
Guter Hirte um Einheit bemüht
Bischöfe würdigen Kapellari zum 90er
Guter Hirte um Einheit bemüht
Bischöfe würdigen Kapellari zum 90er
Als im besten Wortsinne guten Hirten, der stets um die Einheit der Kirche bemüht war, und versierten Theologen haben die österreichischen Bischöfe den emeritierten Grazer Bischof Egon Kapellari aus Anlass seines 90. Geburtstages am Montag gewürdigt. Gesammelt finden sich die Gratulationen der Bischöfe sowie zahlreicher weiterer Freunde und Wegbegleiter in einer 128 Seiten umfassenden Sonderausgabe der Zeitschrift "Denken+Glauben", die Kapellari am Montag im Anschluss an einen Gottesdienst in der Kapelle des Grazer Priesterseminars überreicht wurde.
Unter den Gratulanten sind Erzbischof Franz Lackner sowie die Bischöfe Wilhelm Krautwaschl (Graz-Seckau), Josef Marketz (Gurk), Hermann Glettler (Innsbruck), Ägidius Zsifkovics (Eisenstadt), und Weihbischof Johannes Freitag (Graz-Seckau).
Lackner bezeichnete Kapellari als beeindruckenden Menschen von "umfassender Bildung, gepaart mit einem einfachen, unaufdringlichen Glauben". Das Bischofshaus sei unter seiner Leitung stets ein "offener Ort des Austauschs mit Witz, Geist, feinem Humor und auch Demut" gewesen. Zugleich habe Kapellari sein Amt in einer zeitgemäßen Weise ausgelegt: "Dieser (der Bischof, Anm.) muss hinhören, hinsehen, hinfühlen, er muss alles beisammenhalten." Diese Haltung des "katholischen 'Und'" habe Kapellari stets vermittelt, so Lackner.
An vier zeitgleich zu feiernde "Wegmarkierungen" erinnerte in seinem Grußwort der amtierende Grazer Bischof Wilhelm Krautwaschl: Neben dem 90. Geburtstag sei dies der 65. Jahrestag der Priesterweihe Kapellaris sowie der 45. Jahrestag der Weihe zum Bischof von Gurk und der 25. Jahrestag der Ernennung zum Bischof von Graz-Seckau. An all diesen Orten habe Kapellari, der heute als "eine große Persönlichkeit der Kirche in Österreich" geehrt werde, "bedeutsame Zeichen" gesetzt, erinnerte Krautwaschl. Ähnlich die Einschätzung des Grazer Weihbischofs Johannes Freitag, der Kapellari als intellektuelle Stimme von "feinem Geist" würdigte, die "über die Grenzen seiner Diözesen hinaus Gehör fand" und dabei "theologische Tiefe" und "pastorale Klugheit" zu verbinden wusste.
Suche nach "katholischer Mitte"
Der heutige Gurker Bischof Josef Marketz wiederum unterstrich in seinem Grußwort das breite geistliche und theologische Wirken Kapellaris, in dem sich "Glauben und Denken, Gebet und Kultur, Kirche und Welt unaufdringlich, aber beständig miteinander verschränken". Auch Marketz verwies auf Kapellaris "unermüdliche Suche" nach der "katholischen Mitte" und auf sein Streben, in Pastoral und Gesellschaft "zusammenzuführen und zusammenzuhalten, was Gefahr läuft, auseinanderzustreben und auseinanderzufallen".
Als im besten Wortsinn "guten Hirten" hat der Eisenstädter Bischof Ägidius Zsifkovics Kapellari in seinem Beitrag gewürdigt. Die Menschen seien ihm stets wichtig gewesen, mit allen wollte er reden und diskutieren. "Als guter Hirte hat er gesammelt und nicht zerstreut, ist den Verlorenen nachgegangen und hat die Menschen zu sich gerufen, auch zu spätnächtlicher Stunde", so Zsifkovics. Zugleich sei Kapellari ein "europäischer Mensch", den die Sorge um Europa und dessen großes Erbe umtreibe. Bei all dem bleibe er "der ungereizte, weise, wissenschaftlich offene, literarisch gebildete und die Kunst suchende, aber nie plaudernde Gesprächspartner vieler".
