
Josef Grünwidl: Vom Pfarrer zum Erzbischof
Der 62-Jährige Josef Grünwidl wird am 24. Jänner im Wiener Stephansdom zum 33. Erzbischof der Erzdiözese geweiht und offiziell in sein Amt eingeführt. Papst Leo XIV. hat Josef Grünwidl am 17. Oktober 2025 offiziell zum Nachfolger von Kardinal Christoph Schönborn ernannt. Grünwidl leitete die Wiener Erzdiözese seit 22. Jänner 2025 bereits interimistisch, nachdem Papst Franziskus (2013-2025) das altersbedingte Rücktrittsgesuch Schönborns an dessen 80. Geburtstag angenommen hatte. Mit der Bischofsweihe ist die Übergangsphase nun formell abgeschlossen.
Grünwidl wurde am 31. Jänner 1963 im niederösterreichischen Hollabrunn geboren und wuchs in Wullersdorf auf. Nach der Matura trat er ins Wiener Priesterseminar ein und studierte Theologie an der Universität Wien sowie Konzertfach Orgel an der Musikuniversität Wien. Seine Diakonenweihe erhielt Grünwidl durch Weihbischof Helmut Krätzl (1931-2023) - dessen Hirtenstab (Pastorale) Grünwidl am Samstag im Rahmen der Bischofsweihe überreicht wird. Nach der Priesterweihe 1988 durch Kardinal Franz König war Grünwidl Kaplan bzw. Kurat in Pfarrgemeinden in Wien-Leopoldstadt und Wiener Neustadt sowie ab 1993 Diözesanjugendseelsorger der Erzdiözese Wien. Von 1995 bis 1998 arbeitete er als erster Sekretär des damals neu ernannten Wiener Erzbischofs Christoph Schönborn.
Danach kehrte er in die Pfarrseelsorge zurück. Von 1998 bis 2014 war Grünwidl Pfarrer in Kirchberg am Wechsel, Feistritz, St. Corona und Trattenbach im südlichen Niederösterreich, anschließend bis 2023 Pfarrmoderator in Perchtoldsdorf bei Wien. Über mehrere Jahre hinweg war er zudem Dechant. Von 2016 bis 2023 fungierte er als geschäftsführender Vorsitzender des Wiener Priesterrats.
Anfang 2023 ernannte Kardinal Schönborn Josef Grünwidl zum Bischofsvikar für das Vikariat Süd der Erzdiözese Wien. Das Vikariat ist eine der drei territorialen Verwaltungseinheiten der Erzdiözese, in der mehr als eine Million Katholiken leben und die neben der Stadt Wien auch das östliche Niederösterreich umfasst.
Mit der Bestellung zum Apostolischen Administrator kam Grünwidl zu Jahresbeginn 2025 bereits übergangsmäßig an die Diözesanspitze. In dieser Rolle profilierte er sich als seelsorgeorientierter und kommunikativer Leiter. Er befürwortet eine freie Diskussion zu Themen wie Zölibat, Frauenämter oder Synodalität, äußerte sich dabei jedoch zurückhaltend. Als Administrator nahm er mehrere Frauen ins diözesane Leitungsteam auf.
Grünwidl ist in der kirchlichen Basis verankert, pastoral erfahren und ein dialogbereiter Zuhörer. Er selbst versteht seine Aufgabe vor allem spirituell. Kirche brauche weniger Strukturdebatten, sondern mehr geistliche Tiefe, erklärte er mehrfach. In seiner ersten Stellungnahme zur Ernennung betonte er, Gott wolle ihn "nicht perfekt, sondern verfügbar".
Quelle: kathpress