
Expertin: Kirche wichtig für gelingendes Miteinander mit Down-Syndrom
Auf die zentrale Rolle der Kirche für ein gelingendes Miteinander in der Gesellschaft mit von Behinderung betroffenen Menschen hat die Obfrau von Down-Syndrom Österreich, Sylvia Andrich, hingewiesen. "Inklusion bedeutet, dass alle Menschen zusammen leben, feiern, spielen, singen, tanzen und auch beten. Niemand wird ausgeschlossen", so die selbst als Mutter betroffene Interessenvertreterin in einem Interview in der Kärntner Kirchenzeitung "Sonntag" (aktuelle Ausgabe) anlässlich des Welt-Down-Syndrom-Tages am 21. März. Viele Familien wünschten sich vor allem, "in ihren Heimatpfarren willkommen zu sein", was zwar bereits vielfach gelinge, aber noch nicht flächendeckend umgesetzt sei.
Konkret fordert Andrich mehr Sensibilität im kirchlichen Alltag. Priester sollten Menschen mit Behinderungen aktiv einbinden und Verständnis für individuelle Ausdrucksformen zeigen, etwa wenn während eines Gottesdienstes spontane Reaktionen erfolgen. "Jedes Kind soll zur Erstkommunion und Firmung gehen dürfen, zusammen mit seinen Klassenkameraden und Freunden", so Andrich. Auch Angebote wie Jungschar, Ministrantendienst oder Kinderchor müssten allen offenstehen.
Praktische Hilfen wie Texte in einfacher Sprache oder langsameres Sprechen kämen nicht nur Menschen mit kognitiven Einschränkungen zugute, sondern auch Kindern oder Gläubigen mit anderer Muttersprache. Zugleich brauche es Geduld: "Oft braucht es Zeit, bis Menschen mit Down-Syndrom etwas verstehen oder eine Antwort formulieren können."
Auch im sensiblen Bereich der Schwangerschaftsberatung plädiert Andrich für einen differenzierten Zugang. Werdende Eltern bräuchten "wertfreie Beratung", die weder beschönige noch abschrecke, sondern ehrlich informiere und Mut mache. Trisomie 21 sei "eine Laune der Natur", vergleichbar mit einem "vierblättrigen Kleeblatt", und niemand trage daran Schuld. Zwar gebe es einen erhöhten Förder- und Therapiebedarf, doch entwickle sich jedes Kind individuell und nicht vorhersehbar.
Persönlich unterstreicht Andrich die positive Perspektive vieler betroffener Familien: "Unsere Kinder sind lebensfroh und meist pflegeleicht." Zugleich kritisiert sie strukturelle Hürden: Viel Energie gehe in Bürokratie, Anträge und Gutachten verloren. Wünschen würde sie sich leichteren Zugang zu Therapien und Unterstützungsleistungen. Den Gedanken, das zusätzliche Chromosom "wegzuzaubern", weist sie entschieden zurück: "Dann wäre es nicht mehr meine Tochter."
Papst Franziskus ist mehrmals auf die Situation von Menschen mit Behinderungen eingegangen und von deren "Lehramt der Zerbrechlichkeit" gesprochen. "Das Lehramt der Zerbrechlichkeit ist ein Charisma, mit dem Sie - Schwestern und Brüder mit Behinderungen - die Kirche bereichern können: Ihre Anwesenheit kann dazu beitragen, die Realität, in der wir leben, zu verändern, sie menschlicher und einladender zu machen", zitiert die Kirchenzeitung das im Vorjahr verstorbene Kirchenoberhaupt.
Rund um den Welt-Down-Syndrom-Tag 2026 waren österreichweit mehrere kirchliche Feiern und Veranstaltungen angekündigt. Bereits am vergangenen Sonntag fand im Wiener Stephansdom ein inklusiver Gottesdienst statt, in Salzburg lud die Erzdiözese für Samstag, 21. März, zu einem inklusiven Begegnungsprogramm im Spielzeug Museum sowie zu einem Benefiz-Kabarettabend. In Kärnten gibt es am Sonntag, 22. März, in ein Gottesdienst in der Stadtpfarrkirche Feldkirchen unter dem Motto "Hier ist Platz in unserer Mitte!", ergänzt durch ein "Rock the Socks"-Pfarrcafé.
Quelle: kathpress