
Scheuer: Priesterberuf kann nicht an Zahlen gemessen werden
Sinn und Wert des priesterlichen Dienstes lassen sich nicht an der Anzahl von Taufen, Gottesdiensten oder Verwaltungsleistungen messen: Entscheidend sei vielmehr, ob Priester Hoffnung vermittelten, Menschen aufbauten und Gemeinschaft stifteten, so der Linzer Bischof Manfred Scheuer am Montag zum Hochfest Peter und Paul beim Dankgottesdienst für Priester, die heuer ihr 25- bis 70-jähriges Weihejubiläum feiern.
"Wie schmeckt das Priestersein - nach Müdigkeit und Kraftlosigkeit oder nach Freude, Wertschätzung, Gemeinschaft und Freundschaft?", fragte der Bischof in seiner Predigt. Ein Priesterjubiläum sei "die Suche nach der Kostbarkeit einer Berufung und nach der Wertschätzung für einen Menschen". Zahlen könnten zwar Personal- oder Finanzprobleme sichtbar machen, sagten aber nichts über Treue, Wirksamkeit oder Freude aus.
Fatal wäre es, "wenn wir das Gute vergessen würden" so der Bischof: "Das Schöne, das Positive, das Kostbare nicht wahrzunehmen ist ein Ausdruck von Lieblosigkeit. Ihr tröstet, ihr erzählt von Jesus, ihr baut auf, ihr gewährt Gastfreundschaft, ihr lasst nicht im Stich. Danke, dass ihr das tut", so Scheuer an die Jubilare. Er sprach aber auch die Belastungen des priesterlichen Dienstes an, etwa Einsamkeit, zerbrochene Lebenspläne oder das Gefühl, nicht mehr gebraucht zu werden. "Unser Beruf ist das Brotbrechen", sagte Scheuer. Wie Jesus seien auch Priester dazu berufen, sich mit ihrer eigenen Zerbrechlichkeit auseinanderzusetzen und daraus Gemeinschaft entstehen zu lassen.
Mit einem "Diese Zeit ist unser Leben" rief Bischof Scheuer die versammelten Priester auch dazu auf, die Gegenwart zu akzeptieren und aktiv zu gestalten, "da sie unsere einzige Realität ist, auch wenn es bessere Zeiten geben mag. Und wir sollten vor der eigenen Freiheit und Verantwortung nicht davonlaufen".
Bei der Feier im Linzer Mariendom dankten Priester für 25, 40, 50, 55, 60, 65 und 70 Jahre priesterlichen Dienst, letztere sind Konsistorialrat Johann Haslinger sowie Monsignore Berthold Müller. Für die Diözese Linz werden heuer keine Neupriester geweiht; Oberösterreicher empfingen jedoch bereits ihre Priesterweihe in Salzburg sowie ein Mitglied des Franziskanerordens in Wels.
Mit dem Bischof und der Gottesdienstgemeinde feierten Generalvikar Severin Lederhilger, die Bischofsvikare Johann Hintermaier, Adi Trawöger und Slawomir Dadas, der auch Domrektor und Regens des Linzer Priesterseminars ist, Kanonikus Martin Füreder als Leiter des Fachbereichs Priester und Diakone, weitere Mitglieder des Linzer Domkapitels und Diakon Alexander Niederwimmer.
Quelle: kathpress