
Glettler: Kirche muss neue Formen wagen
Angesichts sinkender Mitgliederzahlen, schwindender Ressourcen und wachsender gesellschaftlicher Unsicherheiten hat der Innsbrucker Bischof Hermann Glettler bei der Chrisammesse im Innsbrucker Dom zu einer Erneuerung kirchlicher Präsenz aufgerufen. Kirche müsse "Gott Raum geben - für sein Wirken" und sich stärker an den Menschen orientieren, so Glettler laut Predigtmanuskript am Mittwoch.
Die Kirche stehe "mittendrin in vielen Veränderungsprozessen, gesellschaftlich und kirchlich", so der Bischof weiter. Vieles werde weniger - "Finanzen, Personal, Alltags-Relevanz, Gottesdienst-Teilnahme". Glettler gab auch konkrete Zahlen für Innsbruck an, wo "nur mehr 37 Prozent der Bevölkerung katholisch" seien. Zugleich beobachte er aber "ein echtes Fragen", weil Sicherheiten brüchig würden und "die Epidemie der Vereinsamung um sich greift".
Als Beispiele für neue pastorale Wege verwies Glettler auf Eindrücke aus der Diözese Rottenburg-Stuttgart. So berichtete er von einem dortigen "Ostergarten" mit jährlich rund 22.000 Besucherinnen und Besuchern, getragen von rund 800 Ehrenamtlichen. Entscheidend sei aber immer eine glaubwürdige Verkündigung: "Wir sind nicht Schauspieler, sondern stehen mit Leib und Seele ein für den lebendigen Christus." Ein weiteres Beispiel sei eine Pfarre, die ihre Kirche für soziale Initiativen geöffnet habe. Dort gehe es nicht primär um Programme, sondern um Präsenz: "Nur das zählt. Nicht zuerst die Veranstaltungen." Seelsorge bedeute, "verlässlich da zu sein" und "liebevoll gegenwärtig" zu bleiben, auch ohne sichtbaren Erfolg.
Glettler nannte zudem ein evangelisches "Start-up" mit Fokus auf junge Erwachsene und Familie, die Stuttgarter "Kesselkirche", "die radikal auf dem Engagement der Ehrenamtlichen und Freiwilligen aufbaut". Kirche lebe aber nicht von der Leistung Einzelner: "Kirche hängt nicht von unserem eigenen Tun ab." Aufgabe von Priestern und Seelsorgenden sei es vielmehr, "Menschen zu befähigen", ihre Begabungen einzubringen: "Coach und Multiplikator sein für die Charismen und Begabungen, die Gott zum Aufbau der Gemeinde schenkt!"
Solche Beispiele ließen sich zwar nicht kopieren, könnten aber inspirieren, so der Innsbrucker Bischof. Und weiter: "Ich danke euch allen für die Mühe, die ihr investiert - und für die neue Bereitschaft, für die Verfügbarkeit und den langen Atem, den es in der Seelsorge und in den vielen kirchlichen Diensten braucht."
Quelle: kathpress