
Linz: Mit Skandal der Christenverfolgung nicht abfinden
Religionsfreiheit ist ein fundamentales Menschenrecht, das weltweit gut 350 Mio. Christen vorenthalten wird. Skandalös ist zudem, dass diese Tatsache in der westlichen Welt weitgehend negiert wird. Das war der Tenor einer Pressekonferenz, zu der am Dienstag der Linzer Bischof Manfred Scheuer gemeinsam mit der Linzer "Pro Oriente"-Sektion und der "Initiative Christlicher Orient" (ICO) geladen hatte. Sowohl mit dem Faktum der Verfolgung und Diskriminierung von Christinnen und Christen als auch mit der weitgehenden Gleichgültigkeit demgegenüber dürfe man sich nicht abfinden, waren sich Bischof Scheuer, Pro Oriente-Obmann Josef Pühringer und ICO-Obmann Slawomir Dadas einig.
"Christenverfolgung zeigt sich nicht nur in offener Gewalt wie Mord, Entführungen oder Anschlägen", betonte Bischof Scheuer. "Sie äußert sich auch in einem dauerhaften Druck auf das alltägliche Leben von Gläubigen - etwa durch Diskriminierung im gesellschaftlichen Leben, Einschränkungen der Religionsfreiheit oder staatliche Kontrolle kirchlicher Aktivitäten."
Besonders dramatisch sei die Lage in Teilen Afrikas, des Nahen Ostens und Asiens. In Ländern wie Nigeria, Somalia oder Afghanistan seien Christen massiver Gewalt und Verfolgung ausgesetzt. Auch in Staaten wie Iran, Pakistan oder Indien komme es immer wieder zu Diskriminierung, Angriffen auf Kirchen oder Gewalt gegen christliche Gemeinschaften.
Scheuer wies zudem darauf hin, dass Christenverfolgung kein ausschließlich religiös motiviertes Phänomen sei. "Oft spielen politische Konflikte, ideologische Radikalisierung oder autoritäre Regime eine entscheidende Rolle", so der Bischof. Auch in Lateinamerika gerieten kirchliche Vertreter immer wieder ins Visier krimineller Organisationen, wenn sie sich gegen Korruption, Gewalt oder Menschenrechtsverletzungen engagieren.
Besorgniserregend sei zudem, dass das Thema international häufig zu wenig Aufmerksamkeit erhalte. "Die Not vieler Christinnen und Christen bleibt oft im Schatten der weltpolitischen Debatten", so Scheuer. Der Bischof rief daher zu größerer Solidarität und zu einem entschiedenen Einsatz für Religionsfreiheit weltweit auf.
"Wir dürfen nicht länger wegschauen"
Deutliche Worte fand auch "Pro Oriente"-Obmann Pühringer: "Christenverfolgung ist ein Skandal - aber einer, der nicht schreit." Besonders kritisch äußerte sich Pühringer über die mangelnde internationale Aufmerksamkeit für das Thema: "Bedrückend sind nicht nur die Fakten der Christenverfolgung selbst, sondern auch die Reaktion vieler demokratischer Staaten. In den letzten Jahren wurde die Verfolgung von Mitchristen kaum thematisiert." Sein Fazit fiel deutlich aus: "Wir nehmen diese Christenverfolgung oft einfach zur Kenntnis. Das Thema findet viel zu selten den Weg in die Schlagzeilen der Medien." Pühringers Appell: "Wir dürfen nicht länger wegschauen."
Das Thema nicht rechten Gruppierungen überlassen
ICO-Obmann Dadas wies auf die schwierige Situation vieler christlicher Gemeinschaften im Nahen Osten hin. Seit Jahrzehnten setze sich die ICO dafür ein, die Lebensrealität von Christen in Ländern wie der Südosttürkei, dem Irak, Syrien, dem Libanon sowie in Israel und Palästina sichtbar zu machen und konkrete Hilfe zu leisten. "In vielen Ländern des Nahen Ostens leben Christen als Minderheit. Je nach politischer Lage erleben sie Benachteiligung, Diskriminierung oder in extremen Fällen sogar Verfolgung", so Dadas. Wie Bischof Scheuer betonte auch Dadas, dass eine differenzierte Betrachtung wichtig sei: "Nicht jede Christin und jeder Christ in einem islamisch geprägten Land ist automatisch verfolgt. Wir unterscheiden bewusst zwischen Benachteiligung, Diskriminierung und tatsächlicher Verfolgung, um gezielt helfen zu können."
Auch nach Einschätzung der ICO wird das Thema Christenverfolgung in Europa bislang zu wenig wahrgenommen. "Leider unternimmt Europa insgesamt noch immer zu wenig, um angemessen auf diese Situation zu reagieren." Und leider würden sich rechte Gruppierungen des Themas "Christenverfolgung" bedienen und es als "Kampfbegriff gegen den Islam" verwenden, so der ICO-Obmann. Nachsatz: "Das tun wir nicht. Wir möchten möglichst viele Menschen motivieren, unsere Schwestern und Brüder im Glauben zu unterstützen und ihnen eine faire Lebenschance zu ermöglichen."
Auch Dadas plädierte für mehr mediale Berichterstattung: "Gerade in Österreich wäre eine stärkere öffentliche Aufmerksamkeit für die Lage der Christen im Nahen Osten wünschenswert."
5. Fastensonntag im Zeichen der Religionsfreiheit
Das Pressegespräch fand anlässlich des bevorstehenden 5. Fastensonntags ("Passionssonntag") statt, den die österreichischen Bischöfe schon vor Jahren zum Gebetstag für die verfolgten Christinnen und Christen erklärt haben. "Pro Oriente"-Linz und die "Initiative Christlicher Orient" (ICO) laden deshalb am kommenden Sonntag, 22. März, um 18.15 Uhr, zu einem Gottesdienst in den Alten Dom in Linz (Ignatiuskirche), der ganz im Zeichen des Gedenkens an die verfolgten und diskriminierten Glaubensgeschwister in aller Welt steht. Dem Gottesdienst wird ICO-Obmann Slawomir Dadas vorstehen.
"Pro Oriente"-Obmann Pühringer betonte im Rahmen des Pressegesprächs, dass der Einsatz für Religionsfreiheit und gegen Christenverfolgung seit Jahren eine Kernaufgabe von "Pro Oriente" sei. Die OÖ-Sektion stelle zum Passionssonntag allen Pfarren der Diözese Linz Materialien zur Verfügung, die in den Gottesdiensten verwendet werden können. So finde in vielen Pfarren inzwischen zumindest im Rahmen der Fürbitten das Anliegen seine Aufnahme.
Quelle: kathpress