Islamische Theologin: Interreligiöser Dialog wichtig für Demokratie
Die Bedeutung des interreligiösen Dialogs für das gesellschaftliche Zusammenleben insgesamt und die Zukunft der Demokratie hat die islamische Theologin Hamideh Mohagheghi unterstrichen. Ein ernsthafter und gleichermaßen auf gegenseitigem Wissen wie auf Begegnung aufbauender Dialog fördere "Pluralitätsfähigkeit" und die Fähigkeit, Differenzen als Gewinn und Ressource zu verstehen. Insofern würden "interreligiöse Lernprozesse zum Kernauftrag einer zukunftsfähigen Bildung" gehören, sagte die frühere Mitarbeiterin am Zentrum für Komparative Theologie und Kulturwissenschaften für die islamische Theologie an der Universität Paderborn bei einem Vortrag am Mittwochabend an der Universität Innsbruck.
"Wir leben in Zeiten, die von Unruhe, Polarisierung und zum Teil brutaler Gewalt geprägt sind". Gerade deshalb brauche es "Formen des Lernens, die Menschlichkeit, Mitgefühl und solidarisches Handeln nicht nur thematisieren, sondern praktisch einüben. Interreligiöse Bildung leistet hierzu einen unverzichtbaren Beitrag", zeigte sich Mohagheghi überzeugt. Ein solches interreligiöses Lernen sei jedoch voraussetzungsreich - es baue u.a. auf gegenseitiger Wertschätzung, gemeinsamer Würdigung von Vielfalt, "Ambiguitätstoleranz" und der Bereitschaft, sich selber vom jeweils anderen verändern zu lassen, auf. Die Feierstunde stand unter dem Titel "Ressource Interreligiosität?"
Kraml und Scharer waren prägende Gestalten der Fakultät
Mohagheghi war Festrednerin im Rahmen einer Feierstunde an der Universität Innsbruck zu Ehren der beiden langjährigen, inzwischen emeritierten Innsbrucker Religionspädagogen Prof. Martina Kraml (70) und Prof. Matthias Scharer (80). Beide hätten an der Innsbrucker Universität deutliche "Spuren hinterlassen" und die Innsbrucker Theologische Fakultät über lange Zeit und bis heute geprägt - sowohl im Blick auf Menschen, die sie geprägt hätten, als auch im Blick auf ihre wissenschaftliche Arbeit und ihren Einsatz zur Etablierung der islamischen Religionspädagogik an der Universität Innsbruck, würdigte Dekan Prof. Wilhelm Guggenberger Kraml und Scharer.
Als Laudator würdigte außerdem der lange an der Universität Innsbruck tätige, inzwischen an der Universität Wien islamische Theologie lehrende Prof. Zekirija Sejdini die beiden Emeriti. In der Zusammenarbeit mit beiden habe er nicht nur viel über das Christentum gelernt, sondern auch, wie "echte interreligiöse Religionspädagogik" funktioniere, so Sejdini: "Nicht als freundliches Dialogformat, sondern als gemeinsame Arbeit. Nicht als höfliches Nebeneinander, sondern als gemeinsames Ringen".
Kraml: Gesellschaft und Uni brauchen islamische Theologie
Kraml unterstrich ihrerseits in einer Antwort auf den Vortrag Mohagheghis die Notwendigkeit, immer wieder neu an den Wert von Pluralitätsfähigkeit zu erinnern und sich dafür sowohl gesellschaftlich wie auch universitär einzusetzen und in dem Kontext den Wert der islamischen Theologie und Religionspädagogik hochzuhalten: "Die Gesellschaft und die Universität braucht die islamische Theologie und Religionspädagogik. Man tut also gut daran, die Pluralitäts- und Diversitätskonzepte neu zu entdecken", so Kraml. Dies gelte um so mehr angesichts immer raumgreifenderer rechter und rechtsextremer "Framings" in Politik und Gesellschaft - eine Entwicklung, die sie mit großer Sorge verfolge.
Matthias Scharer lehrte von 1996 bis zu seiner Emeritierung 2014 als Professor für Katechetik und Religionspädagogik an der Theologischen Fakultät der Universität Innsbruck. Neben Fragen des interreligiösen Lernens und des Religionsdialogs forschte und publizierte Scharer vor allem zu Fragen der "Kommunikativen Theologie".
Martina Kraml unterrichtete vor ihrer akademischen Laufbahn zunächst an verschiedenen Schultypen (Allgemeine Sonderschule, Volksschule, AHS). 2014 wurde sie Nachfolgerin Scharers und Professorin für Katechetik/Religionspädagogik und -didaktik. 2023 wurde Kraml emeritiert. Seither ist sie weiterhin im Bereich der Lehrer- und Lehrerinnenbildung der Universität Innsbruck tätig.
Quelle: kathpress
