeit wolle den Christinnen und Christen erneut ins Bewusstsein rufen: "Der christliche Glaube ist nicht Werkzeug der Macht, sondern zuinnerst Option für den Frieden und die Armen. Der Friede beginnt mit der Zufriedenheit in uns; er vollendet sich nicht allein in Waffenstillständen, sondern in wirklichem Frieden unter Menschen, die einander lieben."
Und Lackner schließt mit dem Appell: "Bewahren wir uns diese Haltung auch im Angesicht der Versuchungen der Welt. (..) Beten wir für den Frieden, der so vielen immer noch verwehrt ist - und beten wir füreinander, dass wir den falschen Versprechungen der Welt widerstehen."
Der Hirtenbrief ist online unter https://www.edsbg.at/glaube-leben/jahreskreis/fastenzeit&;ts=1771233308150 abrufbar und wird am ersten Fastensonntag in allen Gottesdiensten in der Erzdiözese Salzburg verlesen.
Quelle: kathpress