
Ein Jahr Papst Leo: Steirische Kirchenspitzen mit Positiv-Bilanz
Am 8. Mai 2025 wurde Kardinal Robert Francis Prevost zum Papst gewählt. Der steirische Bischof Wilhelm Krautwaschl, Weihbischof Johannes Freitag und die steirische Caritas-Direktorin Nora Tödtling-Musenbichler haben gegenüber der "Kronenzeitung" (Steiermark-Ausgabe, Freitag) Bilanz des ersten Jahres von Papst Leo gezogen. Bischof Krautwaschl bezeichnete das Oberhaupt der katholischen Kirche als "Hirten", der "die große Gruppe der Katholiken in ihren vielfältigen Kulturen, Mentalitäten und Umfeldern im Wachstum genauso wie im Wenigerwerden begleiten" und auch "den einen oder anderen Anstoß geben" werde. Und das stets mit dem Blick auf Gott gerichtet, so Krautwaschl.
Er habe Leo XIV. unter vier Augen als Präfekt des Dikasteriums für die Bischöfe, einer Behörde im Vatikan, kennengelernt", so Krautwaschl weiter. Der Heilige Vater sei ein aufmerksamer Zuhörer und einer, der seine Positionen bedacht und klar äußere: "Bei mehreren kurzen Begegnungen nach Generalaudienzen habe ich erlebt, dass er ganz da ist. Damit wird deutlich, dass er jede und jeden wirklich ernst nimmt."
Entschiedenes Eintreten für den Frieden
Sehr positiv beurteilte auch die steirische Caritas-Direktorin Nora Tödtling-Musenbichler das erste Amtsjahr von Robert Francis Prevost. Der Augustiner sei "ruhig und mit Bedacht" den Weg von Franziskus weitergegangen, habe aber auch neue Akzente gesetzt: "Im ersten großen Schreiben ,Dilexi te' hat er an seinen Vorgänger angeschlossen, mit einem klaren Aufruf zu Gerechtigkeit, Geschwisterlichkeit und Solidarität", so Tödtling-Musenbichler.
Sie würdigte den Papst als einen Mann, der sich in seinem bisherigen Pontifikat stärker im Dialog zeige und nicht so sehr in Konfrontation gehe. Gleichzeitig versuche er, sowohl Tradition als auch Fortschritt im Blick zu haben. Als besonders wichtig erachtete Tödtling-Musenbichler Leos entschiedenes Eintreten für den Frieden: "Sein unmissverständlicher Satz ,Der Krieg ist niemals heilig, nur der Frieden ist heilig, weil er von Gott gewollt ist' ist wohltuend für die Kirche weltweit und ein klares Signal an die Verantwortungsträger in Politik und Gesellschaft." Die Caritas-Direktorin wünschte sich, "dass der Heilige Vater diesen Weg des Friedens weitergeht und sich für Gerechtigkeit und Solidarität einsetzt".
"Eine tiefe, geerdete Spiritualität"
Als "beeindruckend" bezeichnet Weihbischof Johannes Freitag seine bisherigen drei Begegnungen Papst Leo: "Er ist ein Mensch, der andere wirklich ansieht, ihnen Ansehen gibt, sie ernst nimmt und ihnen zuhört. Er reagiert auf Gehörtes, lässt sich ein, fragt nach und gibt aus seiner Wahrnehmung ein paar Gedanken mit auf den Weg. Ich habe den Eindruck, dass er sehr in sich gesammelt ist."
"Eine tiefe, geerdete Spiritualität" zeichne Leo ebenso aus wie dessen "innere Ruhe und heitere Gelassenheit", mit der er seinen Weg gehe, so der Weihbischof weiter. Diesen seinen Weg beschreite der Papst unbeirrt: "Gerade die letzten Wochen mit ihren Spannungen haben gezeigt, dass sich der Heilige Vater ganz dem Evangelium verbunden weiß und sich daraus unaufgeregt der Botschaft des Friedens verpflichtet sieht. Er hat eine Klarheit, die gut tut und manchmal auch Reibung erzeugen kann." Als "Stimme für Gerechtigkeit, Friede und Liebe" sei der "Mann in Weiß" aber enorm wichtig, betonte Weihbischof Freitag.
Quelle: kathpress