An eine von Wertschätzung wie profunder Kritik gekennzeichnete Begegnung erinnerte sich in seinem Beitrag der Innsbrucker Bischof Hermann Glettler. Eine Kunstinstallation, die Glettler als damaliger Pfarrer von Graz-St. Andrä verantwortete, habe den Widerspruch Kapellaris herausgefordert. Die Kritik Kapellaris sei weder von Empörung noch von Belehrung gekennzeichnet gewesen, sondern zeugte von aufrichtigem Interesse und Sorge zugleich. "Diese kritische, aber letztlich ermutigende Haltung von Bischof Kapellari erwähne ich stellvertretend für vieles, was ihn auszeichnet", so Glettler.
Koch: Zeitgemäßes Amtsverständnis
In einem eigenen Beitrag analysierte der Präfekt des Dikasteriums zur Förderung der Einheit der Christen, Kardinal Kurt Koch, das bischöfliche Amtsverständnis, wie es Bischof Kapellari ausgelegt hat. So habe Kapellari das Bischofsamt ganz im augustinischen, ja, klassisch-katholischen Sinne als ein von einer "Grundspannung" zwischen dem "In-Sein" und dem "Gegenüber-Sein" geprägtes Amt verstanden: "Auf der einen Seite ist der Bischof, und zwar aufgrund seiner eigenen Taufe, Glied der Kirche und lebt inmitten der Kirche als eines ihrer glaubenden und getauften Glieder. (...) Auf der anderen Seite aber steht der Bischof, und zwar aufgrund seiner sakramentalen Weihe, der Kirche gegenüber. Denn er ist von Jesus Christus gesandt, ihm mit seinem Heilswerk in Wort und Heiligung sakramental und vergegenwärtigen."
Dieses Verständnis bleibe nicht nur ganz in der Spur des Hl. Augustinus - es sei auch zeitgemäß, solange die Spannung aufrecht bleibe, mahnte Koch: "Wenn sie aufgelöst wird, drohen jene zwei Gefahren, die besonders heute die Stellung des Bischofs in der Kirche gefährden: Will ein Bischof allein 'Für' sein, indem er sein 'In-Sein' im gemeinsamen Taufpriestertum dementiert, stehen wir vor jenem Phänomen, das mit Recht als "Klerikalismus" bezeichnet wird. Wenn ein Bischof hingegen nur 'In' - im verräterischen Doppelsinn dieses Wortes - sein will, verleugnet er seine amtliche Sendung zur sakramentalen Repräsentation Jesu Christi und droht ein reiner 'Zeit-Geistlicher' zu werden."
Dieses Amtsverständnis, wie es auch Bischof Kapellari zu eigen gewesen sei, sei heute dringend geboten, da es "in der heutigen konfliktuösen und zerrissenen Welt" ein "Zeichen und Werkzeug für die Einheit" der Kirche sei, so Koch.
Geburtstagsgrüße auch aus Politik und Gesellschaft
Gratulationen zum 90. Geburtstag und persönliche Erinnerungen an Begegnungen mit Bischof Egon Kapellari schilderten in der Sonderausgabe der Zeitschrift "Denken+Glauben" auch zahlreiche weitere Persönlichkeiten aus Kirche, Politik, Gesellschaft und Medien. Als "ein beeindruckendes Vorbild" in seiner Fähigkeit, den Alltag "in einen größeren Kontext zu stellen" und "neue Sichtweisen und Blickwinkel" zu bieten, bezeichnete etwa Altbundeskanzler Wolfgang Schüssel (ÖVP) den emeritierten Grazer Bischof in seinem Beitrag. Auch wenn sich das Christentum in Europa derzeit "sehr herbstlich, fast frühwinterlich" anfühle, so rufe er sich gern Kapellaris Trost in Erinnerung, "dass noch jedem Winter ein Frühling folgen kann und wird", so Schüssel.
