
Linzer Pädagoge: Religionsunterricht bleibt stark nachgefragt
Trotz rückläufiger Katholikenzahlen bleibt der Religionsunterricht an Schulen stark nachgefragt. "Insgesamt besuchen 92 Prozent aller katholischen Schüler:innen den Religionsunterricht", sagte Werner Urbanz, Leiter des Instituts für Religionspädagogik an der Pädagogischen Hochschule der Diözese Linz, in einem Interview mit der "Linzer Kirchenzeitung" (aktuelle Ausgabe). Die hohe Teilnahme zeige die anhaltende Akzeptanz für den konfessionellen Unterricht, so Urbanz. Auch das Interesse am Lehramt für das Fach Katholische Religion steige. Debatten über die Zukunft des Fachs, etwa im Zuge geplanter Bildungsreformen, sieht Urbanz gelassen, "wenn nicht nur die ökonomische Dimension, sondern Bildung im großen Rahmen gesehen und die Debatte ehrlich geführt wird".
Aktuell unterrichten rund 1.400 Lehrkräfte in Oberösterreich das Fach Katholische Religion. Nach Jahren sinkenden Interesses sieht Urbanz eine leichte Trendwende. Für den Schwerpunkt Religion im Volksschullehramt starten im Herbst rund 30 Studierende, im Bereich der Sekundarstufe hofft er ebenfalls auf steigende Zahlen.
Die Ausbildung wurde in den vergangenen Jahren reformiert, so wird heute Religionsunterricht nicht mehr isoliert studiert, sondern ist Teil eines Lehramtsstudiums mit einem zweiten Fach. Für die Primarstufe erfolgt dies im Rahmen eines zehnsemestrigen Studiums, für die Sekundarstufe - also von der Mittelschule übers Gymnasium bis zur BHS - in Kombination mit einem weiteren Unterrichtsfach im Ausbildungsverbund mehrerer Hochschulen. Wer etwa Mathematik und Religion studieren möchte, absolviert Lehrveranstaltungen u. a. an der Johannes Kepler Universität (JKU), an der Katholischen Universität und an der Pädagogischen Hochschule der Diözese in Linz.
Der bestehende Lehrermangel könnte laut Urbanz durch eine geplante Verkürzung des Lehramtsstudiums ab Oktober 2026 von sechs auf fünf Jahre etwas entschärft werden. Der Bedarf an Religionslehrkräften bleibe jedoch hoch. Denn auch wenn Sinnhaftigkeit und Notwendigkeit des Religionsunterrichts im staatlichen Schulsystem immer wieder für Debatten sorgten, spreche die Teilnahme doch eine andere Sprache, so der Bibelwissenschaftler.
Anhaltende Nachfrage für Religionsunterricht
Als Grund für die anhaltende Nachfrage nennt Urbanz im Interview die besondere Rolle des Fachs: "Ich glaube, die Schülerinnen und Schüler schätzen den Religionsunterricht, weil sie dort als Menschen Raum bekommen." Religionsunterricht vermittle nicht nur Wissen, sondern greife auch existenzielle Fragen auf und stärke die Schulkultur, etwa durch interreligiöse und interkulturelle Kompetenzen.
"Der Religionsunterricht kommt aus dem Bildungsanspruch, der ganzheitliche Aspekte beinhaltet: dass das Leben mehr als Leistung ist und dass man sein Leben verdankt wissen kann", so Urbanz. Zudem gehe es im konfessionellen Religionsunterricht nicht nur um ethische Prinzipien, sondern auch um Angebote zur Lebensgestaltung, einen gemeinschaftlichen Charakter und Schulkultur. Letzteres zeige sich in interkulturellen und interreligiösen Feiern. "Wir bemühen uns in der Ausbildung um die entsprechenden Kompetenzen", so Urbanz.
Quelle: kathpress