
Pfarrer: "Klima der Angst" in christlich-palästinensischem Dorf
Von erneuter Verschlechterung der Sicherheitslage in Taybeh, der letzten mehrheitlich von Christen bewohnten Ortschaft im Westjordanland, berichtet der örtliche lateinische Pfarrer Bashar Fawadleh. In einem Gespräch mit dem internationalen päpstlichen Hilfswerk "Kirche in Not" (ACN) warnte er laut ACN-Mitteilung vom Montag von einer "zunehmenden Belastung" für die rund 1.400 Einwohner seines Dorfes und einem "Mangel an Schutz". Hintergrund ist die Gewalt extremistischer Siedler gegen Palästinenser im gesamten Westjordanland und Versuche der israelischen Regierung, die zivile und administrative Zuständigkeiten im Westjordanland stärker unter israelische Kontrolle zu stellen.
Die Bewohner des östlich von Ramallah gelegenen Taybeh (Taibeh) sind seit Jahren Angriffen und Einschüchterungen durch israelische Siedler ausgesetzt. Die Angriffe umfassen laut Fawadleh Brandstiftungen auf landwirtschaftlichen Flächen, beschädigte Fahrzeuge und Mauern einer alten Kirche sowie Drohungen und Hassparolen. Zusätzlich erschwerten zahlreiche militärische Kontrollpunkte an den Zufahrten zum Ort den Alltag der Bewohner des Dorfes. In den vergangenen Wochen sei ein weiterer Checkpoint errichtet worden, berichtete der Priester. Die ständigen Kontrollen seien eine Belastung und schnitten zudem viele Menschen von Arbeitsplätzen und Feldern ab.
Anlass für besondere Sorge ist nach Worten Fawadlehs eine Entscheidung der israelischen Regierung vom 8. Februar 2026, mit der zivile und administrative Zuständigkeiten im Westjordanland stärker unter israelische Kontrolle gestellt werden. Der Priester befürchtet, dass dadurch der Ausbau von Siedlungen erleichtert werde und Siedler mehr Land erwerben könnten. "Mit der neuen Entscheidung wird der Druck wachsen", sagte er laut "Kirche in Not". Die Bewohner seien schutzlos: "Die Gewalt schafft ein Klima der Angst und Unsicherheit."
Die jüngsten Entwicklungen verstärkten die Sorge vieler Christen um ihre Zukunft, so Fawadleh . Der Gedanke an Auswanderung sei in den Köpfen der Menschen immer präsenter. Zwischen 2023 und 2025 hätten bereits 16 christliche Familien Taybeh verlassen; andere würden ernsthaft darüber nachdenken. Gründe seien vor allem die Unsicherheit und fehlende wirtschaftliche Perspektiven.
Trotzdem ermutigt der Priester die Christen, nach Möglichkeit zu bleiben. Die christliche Präsenz in Taybeh sei ein lebendiges Zeugnis des Glaubens im Land, in dem das Christentum entstanden sei. "Zu bleiben ist oft ein Akt des Glaubens und der Hoffnung", betonte Fawadleh. Gleichzeitig seien konkrete Hilfen notwendig, etwa durch Arbeitsplätze, Unterstützung für junge Menschen und eine stärkere Solidarität innerhalb der Pfarre.
Taybeh wird mit dem neutestamentlichen Ephraim identifiziert. Seine Georgskirche, deren Geschichte ins 5. Jahrhundert zurückreicht, gilt als eines der ältesten religiösen Wahrzeichen Palästinas.
Quelle: kathpress