Auch die drei früheren Landeshauptleute der Steiermark, Waltraud Klasnic (ÖVP, 1996-2005), Franz Voves (SPÖ, 2005-2015) und Hermann Schützenhöfer (ÖVP, 2015-2022) dankten Kapellari für stets bereichernde Begegnungen und tief schürfende Gespräche. Als einen "Glücksfall" bezeichnete etwa Klasnic Bischof Kapellari. Sie habe ihn nicht nur als Gesprächspartner mit großem und breitem Interesse kennengelernt, sondern ihn auch in ihrer Tätigkeit als Unabhängige Opferschutzanwältin seit 2010 bis Ende des vergangenen Jahres als "eine Persönlichkeit von großer Klarheit und Sensibilität" erlebt, der sich der "Dimension und Bedeutung der Aufgabe und Verantwortung voll bewusst war", so Klasnic.
"Ihre hohe Belesenheit, Ihr Wissen und Ihre Erfahrung haben mir in wesentlichen gesellschaftlichen Fragestellungen oft wichtige Orientierung in meiner Entscheidungsfindung gegeben", bekannte weiters der Klasnic-Nachfolger als Landeshauptmann, Franz Voves. Und er fügte in einer persönlichen Notiz hinzu: "Lieber Herr Bischof, wenn ich Ihnen damals schon erzählen musste, dass mich seinerzeit das Verhalten von Kardinal Groer und Bischof Krenn dazu geführt hat, mich von der Institution Kirche abzuwenden, so bin ich dennoch ein gläubiger Mensch geblieben."
Als "großen Prediger", "großen Theologen" und "großen Bischof und bedeutenden Seelsorger", der sich speziell der jungen Generation annahm, würdigte Schützenhöfer den Jubilar. Er habe stets von den Gesprächen mit Kapellari profitiert und sei fasziniert gewesen von dessen breiter Bildung, so der frühere VP-Landeshauptmann.
Europäer und "echter Freund"
Unter den kirchlichen Gratulanten waren außerdem der langjährige Europa-Referent der Österreichischen Bischofskonferenz, Michael Kuhn, sowie der frühere Superintendent der Evangelischen Kirche in der Steiermark, Hermann Miklas. Kuhn erinnerte in seinem Beitrag an den glühenden Europäer Egon Kapellari. 18 Jahre lang - von 1997 bis 2015 - verfolgte Kapellari als Mitglied der Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Gemeinschaft (Comece) und als "Europa-Bischof" intensiv alle Frage zur europäischen Integration und zu Fragen der Bedeutung des Christentums für ein lebendiges Europa, so Kuhn. "Wesentlich war für ihn die Frage, wie die Kirche, ohne die die Entstehung des heutigen Europa nicht denkbar ist, zum politischen Integrationsprojekt beitragen könne, ohne sich dabei selbst zu vergessen oder zu verleugnen."
Auch die Ökumene stellte sich mit Geburtstagsgrüßen ein - namentlich in Person des früheren steirischen Superintendenten Hermann Miklas, der Kapellari als einen "echten Freund" bezeichnete. Insbesondere schätze er an dem Jubilar seine geradlinige Art, seine präzise Formulierkunst und seinen Humor, so Miklas.
"Denken+Glauben" ist die Zeitschrift der Katholischen Hochschulgemeinde für die Grazer Universitäten und Hochschulen. Sie erscheint seit über 35 Jahren. Die zwei Ausgaben pro Jahr sind jeweils zu einem anlassbezogenen relevanten Thema gehalten und erscheinen Ende Februar und Ende September. Sie liegen in einer Auflagenzahl von 1.800 Stück vor. Außerdem ist die Zeitschrift unter www.khg-graz.at elektronisch abrufbar. Dort ist auch die Sondernummer zum 90. Geburtstag von Bischof Egon Kapellari abrufbar.
Quelle: Kathpress