
Steiermark: Sozialbereich leidet weiter unter Förderkürzungen
Ein Jahr nach den drastischen Einsparungen in sozialen Einrichtungen der Steiermark hat die Initiative #soziallandretten - ein Zusammenschluss steirischer (Hilfs-)Organisationen - Bilanz gezogen. In der täglichen Arbeit seien wichtige Kompetenzen und Fachwissen verloren gegangen, zudem stelle die hohe Zahl an Anfragen bei knappen Ressourcen eine große Herausforderung dar, erklärte Sprecherin Daniela Grabovac am Mittwoch in einer Aussendung der Initiative. Die sozialen Vereine, Verbände und Organisationen blieben dennoch aktiv und würden trotz finanzieller Belastungen solidarisch weiterarbeiten. "In der gesellschaftlichen Realität tätig" würden die Organisationen weiterhin die vielfältigen Probleme der Klienten wahrnehmen und mit angepassten Angeboten solidarisch reagieren, hieß es.
Am 13. Juni 2025 erhielten zahlreiche steirische Sozialeinrichtungen Antworten auf ihre Subventionsansuchen. Mitgeteilt wurden darin massive Kürzungen bis hin zur vollständigen Einstellung von Förderungen durch das Land Steiermark. Daraufhin formierten sich betroffene Organisationen - darunter Caritas, VinziWerke und Armutskonferenz - unter dem Hashtag #soziallandretten.
Welche Auswirkungen die Förderkürzungen nach sich ziehen, gäben die absoluten Zahlen wieder, teilte die Initiative nun mit: So habe die Fördersumme aller Förderschwerpunkte im Jahr 2024 rund 30,6 Millionen Euro betragen, während 2026 nur mehr rund 18,6 Millionen ausgezahlt wurden. Das bedeutet ein Minus von fast 40 Prozent, wobei die Inflation (insgesamt 6,6 Prozent über diesen Zeitraum) nicht berücksichtigt worden sei. Noch drastischer präsentierten sich die Daten bei der Anzahl geförderter Projekte. So wurden 2024 noch 349 Projekte gefördert, 2026 nurmehr 115, was ein Minus von rund 67 Prozent darstellt.
Stärkste Einbußen im Bereich Integration
Besonders deutlich zeigen sich die Kürzungen in den einzelnen Förderbereichen: Die stärksten Einbußen verzeichnete der Bereich Integration und heimische Werte mit einem Minus von 90 Prozent. Auch soziale Projekte zur Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt waren mit einem Rückgang von 45 Prozent stark betroffen, gefolgt von der Armutsbekämpfung mit 35 Prozent, der Kinder- und Jugendhilfe mit 26 Prozent sowie Gewaltschutz und inklusiven Projekten für Menschen mit Behinderung mit jeweils 13 Prozent weniger Förderung.
"Integration, psychische und gesundheitliche Belastungen oder Armut lassen sich nicht dadurch lösen, dass man die Themen verschwinden lässt", kritisierte Grabovac. Die von Kürzungen, Streichungen und ausbleibenden Valorisierungen sehr unterschiedlich betroffenen Organisationen arbeiteten daran, das notwendige Angebot aufrecht zu erhalten. Vor allem jene, die im Bereich Integration tätig sind, müssten aber insgesamt mit weniger Ressourcen auskommen.
Folgen für die soziale Arbeit
"Leider waren wir gezwungen, Beratungsleistungen einzustellen", berichtet etwa Alexandra Köck vom Interkulturellen Beratungs- und Therapiezentrum ZEBRA: "Gering wirkende Kürzungen haben große Auswirkungen auf das Leben der Klientinnen und Klienten. Unwissenheit etwa über Arbeitsmarktzugänge kann rasche Arbeitsintegration verhindern. Gewaltbetroffene Frauen bleiben beim Täter, wenn sie zu wenig Wissen über ihre Möglichkeiten, etwa zu Aufenthaltsrechten, haben."
In den vergangenen Monaten setzte die Initiative mit Aktivitäten wie dem Faktencheck "Asyl und Migration: Mythen und Fakten" mit Vertretern der Asylkoordination und des UNHCR im Rathaussaal Graz sowie mit dem Vortrag des niederländischen Bürgermeisters Bart Somers an der Universität Graz Schwerpunkte zum Thema Integration. Zudem erarbeitete sie gemeinsame Stellungnahmen zu neuen Gesetzesentwürfen. Die Initiative ist auch mit dem Bündnis Soziale Steiermark vernetzt, einem Zusammenschluss verschiedener sozialer Organisationen und Einrichtungen in der Steiermark.
Quelle: kathpress