
Familienverband: Kindergärten gehören in Bundeshand
Eine Absage erteilt der Katholische Familienverband Österreichs (KFÖ) den jüngsten Überlegungen von Gemeindebund-Präsident Johannes Pressl, den Bereich Kinderbetreuung ausschließlich in den Verantwortungsbereich der Gemeinden zu übertragen. "Heute schon ist die Versorgungssituation mit Betreuungseinrichtungen regional bedingt höchst unterschiedlich", so KFÖ-Präsident Peter Mender in einer Aussendung am Mittwoch: "Wenn ausschließlich die Gemeinden für Kinderbetreuung zuständig sind, ist zu befürchten, dass die vielen 'Klein-Klein'-Lösungen zu einem Flickenteppich führen, bei dem Qualität, Öffnungszeiten und Betreuungsschlüssel vom jeweiligen Gemeindebudget abhängen. Das ist weder fair noch zukunftsorientiert."
Der Präsident des Familienverbandes zeigte sich überzeugt, dass es ein bundesweit einheitliches Rahmengesetz für Kinderbetreuungseinrichtungen brauche, das den zentralen Fokus auf den Betreuungsschlüssel legt und trotzdem Gestaltungsmöglichkeiten für regionale Gegebenheiten lässt. "Nur so kann die notwendige Qualität und sichere Bindung gewährleistet werden", so Mender.
Abgesehen von der Vereinbarkeit von Beruf und Kinderbetreuung für Eltern komme den Kindergärten eine immer größere Bedeutung bei der Integrations- und Sprachförderung zu, so der KFÖ-Präsident weiter: "Gerade hier braucht es verlässliche, bundesweit einheitliche Rahmenbedingungen und ein durchdachtes Gesamtkonzept und keine kleinteiligen Strukturen."
Der Katholische Familienverband fordert daher, die Elementarpädagogik noch stärker auf Bundesebene zu bündeln, um allen Kindern gleiche Chancen zu garantieren. Mender: "Kindergärten sind Bildungseinrichtungen. Es kann nicht sein, dass die Postleitzahl über die Qualität und Öffnungszeiten eines Kindergartenplatzes entscheidet. Frühkindliche Bildung und Sprachförderung müsse endlich den Stellenwert erhalten, "der ihnen zusteht".
Weil bundesweit 21 Prozent der Kinder bei Schuleintritt nicht ausreichend Deutsch sprechen, schlägt der Katholische Familienverband zudem vor, Migrantinnen und Migranten mit guten Deutschkenntnissen zu Sprachassistentinnen und -assistenten für Kindergärten auszubilden. "Dabei würde man gezielt von der Mehrsprachigkeit profitieren, diese als Ressource nutzen und auch die Gleichstellung der Migrantinnen unterstützen", so Mender. Gleichzeitig stellt er aber klar, dass das Projekt nur erfolgreich sein kann, wenn diese Sprachassistentinnen mit den Kindern Deutsch sprechen. Für Kinder mit Migrationshintergrund wäre dies ein Gewinn, weil sie so im Kindergartenalltag spielerisch die deutsche Sprache erlernen. "Gleichzeitig würde dieser Ansatz die Integration stärken und dem Personalmangel bei den Elementarpädagoginnen entgegenwirken", so der Familienverbandspräsident.
Quelle: kathpress